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Der 19. Kislew

Der 19. Kislew

Ein wichtiges chassidisches Fest

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Für die chassidische Bewegung hat das jüdische Jahr, außer den „regulären“ Festen und Fasttagen, noch eine Reihe von bedeutsamen Daten, die als spezifisch chassidische Feste oder Gedenktage gefeiert werden. Der Kalender des Chabad-Lubawitsch- Chassidismus ist (sozusagen) noch „voller“ von solchen Ereignissen als derjenige anderer chassidischer Zweige.

Ein wichtiger Tag im Chabad-Kalender steht gerade bevor. Es ist der 19. Kislew, hebräische Bezeichnung „Jud-Tet Kislew“ – für Lubawitsch ein großer Freudentag. Was wird an ihm gefeiert?

Am 19. Kislew des jüdischen Jahres 5533 (das ist das bürgerliche Jahr 1772) – es war, wie in diesem Jahre, der Dienstag vor dem Schabbat des Wochenabschnittes Wajeschew – starb der berühmte „Meseritscher Maggid“, Rabbi Dov Baer von Meseritsch, Nachfolger des Baal Schem Tov als Führer des Chassidismus. Einer seiner bedeutendsten Schüler war Rabbi Schneur Salman von Liadi, genannt der „Alte Rebbe“ oder der „Baal HaTanja“ (nach seinem wesentlichen Werke, dem „Tanja“), Begründer und erster Rebbe der Chabad-Lubawitsch-Bewegung. Dieser wurde 26 Jahre später, am 19. Kislew 5559 (1798) aus zaristisch-russischer Gefangenschaft befreit. Es war wieder ein Dienstag, wieder in der Woche vor Schabbat Wajeschew.

Aufschlussreiche Geschichte

Zwischen dem „Meseritscher Maggid“ und dem „Alten Rebbe“ bestand eine besonders enge Beziehung und Freundschaft. Der frühere Lubawitscher Rebbe, Rabbi Joseph Jizchak Schneersohn s.A., wusste dazu einige aufschlussreiche Geschichten zu erzählen; unter anderem berichtete er, dass kurz vor seinem Ableben der „Meseritscher Maggid“ die Hand des „alten Rebben“ in die seine legte und zu ihm sagte: „Jud-Tet Kislew ist unser gemeinsamer Jom Tow (Feiertag).“

Ein Feiertag ist er für viele Chassidim geblieben. Erstens ist in der chassidischen Gedankenwelt ein Jahrzeittag, als Sterbetag, selten ein Anlass zum Trauern; und wenn es sich gar um das Ableben einer bedeutenden Persönlichkeit handelt, dann wird er, im Gegenteil, wahrhaft zelebriert. (Man denke auch, zum Beispiel, an den 7. Adar, Moses’ Sterbetag, an dem in vielen Gemeinden, insbesondere auch unter Mitgliedern der „Chewra Kadischa“, ein spezielles Festmahl durchgeführt oder ein gesellschaftliches Zusammensein organisiert wird.)

Hervorstechendes Ereignis

Zweitens war jene Befreiung von Rabbi Schneur Salman aus dem Gefängnis wirklich ein besonders hervorstechendes Ereignis. Was war geschehen? Menschen, denen diese neue und um sich greifende Bewegung des Chassidismus ein Dorn im Auge war, hatten sich nicht gescheut, durch üble Nachrede und Denunziationen bei den Behörden einiger ihrer Führer in direkte Gefahr zu bringen. Chabad missfiel ihnen dabei womöglich noch mehr als manch anderer Zweig des Chassidismus. Zu mehreren Zeitpunkten in unserer Geschichte ist es leider vorgekommen, dass Juden ihre eigenen geistigen Führer bei den Behörden angezeigt haben. Das gleiche Los traf Rabbi Schneur Salman; er wurde von seinen Feinden des versuchten Hochverrates bezichtigt.

Die Behörden griffen schnell ein und sandten einen Trupp Soldaten, um den Rebben zu verhaften. Dieser Trupp stellte sich erstmals während der Halbfeiertage (Chol Hamoed) von Sukkot jenes Jahres 5559 (1798) ein. Der kommandierende Offizier war jedoch bereit, auf das jüdische Fest Rücksicht zu nehmen und daher (noch) keine Verhaftung anzuordnen. Er wartete bis nach Simchat Tora, um am Tage danach wurde der Rebbe festgenommen und nach längerer Reise ins Gefängnis in der Hauptstadt St. Petersburg eingeliefert.

Die Aussichten waren sehr trüb, die Lage fast verzweifelt. Nichtsdestotrotz bewahrte Rabbi Schneur Salman eine außergewöhnliche Ruhe und Fassung. Insgesamt verbrachte er 52 Tage – also über sieben Wochen – in Haft. Es gelang ihm allmählich, das Zutrauen seiner Wachen und auch der von den Behörden entsandten Inspektoren und Untersuchungsrichter zu gewinnen. Er durfte sich seiner orthodoxen Lebensweise entsprechend einrichten und verhalten. Er verlor sein G-ttvertrauen nicht; und er hoffte, trotz mancher schlimmen Vorzeichen, dass er eines Tages doch wieder auf freiem Fuß gesetzt werden würde.

Überlieferte Vorfälle

Mehrere Vorfälle während dieses Gefängnisaufenthaltes sind authentisch überliefert und dann niedergeschrieben worden. Wahrscheinlich der bedeutsamste dieser Vorfälle ist folgender: Eines Tages suchte ihn ein hoher Beamter auf, Mitglied der Regierung, ein gelehrter und bibelkundiger Mann, der von der Persönlichkeit des Rebben tief beeindruckt war. Er sagte zu ihm, er habe eine Frage zu stellen, die sich auf eine Versstelle im ersten Buche des Pentateuchs beziehe, und möchte gerne eine Antwort darauf erhalten. Der Rebbe erwiderte, er solle ihn getrost fragen, und mit G-ttes Hilfe würde er ihm eine Antwort geben können.

Der Minister sagte: „Es heißt im ersten Buche Moses (Genesis 3:9): ‚Und G-tt rief dem Adam zu und sagte: Wo bist du?’ Wie lässt sich verstehen, dass der allwissende G-tt nicht gewusst hätte, wo Adam war?“

„Glauben Sie“; so fragte ihn der Rebbe seinerseits, „dass die Tora zeitlos ist, von ewiger Gültigkeit und für jeden einzelnen erheblich?“ – „Ja, das glaube ich“, entgegnete der andere.

„Wenn Sie also daran glauben, dann kann ich Ihnen eine Erklärung geben. Dort im Verse lautet der hebräische Ausdruck: ‚G-tt rief zu Ha-Adam’, das heißt: ‚zum Menschen’. Es besagt, dass G-tt zu allen Zeiten zu jedem einzelnen Menschen den Ruf ergehen lässt: ‚Wo bist du?’ – also: ‚Wo stehst du in der Welt?’. G-tt hat jedem einzelnen einen Platz zugewiesen, eine Spanne von Tagen und Jahren zuerteilt; und jeder einzelne ist angehalten, jeden Tag gut zu nutzen, zum Wohle anderer wie auch in der menschlichen Beziehung zu G-tt. Deshalb überlegen Sie doch einmal, wie viele Tage Sie bereits gelebt und wie viel Gutes Sie bisher in der Ihnen gewährten Zeitspanne getan haben. Sie haben schon … Jahre gelebt (und hier nannte der Rebbe sein genaues Alter); was haben Sie damit angestellt? Haben Sie etwas Gutes geschaffen?“

Der Besucher war von dieser Erklärung so beeindruckt, dass er spontan ausrief: „Bravo!“

Intervention des Zaren

Weiterhin wird erzählt, dass der Gefangenaufseher dem Zar selber über Rabbi Schneur Salman Bericht erstattete und ihn sehr lobte. Der Zar wollte sich persönlich davon überzeugen, dass dies wirklich ein großer, heiliger, weiser Mann war, und so suchte er ihn auf, aber in guter Verkleidung. Trotz dieser Verkleidung erkannte der „Alte Rebbe“ seinen Besucher als das, war er wirklich war, und er erwies ihm die entsprechende Ehrung. Auch dieser erlauchte Besucher verließ ihn in großer Verblüffung.

Was die Anschuldigungen betraf, so wurde der Rebbe von mehreren Beamten genauestens verhört. Seine Antworten wurden zu Protokoll genommen und dem Senat vorgelegt. Die Anschuldigungen wurden für falsch und trügerisch befunden, und so denn erfolgte seine Freilassung an jenem Dienstag, dem 19. Kislew. Im übertragenen und mystischen Sinne ist seine Freilassung stets als eine „Befreiung des Geistes“ gewertet worden. Dies ist ein dem Mystizismus sehr geläufiger und sehr wesentlicher Begriff. Weil die „geistige Befreiung“, aus mystischer Perspektive, als eine symbolische Umschreibung des menschlichen Geschicks par excellence gesehen und eingestuft wird, ist diesem Festtag unter den Chassidim ein besonderes Gewicht gegeben worden. Für Chabad hat er den Charakter eines sehr großen Feiertages.

(Mehr über das Leben und Wirken von Rabbi Schneur Salman von Liadi: s. JR vom 09.09.1976, Seite 13)

von Dr. William Stern
Nach den Werken von Rabbi Menachem M. Schneerson. Herausgegeben von der Lubavitch Foundation, London unter dem Titel "Betrachtung für die Woche".

Dr. Stern arbeitete als Lehrer in Manchester, später in London. Er verstarb am ersten Tag von Chanukka im Jahre 5756 (1995). Der Rebbe persönlich beauftragte Dr. Stern Anfang der 1970-iger Jahre mit der Übersetzung der "Thought for the Week" von Rabbi Yitzhak Meir Kagan. Dr. Stern lehnte zunächst mit der Bemerkung ab, dass "Deutschland eine spirituelle Wüste sei". Der Rebbe antwortete ihm: "Aber die Tora wurde in der Wüste gegeben!"
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