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Acharej - Ma Nischtana?

Acharej - Ma Nischtana?

Band 1, Seite 244-246

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1. Ma Nischtana – was hat sich geändert?

Die Annordnung der vier Fragen nach dem Brauch von Chabad ist: Matbilin (das Eintauchen der Erdfrüchte), Mazza, Maror (das bittere Kraut) und Messubin (das Anlehnen während der Mahlzeit).

Dies erscheint zuerst unverständlich, da es weder die Wichtigkeit der Fragen, noch deren Anordnung, wie sie vom Kind vorher wahrgenommen wird, wiedergibt.

Der Wichtigkeit der Themen nach, hätte die Anordnung sein müssen: a) Mazza – ein Gebot der schriftlichen Tora, b) Maror – ein Gebot unserer Meister (in diesen Tagen), c) Messubin – als Ausdruck unserer Freiheit, und erst zum Schluß d) Matbilin, welches bloß ein Brauch ist.

Der Reihenfolge nach, wie das Kind sie sieht, hätte Matbilin entweder am Ende stehen müssen (weil das zweiter Eintauchen die Hauptsache ist), oder aber nach Messubin, weil Messubin beim Kiddusch, also noch vor dem ersten Eintauchen erfolgt.

2. Es gibt jene, die sagen, man müsse die Gebote der Tora mit Nachdruck und Selbstaufgabe einhalten. Auch die Gebote unserer Meister müssen mit Stärke erfüllt werden, besonders wenn sie zum Gebot „weiche nicht“ gehören (wie der Rambam ausdrücklich ausführte), weil sie Schranken und Schutz für die Gebote sind. Aber Bräuche können wichtiger oder unwichtiger sein – aber man ist nicht zur Selbstaufgabe verpflichtet, um sie einzuhalten.

Man behauptet weiter, dass man ja die Kinder auf dem Weg der Tora erziehen muss, und dass es sehr schwer ist, alles einzuhalten. Daher ist es sinnvoll, bei den Bräuchen ein Auge zuzudrücken, und sich darauf zu konzentrieren, sie mit den wichtigen Dingen zu erfüllen.

Die Antwort zu diesen Behauptungen ist in der Anordnung der vier Fragen enthalten: Das erste, wonach ein Kind fragt, das Erste, was es bemerkt und was es beeindruckt ist kein Kernsatz der Tora oder unserer Meister, sondern ein Brauch Israels. Gerade dieser fällt ins Auge und hat die größte Wirkung.

Wenn das Verhalten des Kindes und der es Umgebenden, dem der nichtjüdischen Umgebung ähnelt, dann mag es regelmäßig Tora lernen, beten, die Mizwot halten usw. Da es aber in seinem Benehmen seiner Umgebung gleicht und man ihm nicht ansieht, dass es ein Jude ist und es nicht auf jenen hört, der zwischen Israel und den Völkern unterschied, jenem, der uns aus allen Völkern erwählte, führt dies dazu, dass auch jene Mizwot, welche es hält, es an der nötigen Heiligkeit mangeln lassen.

Und wenn es das Fundament – die Heiligkeit der Tora und die Heiligkeit der Gebote – fehlt, dann ist es möglich, dass es mit der Zeit – G“tt behüte – auch an der praktischen Ausübung der Gebote fehlen kann.

3. Davon einmal abgesehen, dass der Brauch Israels der Tora gleichkommt, wie es in Ausspruch „Minhag Jisrael Tora hu“ (selbst ein Brauch der Frauen) zum Ausdruck kommt, und man nicht abwägen darf, was wichtiger ist, so wie geschrieben steht „den Weg des Lebens wirst du ebnen“ und keine einzige Sache verbiegen kann, darüber hinaus ist das erste Fundament der Erziehung, dass das Kind wissen soll, dass es anders ist, als alle. Es soll wissen, dass es ein Jude ist. Und dies wird hauptsächlich durch die Bräuche Israels vermittelt, welche ins Auge fallen und davon künden, dass „Du uns aus allen Völkern erwählt hast…“, welches mündet in „…und Du hast uns genähert, unser König, zu Deinem Dienst“, welches die Grundlage der gesamten Tora bildet. Und so sagen es unsere Meister seligen Andenkens: „ihre Anwendung ist größer, als ihr Erlernen“.

4. Wenn man Kinder so erzieht, wie es sich gehört, und man bringt ihnen auch bei, dass auch die Bräuche Israels Tora ist, und dass man für sie zur Selbstaufgabe bereit sein muss, so verkündet man damit dass „wir Sklaven des Pharao waren in Ägypten, und der Ewige, unser Herr von dort herausgebracht hat mit starker Hand und gestrecktem Arm“. Wie damals, so auch heute „wie in den Tagen deines Auszugs aus Ägypten“. Ungeachtet der doppelten und mehrfachen Dunkelheit des Exils wird Er uns aus der Finsternis in ein großes Licht führen, und wir werden Ihm einen neuen Gesang (hebr. Schir) – in der männlichen Form – singen, nicht ein neues Lied (hebr. Schira) in der weiblichen Form. Denn dies wird die vollkommene und wahrhaftige Erlösung sein, auf die kein Exil mehr folgt, durch Moschiach Zidkenu, dem Gesalbten unseres Heil, bald in unseren Tagen.

Ein Vortrag des Lubawitscher Rebben zum Wochenabschnitt
Aus dem Jiddischen übersetzt von Gershon Pollatschek.
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