Kontakt

Bo - Schafe im Haus

Bo - Schafe im Haus

Band 1, Seite 127-129

 E-Mail

1. Im heutigen Wochenabschnitt erzählt die Tora, wie G“tt befahl, am zehnten Tag des Monats Nissan ein junges Schaf zu nehmen, es mehrere Tage im Haus zu halten und am vierzehnten Tag zu schächten und als Pessachopfer darzubringen.

Zu welchem Zweck sollte man das Lamm schon am zehnten Tag nehmen? Unsere Meister seligen Andenkens sagen, damit die Ägypter das Lamm bei den Juden sehen und sie fragen, warum die Juden das Lamm im Haus halten. Die Juden würden sich davon nicht erschüttern lassen und antworten: wir halten das Lamm im Hause um es zu schächten und als Opfer darzubringen.

Die Ägypter haben ein Lamm angebetet, dies war ihr Götze (deshalb hatte doch unser Meister Mosche zu Pharao gesagt: Doch wir werden opfern und man wird uns nicht steinigen usw.) und deshalb befahl ihnen G“tt das Lamm vier Tage im Haus zu halten. Auf die Fragen der Ägypter sollen sie antworten, dass sie es schächten und G“tt opfern wollen.

Die Stärke der Selbstaufgabe, welche die Juden an den Tag legten, indem sie sich nicht von den Ägyptern beeinflussen ließen, hat die Erlösung herbeigeführt, so wie unsere Meister seligen Andenkens sagen, dass die Juden zum Zeitpunkt des Auszugs aus Ägypten nackt von Mizwot waren, wie es steht „du warst nackt und bloß“ und wie gesagt wird „jene dienen Götzen und jene dienen Götzen“. Deshalb gab ihnen G“tt die Mizwa des Pessachopfers und durch den Verdienst des Erfüllens dieser Mizwa mit vollkommener Selbstaufgabe wurden sie aus Ägypten erlöst.

2. Es steht „wie in den Tagen deines Auszugs aus Ägypten werde ich dir Wunder zeigen“, d.h. dass der Auszug aus Ägypten ein Vorbild der kommenden Erlösung ist. Dies ist eine Metapher der Tora, in der jede Einzelheit von Bedeutung ist. Daher versteht es sich, dass eben jene Taten, die zur Erlösung aus Ägypten geführt haben, auch zur zukünftigen Erlösung führen werden.

Deshalb gilt: Ebenso wie auch der Auszug aus Ägypten durch Stärke und Selbstaufgabe zustande kam, so wird auch die zukünftige Erlösung durch Stärke und Selbstaufgabe bewirkt werden.

3. Nun soll man alle Mizwot mit Nachdruck erfüllen. Dies gilt jedoch umso mehr für die Mizwa der Liebe zwischen den Juden, die das Fundament der gesamten Tora bildet. Bei ihr darf man sich von niemandem beeinflussen lassen.

Man soll mit Juden über die Tora und über die Mizwot sprechen. Und wenn dies keinen Einfluss zu haben scheint, sollte man noch einmal mit ihm sprechen. Wenn ein Jude auch anfangs deshalb nach uns tritt, so ist dies ein Hinweis darauf, dass es ihn nahe geht – und deshalb sollte man noch einmal mit ihm reden, bis er zuhört.

Man sollte dies mit Nachdruck tun, mit ruhigen Worten zwar (wie seine Heiligkeit, mein Lehrer und Schwiegervater zu sagen pflegte, man soll ihn nicht die Nase abreißen), aber mit Nachdruck, denn wenn man in Ruhe und mit Nachdruck redet, wird man Erfolg haben.

Und wenn man keinen Erfolg hat, so soll man wissen, dass es nicht die Schuld des andern ist, sondern die eigene. Jener ist gut, doch man spricht nicht von Herzen zu ihm. Und nur was von Herzen kommt, kommt auch ins Herz hinein. Deshalb sollte man in diesem Fall ein Kapitel Psalmen sagen und beten, dass die Worte wirklich von Herzen kommen mögen, denn dann werden sie von selbst auch ins Herz des anderen dringen.

4. Beim Auszug aus Ägypten, die Juden sich – wegen ihrer Selbstaufgabe und dem Nachdruck beim Tun der Mizwot - nicht von den Ägyptern beeindrucken. Sie zogen aus Ägypten aus und nahmen sogar Gold und Silber der Ägypter mit sich. Die Ägypter ertranken, wie es steht „nur ein Letzter blieb von ihnen“. Und auch dieser letzte – Pharao – ging nach Niniwe und wurde auch dort von Sorgen geplagt. So auch jetzt. Wenn man mit Nachdruck und Selbstaufgabe vorgeht und sich von nichts und niemand davon abhalten lässt, werden alle Widersacher Null und nichtig und Erlösung wird bald, in unseren Tagen kommen.

Ein Vortrag des Lubawitscher Rebben zum Wochenabschnitt
Aus dem Jiddischen übersetzt von Gershon Pollatschek.
© Copyright, alle Rechte vorbehalten. Wenn Ihnen dieser Artikel gefallen hat, empfehlen Sie ihn weiter, vorausgesetzt Sie halten sich an unsere Urheberrechtsrichtlinien.
 E-Mail
Diskutieren Sie mit
Sortiert nach:
1 Kommentar
1000 verbliebene Zeichen
Thomas Kölli Wilhelmsdorf 4. Februar 2017

Warum nahmen die Israeliten die Pessachschafe schon am 10. Tag in ihr Haus auf? Ein Gedanke ist: Wenn das einjährige Schaf vier Tage in der Familie mitgelebt hat, wurde es zu einem Teil der Familie. Es wird den Familiengliedern nicht leicht gefallen sein, dieses Schaf dann zu schlachten. Das Bewusstsein: Dieses Schaf wurde geopfert, damit wir leben können, dürfte ein Empfinden der Dankbarkeit erzeugt haben. Reply