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Wie kann man einen Sterbefall bewältigen?

Wie kann man einen Sterbefall bewältigen?

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Es ist natürlich zu fragen, warum wir leiden. Eine schwer akzeptierbare, wenn auch allgemeine Antwort ist es, dass es unlogisch sei, den Schöpfer auf das, was der Mensch verstehen kann, beschränken zu wollen.

Das Beispiel eines Kleinkindes, von dem niemand erwartet, dass es die Gedanken und Handlungen eines Professors verstehen kann, - obwohl er selbst einmal ein Kleinkind war und das Kleinkind vielleicht später klüger als der Professor wird, - macht verständlich, wie viel größer der Unterschied zwischen der unendlichen Intelligenz des Schöpfers und dem begrenzten menschlichen Verstand ist.

Der Unterschied zwischen dem menschlichen Geschöpf und seinem Schöpfer ist riesig. Wir wissen, dass wir sowohl gute als auch unverständliche Begebenheiten mit der gleichen Einstellung akzeptieren sollen, in dem Wissen, dass alles dem Guten dient, auch wenn wir es nicht verstehen.

In der Tora steht jedoch geschrieben, dass Trauernde Trost schwer akzeptieren können.

Trotzdem hat es G-tt den Menschen ermöglicht, einige Aspekte des Lebens auf dieser Welt und nach dem Tode zu verstehen. Einer dieser Aspekte besteht in der Unsterblichkeit der Neschama (Seele), weil sie ein Teil G-ttes ist. Bei ihrer Rückkehr in den Himmel verlässt sie den Körper und lebt in der geistigen Welt der Wahrheit weiter.

Es ist offensichtlich, dass die Trennung der Seele vom Körper, z.B. durch Unfall oder Krankheit, nur einige lebenswichtige Körperorgane und nicht die Seele betrifft.

Außerdem ist die Seele während ihres Lebens auf der Erde durch körperliche Bedürfnisse, wie z.B. Essen und Trinken, in gewisser Weise ‚behindert’. Selbst ein Zaddik (Gerechter), dessen ganzes Leben dem Ewigen gewidmet ist, kann sich nicht den materiellen Begrenzungen des weltlichen Lebens entziehen. Daher kann die Seele, wenn sie vom Körper getrennt ist, die geistige Glückseeligkeit der Nähe G-ttes vollständig genießen.

Obgleich das sehr tröstlich für die Hinterbliebenen ist, werden trotzdem in der Tora Trauerzeiten vorgeschrieben. Trauer stellt keinen Widerspruch zum Trost dar. Vielmehr wird durch die Trauerzeit den natürlichen Trauergefühlen beim Verlust eines nahen Verwandten oder Freundes Rechnung getragen, denn von nun an werden physische Nähe und Kontakt zu dem geliebten Menschen sehr vermisst. Die in der Tora vorgeschriebenen Trauerzeiten erleichtern es den Trauernden, sich an die neue Situation zu gewöhnen und ihre Gefühle auszudrücken.

Dabei ist es weder für sich noch für andere oder gar für die Neschama gut, über die Trauerzeit hinaus in Trauergefühlen zu schwelgen. Es würde bedeuten, sich mehr um seine eigenen als die Gefühle der geliebten Neschama, die nun zu ewiger Glückseligkeit aufgestiegen ist, zu kümmern. Solch übermäßige Trauergefühle bereiten dem Verstorbenen tatsächlich Schmerzen, da die Neschama sich weiterhin für die Verwandten auf der Erde interessiert, z. B. auch sich mit ihnen freut.

Da die Seele ewig lebt und nicht durch körperliche Begrenzungen eingeschränkt wird, ist sie auch über ihre Familie informiert. Deren Trauer über die vorgeschriebenen Trauerzeiten hinaus betrübt die Seele und beeinträchtigt ihre Glückseeligkeit und Freude.

Auch zu Lebzeiten der Seele auf der Erde ist die tatsächliche Verbindung zwischen Familienmitgliedern nicht physischer sondern geistiger Art. Diese geistige Verbindung bleibt bestehen. Wer also den Verstorbenen lieb hatte, soll versuchen, ihm Freude durch seine geistige Verfeinerung (durch stärkere Toratreue) zu bereiten. Die Schiwa-Zeit (sieben Tage) ist einzuhalten, aber nicht auszudehnen. Das gilt auch für die Schloschim (dreißig Tage). Doch danach sollen wir G-tt durch Seine Mizwot mit freudigem Herzen dienen.

Da die Mizwot nur gemeinsam von Seele und Körper auf dieser Welt eingehalten werden können, ist das dem Verstorbene nicht mehr möglich. Dies kann aber durch die Lebenden überwunden werden, indem sie mehr Mizwot zu Ehren der geliebten Neschama tun.

In der Schiwa-Zeit trauern wir natürlich um den nahen Verwandten, dessen Seele zur Welt der Wahrheit zurückgekehrt ist. Eine jüdische Seele wird in der Tora als “Lampe G-ttes“ beschrieben, denn ihre Aufgabe ist die Verbreitung von G-ttes Licht auf der Welt. Wenn die Seele diese Welt verlässt, dann beschreibt die Tora das als einen Grund zum Trauern. Trotzdem sollten wir nie vergessen, dass die Seele ewig ist, und auch die schmerzlichste Begebenheit kommt von G-tt, - und dafür gibt es einen guten Grund.

Der eigentliche Sinn der Schiwa ist: „Die Lebenden sollen in ihren Herzen reflektieren“ (Ecclesiastes 7:2). Das bedeutet für die Hinterbliebenen, sich zu besinnen. Sie sollten versuchen, Tora und Mizwot besser einzuhalten. Da die zum Himmel aufgestiegene Seele eine Lücke in Form nicht mehr vervollständigter guter Taten auf Erden hinterlassen hat, sollten die nächsten Verwandten und Freunde dies durch eigene zusätzliche Anstrengungen kompensieren.

von Nissan Dovid Dubov
Rabbi Dubov ist der Direktor von Chabad of South London in Wimbledon, England. Er ist der Gründer der "KabbalahUK" Webseite und Autor vieler Bücher. Rabbiner Dubov lebt in Wimbledon mit seiner Frau Sarah und ihren Kindern.
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Diskussion (2)
14. Dezember 2016
Wie kann man einen Sterbefall bewältigen?
Herzlichen Dank, für die einfühlsamen und lehrreichen Beschreibungen. Der Absatz, "Auch zu Lebzeiten...", bestätigt mich in der Wahrnehmung meiner persönlichen Erfahrungen, als Laie und Autodidakt und ich sehe Ähnlichkeiten zu den buddhistischen Philosophien. Es sind nicht nur die Begrifflichkeiten ähnlich, sondern aus meiner individuellen Sichtweise auch die ohne Worte zu beschreibende spirituelle Raum- und Zeitlosen Energiewelten. Aus der Sichtweise der buddhistischen Lebensphilosophien, würde ich die Bezeichnung Seele, mit der Natur des klaren Geistes im philosophischen Buddhismus verbinden, ebenso ... physische und geistige Art, ganz einfach mit körperlicher und Spiritueller Art und Weise.
Lhamo Lo
Düsseldorf
3. Dezember 2014
wie kann man einen Sterbefall bewältigen ?
Für mich, der ich in 1 Monat 75 werde, ist seit rund 30 Jahren der Trost eingefangen in dem Vierzeiler :
Leben, denkt der Mensch beschränkt,
Das Leben sei ihm ja geschenkt. --
Dieser Irrtum wird verziehen,
Wenn wir einseh'n : Nur geliehen.
Jürgen Friedrich
Borstel-Hohenraden
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