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Die Rolle der Frau im Judentum

Die Rolle der Frau im Judentum

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In einem jüdischen Haushalt wird die Ehefrau und Mutter Akeret HaBajit (die wichtigste Stütze des Hauses) genannt. Sie bestimmt zum Grossteil den Charakter und die Atmosphäre des Hauses.

G-tt verlangt, dass jedes jüdische Haus einen jüdischen Charakter haben soll, d.h. nicht nur am Schabbat und den Feiertagen, sondern auch an den Wochentagen und in Bezug auf ‚gewöhnliche’ Angelegenheiten. Es sollte nie aufhören, in jeder Hinsicht ein jüdisches Haus zu sein.

Ein jüdischer Haushalt ist etwas Besonderes, weil er in jeder Hinsicht den Toravorschriften gemäß funktioniert. So wird das Haus eine Wohnstätte für die G-ttliche Gegenwart, ein Heim für G-ttlichkeit, von dem G-tt sagt: „Macht Mir eine Wohnstätte, und ich werde unter euch wohnen“ (Exodus 25:5).

Es ist ein Haus, wo G-ttes Gegenwart an jedem Tag der Woche zu spüren ist, und zwar nicht nur, wenn beim Beten und Toralernen, sondern auch beim Essen und Trinken („Kenne Ihn in all deinen Wegen“).

Es ist ein Haus, wo Mahlzeiten bereits ein heiliger G-ttesdienst sind, die wir durch das Waschen der Hände vor dem Essen, den Segensprüchen über dem Essen, sowie dem Segen nach der Mahlzeit heiligen. Nur streng koscheres Essen und Trinken wird ins Haus gebracht.

Es ist ein Haus, in dem die Beziehung zwischen Ehemann und Ehefrau durch das genaue Einhalten der Gesetze der Taharat Hamischpacha (Gesetze der Familienreinheit einschließlich Mikwa) geheiligt wird. Sie ist von dem Bewusstsein durchdrungen, den aktiven dritten “Partner” (G-tt) in die Schöpfung neuen Lebens voll einzubeziehen, um das G-ttliche Gebot zu erfüllen: „Seid fruchtbar und mehret euch“. Eine solche Beziehung legt den Grundstock dafür, dass die Kinder heilig und rein - mit reinem Herz und Geist - geboren werden, was sie später in die Lage versetzt, den Versuchungen ihrer Umgebung zu widerstehen. Gleichzeitig bilden die Gesetze des Taharat Hamischpachat die Grundlage für Friede und Harmonie (Schalom Bajit) im Haus, was wiederum dazu beiträgt, die Familie als Einheit aufrecht zu erhalten.

Es ist ein Haus, in dem die Eltern wissen, dass es ihre wichtigste Pflicht ist, in ihren Kindern von jung an Liebe und Ehrfurcht vor G-tt sowie Freude an den Mizwot zu wecken. Jüdische Eltern sollten wissen, dass das größte und tatsächlich einzige Erbe, dass sie ihren Kindern hinterlassen können, die Tora mit den Mizwot und jüdischen Traditionen ist. Sie ist ihre Lebensquelle und tägliche Anleitung.

Es ist ein Haus, in dem die jüdische Ehefrau und Mutter, die Akeret Habajit, das Sagen hat, denn es ist ihre Aufgabe und ihr Privileg, ihrem Haus die jüdische Atmosphäre zu geben.

Es ist die Aufgabe der jüdischen Ehefrau und Mutter, sicherzustellen, dass das Essen und Trinken, das in ihre Küche und auf ihren Essenstisch kommt, koscher ist. Die jüdische Ehefrau und Mutter hat das Privileg, den heiligen Schabbat durch das Kerzenanzünden am Freitag vor Sonnenuntergang einzuleuchten. Dadurch erhellt sie tatsächlich und symbolisch ihr Haus mit Frieden und Harmonie, mit dem Licht der Tora und der Gebote. So ist es vor allem ihr Verdienst, dass G-tt ihrem Ehemann, ihren Kindern und dem ganzen Haushalt den Segen wahren Glückes gibt.

Neben den Mizwot des Lichteranzündens, Challa-Nehmens und anderen Geboten, die in der Tora primär den jüdischen Töchtern anvertraut werden, gibt es Dinge, die im Befugnisbereich der Frau liegen. Der Grund dafür liegt im übernatürlichen Bereich, der die Quelle alles Guten in der körperlichen Welt ist. Dies bezieht sich auf das Einhalten von Taharat Hamischpacha, und das gehört natürlicherweise in den Befugnisbereich der jüdischen Frau. Der Ehemann muss das gemeinsame Einhalten dieser Gebote unterstützen und erleichtern, und darf es auf keinen Fall – G-tt bewahre – behindern. Trotzdem trägt die Hauptverantwortung als alleiniges Privileg nur die Ehefrau.

Dies ist die große Aufgabe und der Auftrag, den G-tt den jüdischen Frauen gab, nämlich Taharat Hamischpacha und die anderen wichtigen Institutionen des jüdischen Familienlebens einzuhalten und diese Gesetze zu verbreiten. Denn dies sind die grundlegenden Mizwot und Grundlagen der Heiligkeit des jüdischen Familienlebens, die sich zudem auf das körperliche und geistige Wohlergehen der Kinder positiv auswirken.

Wir sollten uns immer daran erinnern, dass der Schöpfer jede jüdische Frau mit der Fähigkeit ausgestattet hat, diese Gesetze tagtäglich einzuhalten, denn sonst wäre es nicht logisch oder fair, dass G-tt ihr diese Pflichten gegeben hat.

Hier soll darauf aufmerksam gemacht werden, dass der jüdische Status der Kinder von der Mutter abhängt. Nach jüdischem Recht ist jüdisch, wer von einer jüdischen Mutter geboren wurde. Wenn nur der Vater jüdisch ist, nicht aber die Mutter, dann ist das Kind nicht jüdisch. Diese Tatsache verdeutlicht, dass die Frau eine vornehmlich Rolle in der Erhaltung der jüdischen Identität und Werte hat.

Trotz ihrer Hauptverantwortung bedeutet es nicht, dass die Rolle der jüdischen Frau nur zu Hause liegt und sie keine Karriere machen darf. Aber es setzt Prioritäten bezüglich der Hauptaufgabe einer jüdischen Frau, die darin liegt, das Zuhause zu gestalten, weil Haus und Familieneinheit den Kern der jüdischen Gemeinde bilden. Moderne Psychologen bestätigen zunehmend, was schon in der Tora steht: Nur ein sicheres und liebevolles Zuhause, das solide moralische und ethische Werte vermittelt, ist grundlegender Baustein für eine gute Gesellschaft. Deshalb ist es für eine jüdische Ehefrau und Mutter nicht ratsam, der Karriere zuliebe ihre Pflichten und Privilegien im häuslichen Bereich zu vernachlässigen.

Eine jüdische Frau, die ein jüdisches Zuhause schafft und ihren Kindern Tora und Mizwot beibringt, verdient das Lob König Solomon’s: „Eine wertvolle Frau, wer kann sie finden ... eine G-ttesfürchtige Frau soll gepriesen werden.“

Zurück zu den Wurzeln

Jede jüdische Frau ist Nachfolgerin der Matriarchinnen Sara, Riwka, Rachel und Lea. Jede jüdische Frau muss sich ihrer Abstammung bewusst sein.

Bis heute kann jede jüdische Frau, die über die lebenswichtige Funktion der Wurzeln in der Pflanzenwelt nachdenkt, etwas von dieser Analogie lernen.

Ihre Wurzeln sind von Anfang an die Lebensquelle jeder Pflanze, sobald der Samen Wurzeln schlägt. Über die Wurzeln erhält die Pflanze Wasser und Mineralien aus dem Erdreich.

Trotz ihrer Verantwortung für das eigene Wachstum liegt die Hauptaufgabe der Wurzeln in der Ernährung der Pflanze, um die Regeneration durch gute Fruchtentwicklung sicherzustellen. Gleichzeitig sind die Wurzeln die sicherste Basis für die Verankerung in der Erde, so dass die Pflanze nicht durch starke Winde und andere Witterungsbedingungen entwurzelt werden kann.

Unsere geistigen Wurzeln haben dieselbe Funktion wie diese physischen Wurzeln. Die „primären“ Wurzeln des jüdischen Volkes sind unsere Patriarchen Abraham, Isaak und Jakob wie es bei unseren Weisen heisst: “Nur drei werden Awot (Väter) genannt“. Auf der mütterlichen Seite sind die „primären“ Wurzeln unsere Mütter, Sara, Riwka, Rachel und Lea. Alle diese Gründer/innen und Erbauer/innen des Hauses Israel haben eine bestimmte Qualität beigesteuert, die zusammengenommen den eigentümlichen Charakter unseres jüdischen Volkes ausmachen.

Der typischste und (im Bezug auf Vaterschaft) originellste ist der Patriarch Abraham, über den geschrieben steht „Einer war Abraham“, denn er war der einzige in seiner Generation, der die Einheit G-ttes erkannte und mit totaler Selbstaufopferung die Einheit G-ttes (d.h. reinen Monotheismus) in einer Zeit kundtat, in der Polytheismus und Götzendienst gang und gäbe waren.

Abrahams Nachkommen, das jüdische Volk, ist auch einzigartig. Er ist eine kleine Minderheit in einer Welt, in der es viele Götter gibt. Von ihm haben wir die Eigenschaft der Mesirat Nefesch (Selbstaufopferung) sowie die Aufgabe geerbt, unser Erbe unseren Kindern zu vermitteln. Es war Abrahams größter Verdienst, was er durch seine vollkommene G-ttesanbetung und Hingabe seinen Kindern und seinem Haushalt beigebracht hat, „den Weg G-ttes zu halten“.

Wenn unsere Weisen unsere Patriarchen als „Wurzeln“ bezeichnen, dann verdeutlichen sie damit einen weiteren Aspekt der Wurzeln, der über die Rolle der Eltern hinausgeht. Natürlich vererben die Eltern ihren Kindern einige ihrer körperlichen, geistigen und spirituellen Eigenschaften. Aber Kinder sind nicht total auf ihre Eltern angewiesen. Sie können aus ihrem Elternhaus wegziehen und werden weiterleben, auch wenn ihre Eltern gestorben sind. Im Gegensatz dazu sind Wurzeln für die Existenz der Pflanze unersetzlich. So wie der lebenserhaltende Einfluss der Wurzel auf die Pflanze fortdauern muss, müssen unsere Väter und Mütter immer unser eigenes Leben aufrechterhalten.

Alle Juden sollten sich darüber klar sein, dass sie ein Teil des grossen „Wurzelwerks“ sind, das mit unseren Patriarchen und Matriarchen begann und über die Zeitalter hinweg gewachsen ist. Es hat unser Volk erhalten, das G-tt „ein Zweig meiner Pflanze, das Werk meiner Hände, auf das ich stolz bin“ nennt.

Leider sind sich manche Juden, warum auch immer, ihrer Wurzeln nicht bewusst: oder ihre Wurzeln sind so geschrumpft, dass sie fast austrocknen. Daher haben die anderen, gesunden Pflanzen und Wurzeln die Aufgabe, noch stärker darauf hinzuarbeiten, dass alle Juden gestärkt und wiederbelebt werden, damit sie ihre Identität und ihren Platz im Wurzelsystem unseres einmaligen Volkes wiederfinden.

Die Rolle der Frau ist bei dieser lebensrettenden Aufgabe als Akeret HaBajit, als Fundament des Hauses, von entscheidender Wichtigkeit, denn sie bestimmt weitgehend den Charakter und die Atmosphäre des Hauses und damit die Zukunft der Kinder.

Für ein jüdisches Mädchen kann es keine größere Erfüllung geben, als sich auf ihre wichtigste Rolle vorzubereiten, das Haus Israels als würdige Nachfolgerin mit aufzubauen. Es ist ein zweifacher Prozess, sowohl sein eigenes Wachstum aktiv zu verfolgen, als auch an der Erhaltung und dem Wachstum unseres Volkes durch Verbreitung und Stärkung der Jiddischkeit in der jüdischen Gemeinde mitzuwirken, und zwar in jenen Bereichen, wo jüdische Mütter und Töchter am meisten beisteuern können, wie z.B. Kaschrut, Taharat Hamischpacha, dem Zünden der Schabbatlichter.

Schließlich sei auf das Verhältnis von inneren und äußeren Werten hingewiesen. Wurzeln zeichnen sich nicht durch glänzende Formen und Farben aus. Niemanden kümmert ihr Aussehen, denn Wurzeln arbeiten nicht im Rampenlicht. Das gilt meistens auch für wahre jüdische Mütter und Töchter, deren Tun oft ganz und gar den Blicken entzogen ist.

In dieser Welt, in der die Mode einen bedeutenden Platz einnimmt und Zweckmäßigkeit oft wichtiger als ewige Werte und Prinzipien erscheint, stören sich unsere wertvollen Mütter und Töchter nicht daran, was Nachbarn oder Vorübergehende über ihr Verhalten sagen, und wie sie ihr Haus in Übereinstimmung mit den Gesetzen unserer heiligen Tora lenken. Erscheinen wir Juden jenen Anderen als „altmodisch“, dann sind wir auf unsere „altmodischen“, aber immer neuen und ewigen Wurzeln stolz. Wir bemühen uns, ständig „wurzelmäßiger“ zu werden, so dass wir den Hauptwurzeln unseres jüdischen Volkes, das als „Königreich der Priester und als heilige Nation“ ausgewählt wurde, immer stärker ähneln.

Wahrer jüdischer Reichtum

Es ist gut, sich an einen klassischen chassidischen Ausspruch zu erinnern:

„Weder Grundbesitz noch Geld sind wahrer jüdischer Reichtum. Der ewige jüdische Reichtum ist es, ein Jude zu sein, die Tora und Mizwot zu halten, und Kinder und Enkelkinder in diese Welt zu bringen, die Tora und Mizwot halten.“

von Nissan Dovid Dubov
Rabbi Dubov ist der Direktor von Chabad of South London in Wimbledon, England. Er ist der Gründer der "KabbalahUK" Webseite und Autor vieler Bücher. Rabbiner Dubov lebt in Wimbledon mit seiner Frau Sarah und ihren Kindern.
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