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Widersprechen sich Wissenschaft und Religion?

Widersprechen sich Wissenschaft und Religion?

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Aus der traditionellen Sichtweise der Bibel gesehen ist die Welt nur 5½ Tausend Jahre alt und wurde in sechs Tagen erschaffen. Offensichtlich beweist die moderne Wissenschaft jedoch, dass die Welt Billionen Jahre alt und dass der Mensch durch die Evolution entstanden ist, womit die biblische Geschichte in Genesis überfällig geworden zu sein scheint. Ist es trotzdem möglich, an sogenannten antiquierten religiösen Glaubenssätzen festzuhalten, wenn wissenschaftlich das Gegenteil bewiesen wurde?

Die Definition von Wissenschaft und Religion

Im allgemeinen wird Wissenschaft als Wissen definiert. Im spezifischen bezieht sich Wissenschaft auf Wissen, das durch Beobachtung und Experiment erworben und dann kritisch getestet, systematisiert und in allgemeinen Prinzipien ausgedrückt wird. Noch spezifischer muss zwischen empirischer oder experimenteller Wissenschaft, die sich mit der Beschreibung und Klassifizierung beobachtbarer Phänomene beschäftigt, und spekulativer Wissenschaft unterschieden werden, die sich mit Phänomenen befasst, die unbekannt sind und manchmal nicht im Labor hervorgebracht werden können. Der Ausdruck „wissenschaftliche Spekulation“ ist ein Widerspruch, da Spekulation nicht mit Wissen im engeren Sinne gleichzusetzen ist. Wissenschaftliche Spekulation kann bestenfalls eine Theorie beschreiben, die von bestimmen Tatsachen abgeleitet und auf unbekannte Phänomene angewandt wurde.

Religion ist ein Glaube an etwas. In der jüdischen Religion bedeutet das: Glaube an die G-ttliche Natur der Tora – Tora min Haschamajim; dass die Tora, die Moses erhielt und dem jüdischen Volk gab, G-ttlichen Ursprungs und damit das Wort G-ttes ist. Daher stellt die Tora G-ttliche Weisheit dar, und da G-tt wahr ist, ist auch Seine Tora wahr. Die Tora wird oft als Torat Emet, d.h. wahre Tora bezeichnet. Die Tora offenbart die Wahrheit.

An diesen zwei Definitionen sehen wir, dass in der Wissenschaft zwar Theorien und Hypothesen formuliert werden, während sich die Tora mit absoluten Wahrheiten beschäftigt. Tora und Wissenschaft sind zwei verschiedene Disziplinen, die nicht miteinander vereinbart werden können. Die Tora gehört dem Bereich der absoluten Wahrheit an. Was in der Tora steht ist nicht wahr, weil es wissenschaftlich bewiesen wurde, sondern weil diese Wahrheit durch G-tt offenbart wurde. Die Wissenschaft beschäftigt sich nicht mit dem Absoluten, sondern mit beobachtbaren Phänomenen und Prinzipien, die von den Beobachtungen abgeleitet wurden.

Die Wissenschaft von gestern und die Wissenschaft von morgen

Im 19. Jahrhundert nahmen die Wissenschaftler und Modernisten an, dass die menschliche Vernunft wissenschaftliche Ableitungen ohne Fehler durchführen könne, und dass die harten Wissenschaften wie Physik, Chemie und Mathematik nicht angenommene, sondern absolute Wahrheiten darstellten. Im jüdischen Sinne betrachtet, war dies ein neuer Götzendienst, nur dass er nicht Holz- oder Steingötzen, sondern die Vergötterung der zeitgenössischen Wissenschaften und Philosophien betraf.

In dieser Zeit wurden Bücher sogar von religiösen Menschen - darunter auch einigen Rabbinern - produziert, die in einer „neu angepassten“ Auslegung verschiedener Torapassagen die einzige Möglichkeit sahen, das Tora-Erbe in ihren ‚aufgeklärten’ Gemeinden zu bewahren. Zweifellos wussten sie, dass diese Neuanpassung an den Zeitgeist eine Form der Toraauslegung war, die nicht mit Torat Emet übereinstimmte. Aber sie glaubten, keine andere Wahl die Tora zu propagieren, noch zu besitzen.

Im 20. Jahrhundert trat die Wissenschaft jedoch aus ihren mittelalterlichen Verhüllungen hervor. Das ganze Angesicht der Wissenschaften änderte sich. Die bislang angenommene Unveränderlichkeit der sogenannten wissenschaftlichen Gesetze sowie der Absolutismus der Wissenschaften wurden verworfen und stattdessen das „ Unbestimmtheitsprinzip“ angenommen. Nichts schien mehr sicher in der Wissenschaft zu sein. Die Darstellung wissenschaftlicher Ergebnisse geschah mit deutlichen Reservierungen, denn es war nur zu wahrscheinlich, dass sie jederzeit durch weitergreifende Theorien ersetzt werden würden.

Die meisten Wissenschaftler nehmen an, dass dieses Prinzip der Unbestimmtheit, das von Werner Heisenberg im Jahre 1927 formuliert wurde, auf das ganze Universum zutrifft. Die dogmatische, mechanistische und deterministische Einstellung zur Wissenschaft, die im 19. Jahrhundert vorherrschte, gibt es nicht mehr. Der moderne Wissenschaftler erwartet nicht mehr, durch die Wissenschaft zur Wahrheit zu gelangen. Vielmehr gilt heute, dass es sich bei jedem wissenschaftlichen Fortschritt nur um Wahrscheinlichkeiten und nicht um absolute Wahrheiten handelt.

Zwei Beispiele sollen hier angebracht werden, um die Umwandlung der wissenschaftlichen Erforschung zu veranschaulichen. In Ecclesiastes (1:4) heisst es: „Die Erde steht immer und ewig“. Dieses Zitat scheint zu beinhalten, dass die Erde stillsteht und die Sonne sich um sie dreht. Diese Darstellung war am Anfang der allgemeinen Zeitrechnung ganz und gar akzeptabel, vor allem, als Ptolemäus die Konstruktion des Aristoteles verbesserte, die zeigte, wie die Sonne und die Planeten kreisförmig um die Erde sowie um gewisse Punkte auf diesen Kreisstrecken rotieren.

Für diese Ansicht stand insbesondere auch der Klerus, der die Erde als Mittelpunkt des Universums ansah. Ungefähr 1500 Jahre später revolutionierte Nicholas Kopernikus die Astronomie, indem er beschrieb, dass sich die Erde um die Sonne dreht. Diese wissenschaftliche Entdeckung brachte den Glauben durcheinander. Heutzutage wird so ziemlich jedem, auch den meisten Schulkindern beigebracht, dass sich die Erde um die Sonne dreht und dass dies wissenschaftlich bewiesen ist. Alles andere würde als unwissenschaftlich angesehen.

Dieser Unterricht ist jedoch voreingenommen, denn seit Albert Einstein’s Relativitäts-Theorie wissen wir, dass es keinen absoluten Raum und keine absolute Bewegung gibt. Nach Einstein ist es sogar unmöglich, wissenschaftlich herauszufinden, ob die Erde still steht und die Sonne sich um sie dreht, - oder umgekehrt. In dem Buch „Die Philosophie der Zeit“ zeigt Hans Reichenbach, ein Schüler Einsteins, dass die folgenden drei Szenarios wissenschaftlich möglich sind:

  1. Die Erde steht still und die Sonne dreht sich um sie.
  1. Die Sonne steht still und die Erde dreht sich um sie.
  1. Beide drehen sich um einen bestimmten Punkt.

Wissenschaftlich ist es nicht zu begründen, welche der obigen Szenarios richtig oder wahrscheinlicher ist. Aus praktischen Gründen ist es jedoch einfacher, astronomische Ereignisse von der Tatsache ausgehend zu errechnen, dass die Sonne stillsteht und die Erde sich um sie dreht. Kopernikus’ Hauptmotiv war es, astrologische Errechnungen einfacher zu machen, was allerdings keinen Grund darstellt, diese Annahmen als „wahr“ zu erachten. Trotzdem gilt es als unwissenschaftlich, die biblischen Verse, die besagen, dass die Erde stillsteht, nicht abzulehnen.

Das Problem mit der Debatte „Wissenschaft versus Religion“ besteht darin, dass die meisten Menschen wissenschaftliche Entdeckungen als so absolut erachteten, dass der Glauben ausgeschlossen erschien. Sogar achtzig Jahre nach der Veröffentlichung der Relativitätstheorie ignorieren Wissenschaftler heutzutage diese Theorie in ihren philosophischen Debatten, obwohl sie diese in ihren beruflichen Positionen akzeptieren. Sie vertreten altmodische absolutistische Ansichten, die der Tora - die sie seit ihrer Kindheit kennen - zuwider laufen, auch wenn diese Vorurteile ihrem beruflichen Wissen widersprechen.

Ein weiteres gutes Beispiel einer Theorie, die sich immer wieder ändert, ist die des Lichtes. Die alten Griechen entwickelten eine „Korpuskel“ Theorie des Lichtes, die besagte, dass Licht aus einem Fluss kleiner Teilchen besteht, die sich von einer Quelle aus geradlinig in alle Richtungen verbreiten. Die Theorie der geometrischen Optik basiert auf diesen Annahmen. Diese Theorie hat der Menschheit Jahrhunderte lang gute Dienste geleistet, z.B. um Linsen, Prismen, flache und krumme Spiegel, Sehhilfen und später Mikroskope und andere optische Systeme herzustellen. Dann wurde entdeckt, dass Licht auch eine wellenförmige Bewegung macht. Daher wurde Licht nun als elektromagnetische Wellen, die eine sehr kurze Wellenlänge haben, erachtet. Die Korpuskel-Theorie entwickelte sich in eine Wellen-Theorie. Am Anfang des 20. Jahrhunderts zeigte Albert Einstein, dass das Licht zwei Eigenschaften besitzt, d.h. er vereinigte die zwei gegensätzlichen Theorien der Partikel und der Wellenbewegung. Diese neue Idee wurde die Grundlage der neuen Theorie der Quantenmechanik.

Es ist sehr interessant, dass in der Kabbala das Licht als Metapher für die Kraft G-ttes verwendet wird. Es wird vom „Or Ein Sof“, dem Unendlichen Licht, berichtet. Eine der Glaubensprinzipien besagt, dass G-tt allmächtig ist und Gegensätze beinhaltet. Die Tatsache, dass das Licht zwei gegensätzliche Eigenschaften besitzt, macht es zu einer perfekten Metapher für die G-ttliche Kraft. Auf dieser dritten Stufe der Entwicklung der Lichttheorie wird es deutlich, dass diese Vereinigung zweier gegensätzlicher Konzepte die Einheit G-ttes in der Schöpfung unterstreicht. (vgl. „Der Lubawitscher Rebbe über Wissenschaft und Technologie“ von Professor Herman Branover in „B’Or Ha’Tora“, 9. Band).

Das Alter des Universums

Ein Problem scheint in jenem scheinbaren Widerspruch zu bestehen, - zwischen der wissenschaftlichen Annahme einer Billionen Jahre alten Welt, und der Toralehre, einer zur Zeit der Veröffentlichung dieser Schrift 5764 Jahre alten Welt.

Außerdem hat dieser Widerspruch dazu geführt, dass wohlmeinende religiöse Wissenschaftler die Passagen in Genesis so uminterpretiert haben, dass die Tage der Schöpfung als Zeitspannen verstanden werden. Da Sonne, Mond und Sterne erst am vierten Tag „im Himmel aufgehängt“ wurden, sagen sie, dass der 24-Stundentag erst ab dem vierten Tag begonnen haben könnte. Außerdem behaupten sie, dass, - sollte jeder Schöpfungstag riesigen Zeitspannen entsprechen - dann die Evolutionstheorien und der Urknall mit der Tora vereinbar wären.

Solch eine Interpretation macht sich jedoch am Schabbat-Gebot zu schaffen, d.h. der Mizwa, die unsere Weisen als gleichbedeutend mit dem Einhalten der ganzen Tora erachtet haben. Denn wenn die Worte „Ein Tag“ aus dem Zusammenhang und nicht mehr wörtlich genommen werden, wird die Idee des Schabbat als siebenten Tag außer Kraft gesetzt. Das Einhalten des Schabbat basiert auf dem eindeutigen Torazitat: „Denn in sechs Tagen erschuf G-tt den Himmel und die Erde, und am siebten Tag hörte er zu arbeiten auf und ruhte“. Es wird hier von Tagen, nicht Zeitspannen, gesprochen.

Solche Versuche, die Tora umzuinterpretieren, gehören in das veraltete Erbe des 19. Jahrhunderts. Heutzutage gibt es keine Rechtfertigung für diesen „Minderwertigkeits-komplex“! Es gibt keinen Grund dafür, an Sichtweisen festzuhalten, wie sie in veralteten Textbüchern in den Grund- und höheren Schulen stehen.

Es ist schon traurig, dass jene, die als die Verfechter der Torasichtweise gegenüber der jüdischen Jugend und insbesondere der akademischen Jugend auftreten, sich schämen, diese Sichtweise zu verteidigen.

Dabei geht es nicht um ein Schlechtmachen von Wissenschaft und wissenschaftlichen Methoden. Vielmehr soll hier unterschieden werden zwischen der kurzlebigen Wissenschaft und Theorien, die aus wissenschaftlicher Spekulation herrühren, und der Tora, die ewig und unveränderlich ist. Wenn die Tora verändert wird, dann verkörpert sie nicht mehr die Wahrheit. Die Wahrheit ist dieselbe für alle Völker und zu allen Zeiten. Wer die Ewigkeit der Tora auf der Grundlage des Tora Min Haschamajim akzeptiert, kann nicht absurder weise Kompromisse in Bezug auf die Tora eingehen, und z.B. sagen, dass sich die Zeiten geändert haben, - so als ob der Schöpfer nicht hätte voraussehen können, dass es im 21. Jahrhundert Wissenschaftler oder „Modernisten“ geben würde, die nur eine kompromittierte Tora akzeptieren wollen, aber nicht mehr die Tora der Wahrheit.

Nun wollen wir uns die Methoden, die Wissenschaftler angewendet haben, um das Alter des Universums zu entdecken, genauer anschauen. Es gibt zwei allgemeine Arten der wissenschaftlichen Schlussfolgerung:

  1. Die Methode der Interpolation, wo die Reaktion unter zwei Extrem-bedingungen soweit bereits bekannt ist, um daraus auf die Reaktion, die zwischen den zwei Extrempunkten zu erwarten ist, schließen zu können.
  1. Die Methode der Extrapolation, wo aufgrund bestimmter Variablen im bekannten Rahmen, Schlüsse auf Punkte gezogen werden, die sich außer-halb dieses Rahmens befinden. Nehmen wir z. B. an, wir würden die Variablen eines Elementes innerhalb des Temperaturbereiches von 0 bis 100 Grad kennen und dann auf dieser Basis schätzen, welche Reaktion sich bei 101 oder 200 oder 2000 Grad zeigen wird.

Die zweite dieser beiden Methoden ist eindeutig weniger sicher. Außerdem wird die Unsicherheit größer, je weiter sich vom bekannten Bereich wegbewegt wird. Daher ist die Wahrscheinlichkeit, dass unsere Schlussfolgerung korrekt ist, bei 101 Grad größer als bei 1001 Grad.

Bekanntlich sind alle Spekulationen bezüglich des Alters und des Ursprungs der Welt durch die zweite, schwächere Methode zustande gekommen. Und diese Schwäche wird noch deutlicher, wenn wir uns klar machen, dass eine Generalisation von einer bekannten Folge auf eine unbekannte Ursache spekulativer ist als eine Schluss-folgerung von einer bekannten Ursache auf eine unbekannte Folge. Wir können dies einfach belegen.

Vier geteilt durch zwei ist zwei. Dadurch, dass wir die Ursache kennen, können wir das Resultat berechnen, d.h. den Quotienten Zwei.

Wenn wir jedoch nur das Endresultat ‚Zwei’ kennen, dann müssen wir uns fragen, wie wir zur Zahl ‚Zwei’ kommen können. Die Antwort beinhaltet verschiedene Möglichkeiten: 1 + 1 = 2, 4 – 2 = 2, 1 x 2 = 2, 4 : 2 = 2. Beim Benutzen weiterer Zahlen, gibt es unendlich viele Möglichkeiten, um zum selben Ergebnis zu kommen (denn 5 – 3 = 2, 6 – 4 = 2 usw. ad infinitum).

Dazu kommt noch eine andere Schwierigkeit, die bei allen Methoden der Ableitung gegeben ist: Schlussfolgerungen, die auf bekannten Daten basieren und dann auf unbekannte Bereiche angewendet werden, können nur unter der Annahme gültig sein, dass die vorherrschenden Bedingungen auch außerhalb des bekannten Bereiches gegeben sind. Wenn wir aber nicht sicher sein können, ob wirklich gleiche Bedingungen weiterhin vorliegen, sind solche Schlussfolgerungen unangemessen.

Noch deutlicher zeigt sich das bei einer chemischen Reaktion (Fusion [Verschmelz-ung] oder Fission [Spaltung]), die Geschwindigkeit und Form des chemischen Prozesses verändert oder sogar einen ganz neuen chemischen Prozess hervorruft, wenn z.B. ein neuer Katalysator einführt wird.

Wissenschaftliche Beobachtungen basieren auf Reaktionen der Atome in ihrem jetzigen Zustand in der Natur. Wissenschaftler beschäftigen sich mit riesigen Atomkonglomeraten und ihrem Verhalten gegenüber anderen Atomansammlungen. Die Wissenschaftler wissen aber sehr wenig darüber, wie sich ein einzelnes Atom gegenüber einem anderen Atom verhält, und noch weniger darüber, wie sich Teile eines Atoms gegenüber anderen Teilen desselben oder eines anderen Atoms verhalten. Die Wissenschaftler wissen nur soviel, dass das Verhalten einzelner Atome zueinander ganz und gar anders ist, als das Verhalten von Atom-ansammlungen gegenüber anderen Atomkonglomeraten.

Wir können daher jetzt die Schwachstellen sogenannter wissenschaftlicher Theorien bezüglich des Ursprungs und Alters des Universums zusammenfassen:

  1. Diese Theorien wurden auf der Basis beobachtbarer Daten während der relativ kurzen Zeit einiger Jahrzehnte, oder höchstens zweier Jahrhunderte entwickelt.
  1. Auf der Basis dieses relativ kleinen Bereiches bekannter Daten versuchen Wissenschaftler durch die schwache Methode der Extrapolation Theorien zu entwickeln. Sie schließen dabei von der Folge auf die Ursache. Zudem verallgemeinern sie dabei auf – nach ihrer Ansicht – Millionen und Billionen Jahre.
  1. Mit diesen Theorien vernachlässigen sie allgemein anerkannte Faktoren, nämlich dass bei der Entstehung des Universums ganz andere Temperatur-, Luftdruck- und Radioaktivitätsverhältnisse etc. als heutzutage vorherrschten.
  1. Die Wissenschaftler sind sich einig, dass es damals radioaktive Elemente gegeben haben muss, die heute nicht mehr oder kaum noch vorhanden sind; es ist bekannt, dass einige dieser Elemente selbst in kleinsten Dosen dramatische Effekte aufweisen.
  1. Diesen Theorien gemäß begann die Entstehung der Welt, indem sich einzelne Atome oder Atomkomponenten verbanden. Dies beinhaltete ganz und gar unbekannte Prozesse.

So geben die Wissenschaftler selbst zu, dass die Theorien, die sich mit dem Ursprung des Kosmos und seinem Alter beschäftigen, die schwächsten Arten von Theorien sind.

Es ist nicht überraschend, dass sich die verschiedenen Theorien bezüglich des Alters des Universums widersprechen, da das höchste Alter einer Theorie kleiner ist als das Minimumalter einer anderen.

Wenn jemand solch eine Theorie unkritisch akzeptiert, dann führt das zu fehlerhaften Gedankengängen. Man kann dies z. B. an der sogenannten Evolutionstheorie sehen. Diese geht davon aus, dass sich das Universum aus existierenden atomischen und subatomischen Partikeln bis hin zum Universum und unserem Planeten entwickelte, - und auf dem entstand irgendwie organisches Leben, schließlich auch der Homo Sapiens. Es ist schwer einzusehen, warum wir die Schöpfung atomischer und subatomischer Partikel akzeptieren sollen, aber vor der Akzeptanz dessen zurückschrecken, dass Planeten, Organismen oder Menschen erschaffen wurden.

Das Argument der Entdeckung der Fossilien ist kein Beleg für das hohe Alter der Welt, denn:

  1. Wenn wir bedenken, dass in ‘prähistorischen’ Zeiten Bedingungen herrschten, die Reaktionen und Veränderungen ganz anderer Art und Geschwindigkeit hätten hervorrufen können, als wir das heutzutage gewöhnt sind, dann ist nicht auszuschließen, dass Dinosaurier vor 5000 Jahren existierten und unter dramatischen Bedingungen innerhalb weniger Jahre (und nicht über Millionen Jahre) zu Fossilien wurden.
  1. Selbst wenn wir annehmen, dass das Tora-gemäße Alter der Welt zu gering für Fossilierungen ist, können wir die Möglichkeit akzeptieren, dass G-tt (wegen Ihm allein bekannten Gründen) Fossilien, Knochen und Skelette erschaffen hat, genauso wie Er ganze Organismen, ganze Menschen sowie Öl, Kohlen oder Diamanten ohne Evolution hervorbringen konnte.

Wenn der zweite Grund wahr ist, dann ist die Frage, warum G-tt Fossilien erschaffen musste? Wir wissen nicht, warum G-tt sie erschaffen hat. Egal welche Schöpfungstheorie wir bevorzugen, diese Frage wird niemals beantwortet werden können. Die Frage „Warum erschuf Er ein Fossil?“ ist genauso lächerlich, wie die Frage „Warum erschuf Er ein Atom?“ Solche Fragen sind keine guten Argumente für die Evolutionstheorie.

Welche wissenschaftliche Grundlage gibt es dafür, den Schöpfungsprozess auf den Evolutionsvorgang zu beschränken, wobei Atome und subatomische Partikel schon bestanden, gleichzeitig aber die Möglichkeit des biblischen Schöpfungsprozesses ausschließt? Wird die zweite Möglichkeit zugelassen, werden alle Spekulationen bezüglich des Ursprungs und Alters der Welt unnötig und irrelevant.

Es wäre absurd zu sagen, dass der Schöpfer doch einfach nur Atome und subatomische Partikel mit der Möglichkeit hätte erschaffen können, sich durch Evolution zu dem jetzigen Kosmos zu entwickeln. Das wird sogar noch deutlicher wenn dies dann als Grundlage für eine sehr fragliche Theorie verwendet und so argumentiert wird, als ob sie auf soliden und unantastbaren Argumenten basiere.

Evolution

Zuerst muss festgestellt werden, dass die Evolutionstheorie im Bezug auf die Schöpfungsgeschichte der Tora belanglos ist. Selbst wenn diese Theorie bestätigt und die Mutation der Arten in Labortests bewiesen werden würde, widerspreche das nicht der Möglichkeit, dass die Welt - so wie in der Tora beschrieben - erschaffen wurde, und nicht durch Evolution.

Um so mehr, da die ganze Theorie sehr spekulativ ist. Seit Entwicklung dieser Theorie, wurden bestimmte Tier- und Pflanzenarten über Tausende Generationen beobacht. Trotzdem wurde keine Transmutation von einer zur anderen Art beobachtet und schon gar nicht, dass sich eine Pflanze in ein Tier verwandelt hätte. Eine solche Theorie kann keinen Platz im Arsenal der empirischen Wissenschaften haben.

Die Theorie der Evolution ist ein typisches Beispiel dafür, wie eine sehr spekulative und wissenschaftlich unzulängliche Theorie die Vorstellungskraft der Massen gefesselt und sie dazu verleitet hat, die biblische Darstellung abzulehnen, obwohl die Theorie nicht wissenschaftlich belegt werden konnte und ihr die wissenschaftliche Basis fehlt. Suchten die Skeptiker nach einem Grund, nicht glauben zu müssen?! So erklärt sich auch ihr Axiom, dass die Bibel falsch sei. Sie brauchten deshalb eine Ersatztheorie. Die Evolutionstheorie passte hervorragend als eine G-ttlose Theorie der Schöpfung, welche die atheistische Einstellung verstärkte. Tatsächlich bleibt dies sehr unwissenschaftlich. Reine Wissenschaft muss auf Daten basieren.

Beeinflusst wurde diese Debatte auch durch die menschliche Natur. Obwohl die verschiedenen Theorien, die den Ursprung und das Alter der Welt zu bestimmen versuchen, schwach sind, werden sie entwickelt, da es in der menschlichen Natur liegt, eine Erklärung für alle Naturphänomene zu suchen. Jedwede Theorie ist besser als keine, zumindest, bis eine bessere Erklärung gefunden wird.

Es erhebt sich die Frage, warum die biblische Geschichte nicht von den Wissenschaftlern angenommen wird, wo es doch keine handfestere Theorie gibt. Die Antwort ist wieder in der menschlichen Natur zu suchen. Es ist eine natürliche menschliche Eigenschaft, originell und phantasievoll zu sein. Akzeptiert ein Mensch die biblische Geschichte, so kann er weder seinen Einfallsreichtum noch seine analytischen und induktiven Fähigkeiten zeigen. Daher vernachlässigen die Wissenschaftler die biblische Darstellung und rechtfertigen sich damit, dass diese Darstellung uralten und primitiven mystischen Darstellungen entspreche.

Mit jeder wissenschaftlichen Entdeckung kommen Wissenschaft und Religion einander näher

Mit der Zeit wird die Wissenschaft die Wahrheit der Tora entdecken. Wissenschaft und Religion sind keine Gegensätze, sondern ergänzen sich gegenseitig. Es gibt die folgende Geschichte: Eine Gruppe Wissenschaftler erklimmt den Berg der Schöpfung. Als sie auf die Spitze kommt, finden sie dort einen Rabbiner vor, der lernt. Er schaut auf und sagt den erschöpften Wissenschaftlern: „Das habe ich Euch doch gesagt!“

Dies entstammt dem uralten kabbalistischen Text ‚Sohar’. In Genesis steht geschrieben: „Als Noach sechshundert Jahre alt war ... wurden alle Quellen der großen Tiefen geöffnet und die Fenster wurden geöffnet“. Im Sohar steht dazu der folgende Kommentar:

Im sechshundertsten Jahr des sechsten Jahrtausends werden die Tore der Weisheit von oben sowie die Quellen der Weisheit von unten geöffnet werden. Die Welt wird darauf vorbereitet werden, im siebten Jahrtausend erhöht zu werden.

Im Sohar wird vorhergesagt, dass im Jahre 5600 (1840 unserer Zeitrechnung) gravierende Entwicklungen in der Weisheit von oben und der Weisheit von unten vonstatten gehen werden. Die Weisheit von oben bezieht sich auf esoterische Weisheit, in der bedeutende Offenbarungen bezüglich der Verbreitung der chassidischen Philosophie gemacht wurden, die im Jahre 5600 begannen. Es ist weithin bekannt, dass der Gründer der Chassidischen Bewegung, Baal Schem Tow, einmal durch kabbalistische Mittel und Wege in den Palast des Moschiach gelang und ihn fragte: „Wann wird der Meister kommen?“ Moschiach antwortete: “Wenn die Quellen Deiner Lehren weit verbreitet sind“. Die bedeutsamen Entwicklungen in der Lehre und Verbreitung des Chassidismus, die nach 1840 begannen, stellen die Verwirklichung dieser Aussage dar.

Die Weisheit von unten bezieht sich auf die bedeutsamen wissenschaftlichen Fortschritte, die auch um diese Zeit begannen. Die wichtigen industriellen Revolutionen in der Mitte des 19. Jahrhunderts haben den Weg für den bedeutsamen technischen Fortschritt der jüngsten Zeit geebnet.

Die Verbindung zwischen diesen beiden Weisheiten ist, dass sie zusammenkommen werden. In der messianischen Zeit wird (Jesaias 40:5): „...die Herrlichkeit G-ttes offenbar werden. Und alles Fleisch wird erkennen, dass der Mund des Herrn gesprochen hat“. Als Vorbereitung für die messianische Offenbarung wird es eine Explosion wissenschaftlicher Entdeckungen geben, welche die esoterische Wahrheit der Tora offenbaren werden.

Tatsächlich haben die Entdeckungen der Naturwissenschaften die Wunder der Schöpfung in ein neues Licht gebracht. Der moderne Trend ist es seitdem, die Einheit in der Natur zu erkennen. Tatsächlich hat aller wissenschaftliche Fortschritt die Einheit der physischen Welt verdeutlicht. Das hat dazu geführt, dass die Wissenschaftler heutzutage nach der idealen Formel suchen, die alle Phänomene der physischen Welt in einer allumfassenden Gleichung beinhalten könnte. Daraus ist zu entnehmen, dass die Einheit der Natur wahren jüdischen Monotheismus reflektiert. Denn die jüdische Auffassung des Monotheismus umfasst nicht nur den Glauben an einen G-tt, sondern auch, dass G-ttes Einheit auch die physische Welt transzendiert, da es nur eine Wahrheit, nämlich G-tt, gibt.

Tatsächlich ist das Einheitsprinzip – seit Abraham den Monotheismus in einer Welt des Götzendienstes proklamierte – das Kernprinzip des Judentums. Bei der Offenbarung am Berg Sinai wurde ganz deutlich, dass wahrer Monotheismus des Judentums nicht nur die Existenz nur eines G-tt beinhaltet, sondern dass es „nichts sonst“ (Ein Od) gibt. Das bedeutet, dass es keine andere Realität und keinen Pluralismus oder Dualismus z.B. zwischen der materiellen und der spirituellen Seite gibt.

Das zeigt, dass wir mit jedem wissenschaftlichen Fortschritt dem Einheitsprinzip sogar in der materiellen Welt näherkommen. Früher wurde allgemein angenommen, dass die Pluralität der dinglichen Welt auf einige hundert Grundelemente zurückgeführt werden könne. Physische Kräfte und Gesetze wurden als getrennt und unabhängig angesehen, die stoffliche Welt und Energie als gegensätzlich betrachtet. In der jüngsten Zeit hat der wissenschaftliche Fortschritt gelehrt, dass die Grundelemente auf einige Grundkomponenten der Atome, nämlich Elektronen, Protonen und Neutronen, zurückgeführt wurden. Gleichzeitig entstand die Erkenntnis, dass selbst diese Grundkomponenten nicht die kleinsten physischen „Bausteine“ darstellen, - bis die Entdeckung gemacht wurde, dass Stoffe und Energie aufeinander zurückzuführen und ineinander umwandelbar sind.

Baal Schem Tow lehrte und Rabbiner Schneur Salman von Liadi erklärte und betonte es, dass jedes Detail menschlicher Erfahrungen als Anleitung zum G-ttesdienst dienen soll. Daher ist alles, was in Bezug auf den wissenschaftlichen Fortschritt gesagt wurde, ein Beispiel für den Fortschritt im G-ttesdienst. Der Mensch besitzt zwei offensichtlich widersprüchliche Eigenschaften, die so inkompatibel wie Dinglichkeit und Geist sind (in der physischen Welt entspricht dies der Dinglichkeit und der Energie), nämlich die G-ttliche und die tierische Seele, oder, auf einer tieferen Ebene, Jezer Tow (die gute Neigung) und Jezer Hara (die böse Neigung). Diese Inkompatibilität ist nur im kindlichen Stadium des G-ttesdienstes sichtbar. Dies ist mit der Pluralität der Elemente und Kräfte vergleichbar, die in der physischen Natur angenommen werden). So wie sich mit der Wissenschaft auch die Erkenntnis entwickelte, dass der Natur eine Einheit zugrunde liegt, so führt Perfektion im G-ttesdienst dazu, die Einheit der menschlichen Natur zu erkennen, so dass Jezer Tow und Jezer Hara eins werden. Dies wird dadurch bewirkt, dass die Jezer Hara durch die Jezer Tow in Jezer Tow umgewandelt wird, denn sonst könnte es keine Einheit und Harmonie geben, denn alles, was heilig, positiv und kreativ ist, könnte niemals dem unheiligen, negativen und destruktiven dienen. In dieser erlangten Einheit erklärt der Jude: „Höre Israel, der Ewige ist unser G-tt, der Ewige ist einer.“ Dies ist auch, was unsere Weisen mit dem Zitat meinten: „Und du sollst den Ewigen deinen G-tt aus ganzem Herzen lieben“ (dies sind die Worte, die direkt nach dem Schma-Satz kommen): G-tt mit beiden Neigungen zu dienen, mit dem Jezer Hara und Jezer Tow.

Schlussfolgerung

Es sollte weder die wissenschaftliche Methode diskreditiert noch die Wissenschaft schlecht gemacht werden. In den Naturwissenschaften sind nur Arbeitshypothesen oder Theorien möglich, selbst wenn sie nicht verifiziert werden können, und manche Theorien sind sehr langlebig, obwohl sie wissenschaftlich widerlegt oder unglaubwürdig geworden sind. Würden bestimmte physikalische Gesetze nicht akzeptiert, könnte es keinen technischen Fortschritt geben, obwohl es keine Garantie gibt, dass das Gesetz in der Zukunft gültig bleiben wird. In der Wissenschaft gibt es keine 100 % -ige Sicherheit, sondern es muss Verlass auf Theorien bestehen. Alle wissenschaftlichen Schlussfolgerungen oder Generalisierungen können nur – je nach den vorliegenden Beweisen – mehr oder weniger wahrscheinlich sein. Der Wahrscheinlichkeitsgrad einer Theorie nimmt mit der Entfernung von den empirischen Fakten sowie mit der Anzahl an unbekannten Variablen ab. Diese Fakten vor Augen haltend, werden wir uns zwangsläufig bewusst, dass es keine Widersprüche zwischen wissenschaftlichen Theorien und der Tora geben kann. Im Gegenteil, wenn die Befunde der modernen Wissenschaften und ihre philosophische Bedeutung sorgfältig analysiert werden, wird eine Harmonie zwischen Wissenschaft und Tora deutlich.

Viele Juden sind heutzutage wegen des starken, fast hypnotischen Effekts der scheinbar allmächtigen Wissenschaft vom jüdischen Lebensweg und der Tora entfremdet. Tausende rechtfertigen ihre weltliche Lebensweise mit der „Tatsache“, dass sie „aufgeklärter“ als die früheren Generationen sind. Im religiösen Lager ignorieren (oder verbannen) viele jegliche Diskussion über wissenschaftliche und technologische Entwicklungen, oder sie passen die Tora der modernen Denkweise an. Tatsächlich ist keiner dieser Ansätze glaubwürdig.

Der korrekte Ansatz ist darin zu sehen, dass es keinen Grund für den Toratreuen Juden gibt, vor der wissenschaftlichen und technologischen Explosion Angst zu haben. Niemand braucht sich für seine Toratreue zu entschuldigen. Stattdessen sollten wir uns immer das Zitat des Sohars (Band 1, Seite 161b) „G-tt schaute in die Tora und erschuf die Welt“ vor Augen halten. Das bedeutet, dass die Tora die Blaupause der Schöpfung ist. Das Endprodukt (das Universum) kann der Blaupause (Tora), mit der es erschaffen wurde, nicht widersprechen.

Per Definition ist Tora G-ttliche Weisheit. Die Tora ist daher die einzige letztendliche Quelle wahren, kompletten und definitiven Wissens über alles einschließlich der Objekte und Phänomene, welche die Wissenschaften untersuchen. Torawissen kommt „von Oben“, während wissenschaftliches Wissen „von unten“ kommt, d.h. dass es durch rationale Verarbeitung empirischer Informationen produziert wird.

Letztendlich werden diese beiden Wissensquellen zusammen fließen. Wir dürfen uns auf die messianische Ära freuen, wenn die an sich neutrale Wissenschaft erhöht und heiligen Zwecken dienen wird. Weitere wissenschaftliche Entwicklungen und Analysen werden uns dabei helfen, Torakonzepte zu verstehen. Technologischer Fortschritt wird die Welt dazu bringen, dass (wie von Maimonides beschrieben) „es weder Hunger noch Krieg, weder Neid noch Kampf geben wird, denn Gutes wird so frei verfügbar sein wie Staub. Die ganze Welt wird sich damit beschäftigen, G-tt kennen zu lernen.“

von Nissan Dovid Dubov
Rabbi Dubov ist der Direktor von Chabad of South London in Wimbledon, England. Er ist der Gründer der "KabbalahUK" Webseite und Autor vieler Bücher. Rabbiner Dubov lebt in Wimbledon mit seiner Frau Sarah und ihren Kindern.
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