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Was ist der Sinn des Lebens?

Was ist der Sinn des Lebens?

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Wir alle möchten ein sinnvolles Leben führen. Deshalb müssen wir uns zuerst die Frage stellen: Warum leben wir? Warum sind wir auf dieser Welt?

Eine Antwort auf diese Frage finden wir im Buch des Lebens, der Tora. Die Tora wird Torat Chaim (lebendige Tora) genannt. Das Wort „Tora“ bedeutet „Anleitung“ oder „Führung“ und macht die Tora zu unserer Lebenshilfe. Indem sie unsere Pflichten benennt, definiert die Tora den Sinn unseres Lebens und zeigt Wege zu dessen Erfüllung.

Die Erschaffung des Menschens

Die Tora beginnt mit der Genesis. Als Adam erschaffen wurde, unterrichtete der Schöpfer ihn direkt über seine zukünftigen Aufgaben. G-tt sprach zu ihm, dass sein Lebenssinn im folgenden bestehe: „Erfülle die Welt und erobere sie. Herrsche über die Fische des Meeres, die Vögel der Luft und über jedes lebendige Ding, das sich auf der Erde bewegt.“ (Genesis 1:18).

Dem Menschen wurde viel Kraft gegeben, um die ganze Welt zu erobern und sie auf dem Land, im Meer und in der Luft zu beherrschen. Dies zu tun, sollte fortan Adams Aufgabe und Pflicht sein.

Wie sollte diese „Welteroberung“ erfolgen, und worin liegen ihr Sinn und ihre Bedeutung?

Unsere Weisen sagen, dass Adams ganzes Wesen bei seiner Erschaffung von der g-ttlichen Seele durchdrungen war. Damit erhob ihn G-tt zum Herrscher über die gesamte Schöpfung. Nun kamen alle Geschöpfe zusammen, um Adam als ihrem Schöpfer zu dienen. Aber Adam sagte: “Last uns alle zusammenkommen, um nicht mich, sondern G-tt, unseren Schöpfer, anzubeten“.

Die „Welteroberung“, die dem Menschen als Aufgabe und Auftrag gegeben wurde, umfasste die ganze Natur, einschließlich der Tiere, die es nun zum Dienste der Menschheit zu erhöhen und zu verfeinern galt. Diese Menschheit sollte vom g-ttlichen Ebenbild, d.h. der Seele, die tatsächlich ein Teil G-ttes ist, durchdrungen und erleuchtet sein, damit die ganze Schöpfung erkennen sollte, dass G-tt unser Schöpfer ist.

Es ist offensichtlich, dass, bevor ein Mensch zur Eroberung auszieht, er sich selbst und sein Ego erst erobern muss. Dazu muss er das „Tierische“ in seiner eigenen Natur unterwerfen. Dies geschieht, wenn sich sein Tun in Übereinstimmung mit den Anweisungen der Tora, dem praktischen Handbuch für das alltägliche Leben, befindet. Dadurch wird die Materie mit dem Licht des Einen G-ttes, unseres G-ttes, durchdrungen und erleuchtet.

G-tt erschuf einen Menschen. Er gab dieser einzigen Person auf der Erde die Pflicht und Aufgabe, die Welt zu „erobern“. Somit ist jeder Mensch in der Lage, dies zu vollbringen. Wenn aber ein Mensch diese unschätzbaren G-ttlichen Kräfte nicht zur Erfüllung seiner Aufgabe nutzt, dann ist das nicht nur sein persönlicher Verlust und Fehlschlag, sondern er beeinflusst damit die ganze Welt negativ.

Ein Mensch kann die ganze Welt verändern

Eines der wichtigsten Unterscheidungsfaktoren bei der Schöpfung des Menschen war seine Erschaffung als einzelnes Wesen, - im Gegensatz zu anderen Gattungen, die in großer Zahl entstanden.

Ein einziger Mensch besitzt die Fähigkeit, die ganze Welt zur Erfüllung zu bringen, wie es schon bei dem ersten Menschen Adam HaRischon der Fall war. Direkt nachdem Adam erschaffen worden war, versammelte er alle Geschöpfe um sich, um die Herrschaft des Schöpfers mit dem Ausruf: „Kommt, lasst uns vor G-tt, unserem Schöpfer, niederknien“ anzuerkennen. Denn ein Geschöpf kann sich nur durch ‚Verbeugung’, d.h. Selbstverleugnung, mit dem Schöpfer vereinigen und dadurch allerhöchste Erfüllung finden.

Die Rabbiner erklären, dass Adam der Prototyp jedes nachfolgenden Individuums gewesen sei. „Daher wurde der Mensch als einzelner erschaffen, damit er als ‚ein Mensch der ganzen Welt gleichkommt’“. Das bedeutet, dass jeder Jude und sogar jeder Mensch unabhängig von der Zeit, dem Ort und seinen persönlichen Verhältnissen die Fähigkeit und Pflicht sich zu entwickeln besitzt, um die größte Erfüllung für sich selbst und die ganze Menschheit zu erlangen.

Rosch Haschana: Der Geburtstag des Menschen

Diese Idee wird dadurch unterstrichen, dass wir am jüdischen Neujahrstag (Rosch Haschana) die Geburt des Menschen feiern, die am sechsten Tag der Schöpfung stattfand.

In der Rosch Hashana Liturgie finden wir, dass der Neujahrstag „der erste Tag Deiner Arbeit“ genannt wird (Gebetstext für Rosch Haschana). Warum ist er „der erste Tag Deiner Arbeit“, wenn Rosch Haschana tatsächlich am sechsten Tag der Schöpfung liegt?

Die Rabbiner sagen, dass der Mensch der Grund für all die Dimensionen des Universums war. Da mit der Geburt des Menschen der Sinn der ganzen Schöpfung erfüllt war, verkörpert nur der Mensch die Schöpfung, als ob vor ihm nichts anderes erschaffen worden wäre.

Trotzdem muss die Frage nach der Richtigkeit einer solchen Behauptung gestellt werden, wenn wir uns die beeindruckend wundervolle Welt anschauen, wie es in den Psalmen heißt: „Wie vielfältig sind Deine Werke, oh G-tt“ und „wie groß sind Deine Werke, oh G-tt?“. Außerdem fällt beim Betrachten unserer Welt die Unterlegenheit unserer sprechenden Gattung gegenüber allen anderen Schöpfungsarten auf. Der Mensch ist den Tieren, noch mehr den Pflanzen, aber am allermeisten den anorganischen Dingen zahlenmäßig unterlegen.

Die Antwort darauf ist eine der grundlegenden Lehren von Rosch Haschana in Bezug auf die ganze Schöpfung:

Die Anordnung der Schöpfung ist in Bezug auf alle erschaffenen Dinge nur quantitativer Art, denn das zahlenmäßige Übertreffen der anorganischen Materie gegenüber den Pflanzen, und dieser wiederum gegenüber den Tieren stellt den Menschen an die geringste Stelle. Doch nicht die Quantität ist für die Reihenfolge entscheidend, sondern die Qualität. Qualitativ gesehen kehrt sich die Reihenfolge um: Anorganische Materie, die keine Lebenszeichen oder Bewegung hat, steht am Ende der Reihenfolge. Danach kommen die Pflanzen, die zwar wachsen, aber sich nicht wie die Tiere fortbewegen können. Höher angesiedelt ist das Tierreich. Da es aber keinen menschlichen Verstand besitzt, ist es dem Menschen, dem höchsten aller Geschöpfe, unterlegen. Denn obwohl Tiere Verstand haben, ist dieser kein Selbstzweck, sondern der Instinkt mit seiner einzigen Funktion, den natürlichen Bedürfnissen des Tieres zu dienen. Der menschliche Verstand hingegen ist, wenn sich sein Besitzer menschlich und nicht tierisch verhält, vornehmlich ein Selbstzweck. Aber auch der menschliche Verstand erlangt seinen Sinn und Zweck nicht, wenn er nur als Instrument zur Befriedigung physischer Bedürfnisse verwendet wird. Damit würde der Mensch sich nicht vom Tier unterscheiden. Deshalb müssen all diese Funktionen wie Essen, Trinken und dergleichen dem Verstand untergeordnet werden. Nur so ist es dem Menschen möglich, in seinen intellektuellen und geistigen Beschäftigungen immer höher zu steigen.

Doch die wahre Sinnerfüllung des menschlichen Wesens entsteht erst, wenn der Verstand ihn zu der Erkenntnis bringt, dass es etwas gibt, was höher als der Verstand ist. Diesem Ideal muss sich der Verstand total unterwerfen.

Somit wird eine menschliche Sinnerfüllung erlangt, wenn wir verstehen, dass der Mensch und mit ihm die ganze Schöpfung, G-tt als den Schöpfer des Universums anerkennt. Wir sollen uns ihm annähern und uns an ihn binden.

Dieses Konzept bezieht sich direkt auf unser tagtägliches Leben. Dies kann man auch daran erkennen, dass der Psalm, der mit „G-tt regiert, er kleidet sich in Majestät“ beginnt, als „Täglicher Psalm“ des sechsten Tages jeder Woche des Jahres bestimmt wurde. Dies erreichte Adam, der erste Mensch, als er die Herrschaft des Schöpfers anerkannte und damit sich und die ganze Schöpfung zur Erkenntnis G-ttes erhob.

Die allgemeine Lehre, die man daraus ziehen kann, ist: Wer über sich selbst nachdenkt wird erkennen, dass der Großteil seines Lebens und seiner Anstrengungen mit materiellen Dingen beschäftigt ist, wie essen, trinken und dergleichen. Es ist auch offensichtlich, dass es mehr „Männer der Welt“ als „Männer des Geistes“ gibt. Leider sind die meisten Menschen vor allem mit materiellen Dingen beschäftigt, so dass wir fälschlicherweise denken könnten, die physischen Aspekte des Lebens seien die wichtigsten Aspekte dieser Welt.

Vom Rosch Haschana Fest können wir lernen, dass das Gegenteil der Fall ist. Es dauerte fünf Tage und einen Teil des sechsten Tages, um die verschiedenen Geschöpfe zu erschaffen. Und dennoch war der Mensch, der einen sehr kleinen zeitlichen und räumlichen Teil der Schöpfung ausmacht, der Sinn der ganzen Schöpfung. Und auch im Menschen ist nicht der Körper, der aus dem „Staub der Erde“ erschaffen wurde, das Wichtigste, sondern die Seele, der lebendige Geist, den G-tt „in seine Nase geblasen hat“; eine Seele, die wirklich „Teil der G-ttlichkeit dort oben“ ist. Nur nachdem der Mensch mit dem G-ttlichen Funken erschaffen worden war, wurde die ganze Schöpfung wertvoll und komplett. Der Mensch kann wirklich als der Beginn der Schöpfung beschrieben werden, und Rosch Haschana, der Geburtstag des Menschen, als „der Tag des Anfangs Deiner Werke“.

Die Macht der Gerechten

Direkt nach der Schöpfungsgeschichte fährt die Biblische Erzählung mit der Versuchung des verbotenen Apfelbaumes, Adam’s Sünde und dem darauffolgenden Exil vom Garten Eden, fort. Die Schlange, die der bösen Neigung entspricht, überredet den Menschen, den Auftrag seiner Seele zugunsten momentaner Vergnügungen zu vernachlässigen. Adam stürzt die Menschheit in einen Kampf zwischen ihrer guten und bösen Neigung.

Die Weisen beschreiben in der folgenden Art und Weise, was passiert ist: Zur Zeit der Schöpfung ruhte die Schechina (G-ttliche Gegenwart) auf der Erde. Nach Adam’s Sünde zog sich die Schechina von der Erde zum ersten Firmament zurück. Die Weisen sprechen von sieben solcher geistigen Ebenen. Nach den Sünden von Kain und Abel und der nachfolgenden Generation von Enosch zog sich die Schechina zum zweiten und dritten Firmament zurück und so weiter, bis die Schechina durch die Sünden der folgenden Generationen bis zum siebten Firmament zurückgezogen war. Der gerechte Abraham brachte die Schechina durch seinen G-ttesdienst eine Ebene näher, d.h. zum sechsten Firmament. Sein Sohn Isaak und sein Enkel Jakob brachten zusammen mit den nachfolgenden Generationen von Gerechten die Schechina immer weiter zurück, bis Moses in der siebten Generation nach Abraham die G-ttliche Gegenwart auf diese Erde zurück holte und den Tabernakel in der Wildnis baute, wo die Schechina ruhte.

Eine der großartigen Lehren des Baal Schem Tows, des Gründers der chassidischen Bewegung, ist die eines andauernden Schöpfungsprozesses. G-ttliche kreative Energie pulsiert fortwährend durch die Schöpfung, wodurch ständig alle Geschöpfe ex nihilo erschaffen werden. Wenn G-tt nur momentan aufhören würde, die Welt zu erschaffen, dann würde sie null und nichtig werden wie vor der Schöpfung. Wenn die Weisen über die „Zurückziehung der G-ttlichen Gegenwart“ sprechen, dann meinen sie nicht, dass G-tt sich wortwörtlich von der Welt entfernt hat. Denn dann würde die Welt aufhören zu existieren. Sie sagen vielmehr, dass Sünden eine verminderte Sensibilität gegenüber der G-ttlichen Gegenwart zur Folge haben. G-ttlichkeit ist nicht mehr manifest und wird nicht mehr von der Schöpfung gespürt. Es ist, als ob G-tt aus dieser Welt verbannt worden wäre. Das Resultat jener Sünden, die über viele Generationen hinweg begangen worden waren, ließ ein Sich-Abwenden G-ttes erkennen. Nur durch die Anstrengungen der Gerechten wurde die Welt wieder gegenüber der G-ttlichen Gegenwart sensibilisiert. So wurde die Welt eine angemessene Wohnstätte für Seine Gegenwart.

Eine Wohnstätte für G-tt

Abraham begann den Prozess der Rückkehr und brachte die G-ttliche Gegenwwart vom siebten zum sechsten Firmament. Dies vollbrachte er, indem er ein Gästehaus in Beer Scheba schuf und Wanderern Essen und Trinken gab. Nachdem sie gegessen hatten bat Abraham sie, das Tischgebet zu sagen. Es steht in der Tora: „Und Abraham rief dort im Namen G-ttes.“ Die Weisen merken an: „Lies nicht: Er rief“ sondern lies: „Er verursachte, dass gerufen wurde“, d.h. er brachte andere dazu, den Ewigen anzurufen. Es steht im Rambam, dass Abraham so einen starken Einfluss in seiner Generation hatte, dass er eine beträchtliche Menge der bekannten Zivilisation zum Monotheismus konvertierte.

Diese Aufgabe wurde von seinen Nachkommen fortgeführt. Die vorväterlichen Traditionen und der Ein-G-tt-Glaube blieben sogar erhalten, nachdem Jakob nach Ägypten gegangen war und die Juden Sklaven geworden waren. Obwohl sie von der ägyptischen Kultur durchdrungen waren, behielten die Kinder Israels, und insbesondere der Stamm Levi, seine Identität und seinen Glauben.

G-tt hatte Abraham versprochen, dass seine Nachkommen nur eine bestimmte Zeit lang einem fremden Volk dienen würden. Danach würden sie gerettet werden. Als die Zeit der Befreiung gekommen war, schickte G-tt einen Urenkel Lewi’s, Jakob’s Sohn, um diese Aufgabe zu erfüllen: Moses. Pharao, der ein selbst ernannter Gott war, wurde systematisch von den zehn Plagen zerstört. Er und seine Zauberer mussten zugeben, dass der „Finger G-ttes“ am Werke war. Schließlich verließ das Jüdische Volk Ägypten. Das war eine Befreiung, die der Prototyp aller zukünftigen Befreiungen ist.

Sie erlebten noch mehr Wunder wie die Teilung des Meeres und den Sieg gegen die Amalekiter. Neunundvierzig Tage nach dem Auszug aus Ägypten, standen sie am Berg Sinai, wo sie die Zehn Gebote von G-tt selbst hörten. G-tt gab seine Tora-Lehre dem ganzen Volk. Kurz danach instruierte der Ewige Moses: „Macht mir ein Heiligtum, so dass ich unter ihnen wohnen kann.“

Moses begann die Konstruktion des Mischkan (Tabernakels). Es war eine transportable Struktur, welche die Heilige Lade mit den Steintafeln und der Gesetzesrolle enthielt. Der Tabernakel wurde der Prototyp aller zukünftigen Synagogen. Als der Tabernakel endlich fertig und aufgestellt war, ruhte die G-ttliche Gegenwart auf ihm. Die Weisen sagen, dass die Aufgabe vollendet und die G-ttliche Gegenwart nun zur Erde zurückgekehrt war.

Die Erbauung des Tabernakels veranschaulicht den Sinn der Schöpfung, der laut Midrasch darin besteht: „G-tt wollte eine Wohnstätte in der niedrigsten Welt haben.“ Die Aufgabe des Menschen ist es, die Schöpfung mit G-ttlichkeit zu durchdringen.

Diese Idee wurde im Tabernakel veranschaulicht. Als die Juden aus Ägypten auszogen, nahmen sie große Reichtümer mit sich, die sie dann zur Erbauung des Tabernakels spendeten. Alle Aspekte der mineralischen, pflanzlichen und tierischen Welt waren im Tabernakel repräsentiert. Die Wände waren aus Holzbrettern gemacht, die mit Gold bedeckt waren. Die Opfer repräsentierten die Erhöhung der tierischen Dimension durch den Menschen und symbolisierten dadurch, dass sich der Mensch einem höheren Zweck widmet. Jeder Aspekt des Tabernakels verwandelte das Materielle in Spirituelles. Dadurch hat der Tabernakel, den unsere Weisen als Mikrokosmos bzw. Symbol des Universums bezeichnet haben, unsere Aufgabe auf dieser Welt reflektiert: Das Materielle wird zu einem geistigen Zweck umgewandelt und dadurch erhöht, z. B. essen wir, um gesund zu sein, damit wir Tora lernen und Gebote (Mizwot) ausführen können, Tierhäute für Mesusas und Tefillin verwenden usw.

Eine Wohnstätte in jedem Menschen

In der Wortwahl: „Mache mir ein Heiligtum, sodass ich unter ihnen wohnen kann“, besteht ein tieferer Sinn. Grammatisch korrekt wäre es gewesen, wenn es geheißen hätte:“...sodass ich in ihm wohnen kann“. Es heißt aber: “sodass ich unter ihnen wohnen kann“. Die Weisen haben uns vermittelt, dass die Erbauung des Tabernakels für jeden Mensch bedeutet, in sich eine Wohnstätte für die G-ttliche Gegenwart zu errichten.

Jeder Mensch ist von einer G-ttlichen Seele durchdrungen. Die Aufgabe der Seele besteht darin, aus dem Körper einen Mischkan zu bauen, in dem die Seele wohnt. Dies wird erreicht, wenn wir alle körperlichen Funktionen erhöhen, um eine G-ttliche Aufgabe zu erfüllen.

Jede Funktion ist mit G-tt in Einklang zu bringen, - und dies ist genau der Sinn der Tora und der Gebote (Mizwot). In der Tora unterrichtet uns G-tt, wie wir alle Tätigkeits- und Funktionsbereiche mit G-tt verbinden können. G-tt hat bezüglich der Zeit gesagt: „Sechs Tage sollt ihr arbeiten und am siebten Tag sollt ihr ruhen.“ Die Funktion des Schabbat ist es, sich an einem Tag der Woche vom Materiellen zurückzuziehen und sich auf das Spirituelle zu konzentrieren. Das gibt dann wiederum der Woche eine andere Perspektive. Wir erheben die ganze Woche, indem wir uns einfach einen Tag dem Studium und Gebet widmen.

Die Kaschrut-Gesetze verändern den Menschen in seinen Essensgewohnheiten, und die Taharat-Hamischpacha-Gesetze erhöhen seine Intimität. So ist es mit allen Mizwot.

Die Weisen haben uns gesagt, dass der Mensch aus 248 Gliedmassen und 365 Sehnen besteht. Sie entsprechen den 284 positiven und 365 negativen Geboten der Tora. Das Wort „Mizwa“ bedeutet auf aramäisch „Verbindung“. Somit gibt es 613 Arten und Weisen, um sich mit G-tt zu verbinden, d.h. der Mensch hat die Fähigkeit, sein ganzes Wesen mit G-tt zu verbinden. Wenn er diese Aufgabe erfüllt hat, dann erschafft er eine Wohnstätte für G-tt auf dieser Welt, wodurch er den Sinn der Schöpfung erfüllt.

Die geistigen und dinglichen Welten sind nicht im Konflikt. Die letztendliche Aufgabe besteht darin, dass die Geistigen und Dinglichen Welten vereint werden, so dass das Dingliche mit dem Geistigen durchdrungen ist. Der Kern aller Mizwa-Erfüllung ist es, die dingliche Schöpfung zu einem G-ttlichen Zweck zu verwenden. Das bringt eine wunderbare Harmonie sowohl im Individuum als auch auf der ganzen Welt. Dieses Thema bezieht sich nicht nur auf die Synagoge oder Zeiten religiöser Praktiken; es umfasst vielmehr alle Zeiten und Orte. Egal wo und wann der Mensch etwas bewirkt, - er kann sein Tun zum korrekten G-ttlichen Zweck verwenden.

Verstärkungen der zukünftigen Welt

Im Talmud gibt es viele Bezüge zur zukünftigen Welt. Maimonides beschreibt sie als eine „Welt der Seelen“, eine geistige Ebene, zu der die Seelen nach ihrem Aufenthalt auf der Erde zurückkehren. Die Seele hat dann Rechenschaft über ihre Lebenszeit abzugeben. Danach werden Verdienste wie Fehlverhalten auf der G-ttlichen Waage sorgfältig abgewogen. Wird die Seele für ihre guten Taten und ihr Tora-Lernen belohnt, so erfolgt diese Belohnung in Form einer Offenbarung der G-ttlichen Herrlichkeit, wo die Seele sich im „G-ttlichen Licht sonnt“. Muss sie jedoch von ihren Leidenschaften und Sünden gereinigt werden, dann wird die Seele zum Gehinnom, einem geistigen Reinigungsdepot, geschickt. Danach steigt die Seele zum Himmel auf. Im Talmud werden die Begriffe „Garten Eden“ und „Himmlische Akademie“ verwendet, um verschiedene Ebenen und Stationen dieser himmlischen Belohnung zu beschreiben.

So gesehen ist diese Welt nur ein „Korridor vor der zukünftigen Welt“, d.h. ein kurzfristiger Trittstein, wo man sich einen Platz und Sitz in der zukünftigen Welt verdienen kann. Tatsächlich haben die Weisen gesagt: „Eine Stunde himmlische Glückseligkeit in der zukünftigen Welt ist besser als alle Vergnügungen dieser Welt.“ (Awot 4:17). Doch sollten wir G-tt nicht nur dienen, um diese Belohnung zu erhalten. G-tt wird uns jedoch nichts schuldig bleiben und uns Menschen für all unsere guten Taten belohnen. Daher gibt es „ein wachsames Auge, ein Ohr, das hört, und eine Hand, die alle Taten eines Menschen in dieser Welt auf-„schreibt“. G-ttes genauer Rechnung wird nichts entgehen.

Wie groß auch immer die Belohnungen in der zukünftigen Welt sein werden, sie stellen nicht den letztendlichen Sinn der Schöpfung dar. Denn dieser besteht in einer Wohnstätte, die G-tt in der tiefsten aller Welten, d.h. dieser materiellen und physischen Welt, besitzen wollte. Daher sagen die Weisen: „Besser eine Stunde der Reue und guten Taten auf dieser Welt als die ganze zukünftige Welt.“ Obwohl die Offenbarungen der höheren geistigen Welten grandios und eine tatsächliche Belohnung für die Anstrengungen der Seele sind, ist G-ttes letztendlicher Wunsch, dass wir gute Taten und Mizwot auf dieser Welt vollbringen.

Die zukünftige Welt wird nicht offen in den Heiligen Schriften besprochen. Die Tora beschäftigt sich vielmehr primär mit dem Leben auf dieser Welt. Die Seele existiert, bevor sie auf diese Welt herabsteigt und geht zur himmlischen Sphäre nach dem Ableben zurück. Es ist ein „Abstieg, der den Sinn hat, zum Aufstieg zu führen“. Der Aufstieg ist dabei der letztendliche Sinn der Schöpfung, - die Erschaffung einer Wohnstätte für G-tt in dieser Welt.

König Solomon beschreibt die Seele als „die Kerze von G-tt“. Wofür aber braucht G-tt eine Kerze? Gibt es einen Platz, wo es für Ihn dunkel ist? Die Kerze wird in dieser Welt gebraucht. Die Seele erleuchtet den Körper und die Welt und ermöglicht es, den Schöpfer durch tägliches Tora-Studium und Mizwot-Halten zu erkennen.

Rabbiner Schneur Salman von Liadi, der Gründer von Chabad, sagte: „Ich möchte nicht deinen Garten Eden haben, ich möchte nicht deine zukünftige Welt, ich möchte nur dich allein!“ Er meinte damit, dass, obwohl die geistige Wonne in der zukünftigen Welt groß ist, man G-tt selbst nur durch Erfüllung des letztendlichen Sinnes erfahren kann, nämlich mit einer Stunde Reue und guter Taten.

Ein besonderer Sinn und Zweck

Jede Seele hat eine besondere Aufgabe neben dem allgemeinen Auftrag, G-tt eine Wohnstätte in dieser Welt zu schaffen. Der Baal Schem Tow sagte, dass eine Seele über das Einhalten der Tora und Mizwot hinaus auf dieser Welt 70 oder 80 Jahre lang leben kann, nur um einem anderen einen Gefallen im materiellen oder geistigen Bereich zu tun. Wie erfahren wir von unseren besonderen Aufgaben? Wie finden wir heraus, welcher Gefallen der Sinn des Abstiegs seiner Seele ist? Die Antwort ist, dass alles durch G-ttliche Vorsehung geschieht. Wenn wir eine Gelegenheit bekommen, Gutes zu tun, dann kommt sie vom Himmel. Daher sollten wir sie als den Sinn des Abstiegs der Seele betrachten.

Unsere Weisen haben gesagt: „Alles kommt vom Himmel außer der Ehrfurcht des Himmels“. Das bedeutet, dass alles, was einem Menschen zustößt, vom Himmel geschickt worden ist. Der Ort und die Zeit, zu der ein Mensch lebt, sowie seine Stellung im Leben, z.B. ob er reich oder arm ist, wurden von oben bestimmt. Der einzige Beitrag, den ein Mensch leistet, ist seine Ehrfurcht vor dem Himmel, d.h. seine Reaktion in jeder Situation. Wir alle werden mit einzigartigen Möglichkeiten und Herausforderungen konfrontiert. Es ist unsere Lebensaufgabe, sie zum G-tt gegebenen Sinn und Zweck zu nutzen.

Der Abstieg der Seele

Unsere Weisen sagen: „Jede Seele war bei der G-ttlichen Majestät, bevor sie auf diese Welt hinunter kam.“ Und „Die Seelen werden unter dem Sitz der Herrlichkeit herausgehauen.“ Diese Aussagen betonen die lebenswichtige Natur der Seele, ihre Heiligkeit und Reinheit, und dass sie ganz und gar von allem materiellen und physischen getrennt ist. Die Seele ist naturgemäß keinen materiellen Bedürfnissen oder Versuchungen ausgesetzt, die nur vom Körper und der „tierischen Seele“ kommen.

Es war aber der Wille des Schöpfers, dass die Seele, die wirklich ein Teil G-ttes ist, in die raue physische Welt herabsteigen soll und in einem physischen Körper eingeschlossen und viele Jahre mit ihm verbunden sein soll. Dies steht im krassen Gegensatz zu ihrer geistigen Natur. All dies wird einer G-ttlichen Mission wegen getan, welche die Seele zu erfüllen hat, um den physischen Körper und seine Umgebung zu reinigen und vergeistigen. Denn nur so kann diese Welt in eine Wohnstätte für die G-ttliche Gegenwart verwandelt werden, - dies ist nur zu erreichen, wenn wir unser Leben der Tora und den Mizwot widmen.

Wenn die Seele diesen Auftrag erfüllt, dann sind nicht nur alle vorübergehenden Schmerzen und Leiden, die mit dem Abstieg der Seele und dem Leben auf dieser Welt verbunden sind, gerechtfertigt, sondern sie werden durch den großen Lohn und die ewige Glückseeligkeit der Seele unendlich aufgewogen.

Eine vergeudete Gelegenheit

Es ist eine Tragödie, wenn Menschen den Auftrag der Seele auf dieser Welt missachten. Denn das bedeutet, dass die Seele umsonst auf diese Welt heruntergekommen ist. Wir müssen uns Zeit nehmen, selbst wenn es nur kurze Momente gibt, die dem Tora-Studium und den Mizwot gewidmet sind. Leider werden solche Aktivitäten oftmals durch Mangel an Enthusiasmus und innerer Freude getrübt, da die Menschen nicht erkennen, dass diese Aktivitäten ihre Existenzberechtigung darstellen.

Diese Menschen verpassen die Gelegenheit, den G-ttlichen Willen zu tun und damit den ewigen Nutzen, der damit einhergeht. Ist es nicht widersinnig, sich die Seite des Lebens auszusuchen, die der Versklavung und Degradierung der Seele dient, während das Gute, das darin steckt, zurückgewiesen wird?

Das Beste aus der Zeit zu machen, in der die Seele auf der Erde wohnt, wird durch ein Leben voller Tora und Mizwot ermöglicht.

Da G-tt als Inbegriff des Guten der Seele auferlegt, von den höchsten Höhen zu den tiefsten Tiefen herabzusteigen, damit sie Tora lernt und Gebote hält, bedeutet es, dass Tora und Mizwot sehr wertvoll sind.

Außerdem zeigt der Abstieg der Seele zum Zweck der Erhöhung, dass es keine andere Möglichkeit gibt, dies zu bewirken. Wenn es einen einfacheren Weg gäbe, dann würde G-tt es nicht der Seele auferlegen, auf diese Welt hinabzusteigen. Nur hier auf dieser „tiefsten aller Welten“ (Kabbala) kann die Seele hoch aufsteigen. Dies wird durch den Ausspruch der Weisen belegt: „Die Gerechten sind den (besten) Engeln überlegen“.

Diene G-tt mit Freude

Wenn wir uns vergegenwärtigen, wie groß und wichtig die Tora und Mizwot im Bezug auf unser Leben sind, weil sie die einzige Art der Selbstverbesserung und der Erfüllung des G-ttlichen Willens darstellen, dann dürfen wir uns trotz der unerlässlichen inneren und äußeren Schwierigkeiten über unser Schicksal sehr freuen. Nur so kann man den Ausspruch des Baal Schem Tow erfüllen: „Diene G-tt mit Freude“. Diese Maxime ist eine der grundlegenden Lehren des Baal Schem Tow, die von Rabbiner Schneur Salman von Liadi in seinem Monumentalwerk Tanja gründlich erörtert werden (26:31).

Letztendlich wird solch ein Weg zu wahrem Glück führen. Glück im jüdischen Sinn wird wie folgt definiert: Wenn wir zu jeder Zeit das tuen, was G-tt von uns erwartet, dann können wir wirklich glücklich sein. Jeder, der zu einer bestimmten Zeit das tut, was die Tora vorschreibt, ist ein wirklich glücklicher und gesegneter Mensch. Dieses Gefühl transzendiert alle weltlichen Sorgen, da solch ein Mensch erkennt, dass alles, was im Leben geschieht, von G-tt arrangiert ist.

Schlussfolgerung

Es ist offensichtlich nötig, dass wir uns dem Torastudium widmen und uns darüber klar werden, wie wir Seine Gebote im tagtäglichen Leben erfüllen. Die Tora stellt die G-ttliche Weisheit dar. Es gibt keine engere Verbindung mit G-tt als durch die intellektuelle Verbindung des Torastudiums. Und dennoch: „Die Tat ist das wichtigste“. Der letztendliche Sinn des Studiums ist, dass es zur Tat – zur Ausführung von Mizwot – führt, womit man den Sinn der Schöpfung erfüllt, G-tt eine Wohnstätte in dieser Welt zu schaffen.

Jede Mizwa hat einen kosmischen Effekt und offenbart die Gegenwart G-ttes. Die vollkommene Offenbarung dieses Effekts wird deutlich werden, wenn Moschiach kommt. In dieser Ära wird die einzige Aufgabe des Menschen darin bestehen, G-tt zu kennen.

Jerusalem, die geistige Hauptstadt der Welt, besteht aus zwei hebräischen Worten, ‚Jira’ und ‚Schalem’, was „perfekte Ehrfurcht“ bedeutet. Die Wiedererbauung Jerusalems repräsentiert die Wiederherstellung der perfekten Ehrfurcht auf der Erde und der G-ttlichen Gegenwart im Garten Eden. Jede Mizwa ist ein Schritt in die Richtung auf dieses Ziel hin.

Wir sollten den Rat König Salomon’s, des weisesten aller Männer, befolgen. Er schrieb am Ende des Buches Ecclesiastes:

„Letztendlich ist alles bekannt. Fürchte G-tt und halte Seine Gebote. Denn das ist der ganze Sinn des menschlichen Lebens.“

Unsere Weisen haben es wie folgt ausgedrückt: „Ich wurde nur darum erschaffen, um meinem Schöpfer zu dienen.“

von Nissan Dovid Dubov
Rabbi Dubov ist der Direktor von Chabad of South London in Wimbledon, England. Er ist der Gründer der "KabbalahUK" Webseite und Autor vieler Bücher. Rabbiner Dubov lebt in Wimbledon mit seiner Frau Sarah und ihren Kindern.
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Diskussion (4)
18. September 2015

Danke für diesen wunderbaren Text.
Er hat in mir den Wunsch geweckt, künftig mehr aus dieser Quelle aufzunehmen.
Armin Zuther
München
15. Juni 2013
Gott in uns allen
Ich fand diesen paar Zeilen echt gut ,faszienierend,nachdenkend ,sie geben einem eine gewisse Richtung wo es lang gehn solte in dieser Materielen Welt :-)
Von Herzen nochmals Danke.
Karlheinz Kirr
Kist
14. Juni 2012
Uebertritt?
Dann sollten Sie die Ueberlegung anstrengen, zukonvertieren. Als nichtjuedischer Mensch, ist es Ihnen aus Sicht der Halacha nicht erlaubt, in der Shabbes-Ruhe zu verweilen. Als gerechter gelten Sie allerdings auch, wenn Sie die noachidischen Gesetze einhalten. Shalom, Shmuel ben Yisroel.
Shmuel ben Yisroel
Duesseldorf
13. Mai 2011
Was ist der Sinn des Lebens.
Ich bedanke mich von ganzem Herzen ,für ihre Ausführungen.Ich studiere seit Jahren Kabbala.Auch wenn ich auf dem Papier kein Jude bin,aber versuche den noch den Shabbat zu halten,die Tora und den Sohar zu studieren.Ich fühle in mir eine wirklich über Jahre gewachsene Liebe zu allem Jüdischen.Ach ja Shabbat Shalom.Es grüsst sie Herzlichst .Kllaus aus Massbach.
Klaus Zauner
97711 Massbach, Deutschland
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