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Teil II Einleitung

Teil II Einleitung

Schaar HaJichud WeHaEmuna („Tor der Einheit und des Glaubens“)

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Anmerkung zum zweiten Teil1 des Tanja's.

Glauben und Wissen, erklärt R. Schneor Salman, sind notwendige Ergänzungen, um G‑tt richtig dienen zu können. Der Mensch muss bis an die Grenzen der eigenen intellektuellen Fähigkeiten um ein Verständnis G‑ttes ringen und erst jenseits dieser Grenze mit einfachem Glauben glauben. Nur so wird es ihm gelingen, G‑tt mit allen Kräften und Emotionen zu dienen.

In seiner Einleitung zu Schaar HaJichud WeHaEmuna, die er „Die Erziehung des Kindes“ nennt, betont der Autor die Wichtigkeit, schon das kleine Kind zu G‑ttesliebe und G‑ttvertrauen zu erziehen. Denn das wird ihm sein ganzes Leben lang verbleiben und eine gesunde Grundlage für den Endzweck seines Lebens sein – die Erfüllung seiner religiösen Pflichten.

Die zwölf Kapitel des Hauptteils erläutern einige grundlegende Konzepte der jüdischen Philosophie, darunter creatio ex nihilo, g‑ttliche Vorsehung, g‑ttliche Essenz und Attribute, Immanenz und Transzendenz sowie die Lehre vom Zimzum.

Der Angelpunkt der Ausführungen, um den sich alle anderen Themen drehen, sind die g‑ttliche Einheit und der absolute Monotheismus. Ein solcher verneint Polytheismus, die Verehrung vieler Götter, und Heidentum, die Vergötterung von Objekten, Wesenheiten oder Naturkräften. Er schließt sowohl Dualismus aus, die Annahme zweier rivalisierender Mächte von Gut und Böse, als auch Pantheismus, der G‑tt und Natur gleichsetzt. In Maimonides’ Interpretation von G‑ttes Einheit wird auch betont, dass Sein Wesen und Seine Existenz eine einfache und vollkommene Einheit sind, ohne jede Vielheit, Zusammensetzung oder Teilbarkeit, und frei von jeglichen physischen Eigenschaften und Attributen2.

Die chassidische Interpretation, basierend auf den Sohar-Konzepten von „Einheit der unteren Ebene“ und „Einheit der oberen Ebene“, gibt dem eine tiefere Bedeutung. R. Schneor Salman erklärt, dass die g‑ttliche Einheit nicht nur die Existenz anderer herrschender Mächte neben dem Einen G‑tt oder jede Vielheit in Ihm ausschließt, sondern überhaupt jede Existenz außer Ihm. Die scheinbare unabhängige Existenz des Universums ist ein Schein, der darauf beruht, dass der Mensch die wahre Ursache des Seins – die Kraft des Schöpfers – nicht wahrnimmt. Alle geschaffenen Dinge, ob irdisch oder himmlisch, existieren nur vermöge des konstanten Flusses der Lebenskraft aus G‑tt. Würde sich diese Schöpfungskraft für einen einzigen Moment nur zurückziehen, würde alle Existenz in das Nichtsein vergehen. Die Schöpfung des Universums wiederum bewirkt keinerlei Veränderung in Seiner Einheit und Einzigkeit, denn genauso wie nur Er existierte v o r der Schöpfung, so existiert nur Er nach der Schöpfung.

Da G‑tt allgegenwärtig ist und nichts außerhalb von Ihm existieren kann, wie war dann die Entstehung des Universums möglich? Wie konnte die endliche Welt aus G‑tt, dem Unendlichen hervorgehen? Dies hat R. Jizchak Luria in der Lehre vom Zimzum beantwortet, dem Rückzug und der Beschränkung des unendlichen Lichtes. Vor der Erschaffung der Welten nahm G‑tt allen „Raum“ ein. Als jedoch in Seinem Willen die Schaffung der Welten aufkam, wurde das Unendliche sozusagen auf die Seite geschoben, um einen leeren Raum zu schaffen. In diesen Raum emanierte aus G‑tt ein Licht3, das die Quelle alles Geschaffenen ist. Dieses Licht durchlief unzählige Zimzumim (Verdichtungen und Verringerungen) bis diese irdische Welt entstand, in der es auch Dinge gibt, die der Heiligkeit Hohn sprechen.

R. Schneor Salman hält allerdings fest, dass diese Lehre vom Zimzum nicht wörtlich verstanden werden darf4. Erstens erklärt die Schrift ausdrücklich: „‚Fülle Ich nicht Himmel und Erde?‘ spricht der H‑rr.“5 Der Talmud stellt fest: „Genau wie die Seele den Körper füllt, so füllt G‑tt das Universum“6. Im Sohar finden wir: „Es gibt keinen Platz ohne G‑tt“7. Solche Aussagen gibt es im Überfluss in der Schriftlichen Tora und der rabbinischen Überlieferung.

Zweitens impliziert die wörtliche Interpretation dieser Lehre eine Veränderung in G‑ttes Allgegenwart: Vor der Schöpfung war die g‑ttliche Präsenz überall; danach wurde durch den Zimzum ein Vakuum ohne Seine Präsenz gebildet. Die Tora hält jedoch ausdrücklich fest: „Denn Ich bin der H‑rr, nicht habe Ich mich geändert.“8 Darüber hinaus ist „Rückzug“ ein Phänomen der Körperlichkeit, das G‑tt nicht zugeschrieben werden kann.

R. Schneor Salman erklärt stattdessen, dass es zwei Arten g‑ttlicher Emanation gibt: ein unbeschränktes Ausströmen – Or Ejn Sof, das „unendliche Licht“ genannt –, und ein begrenztes Licht, das endliches Sein entstehen lassen kann. Zu behaupten, dass Sein Licht sich nur in Unendlichkeit, nicht aber in einer endlichen Existenz manifestieren könne, impliziert einen Mangel in Seiner Allmacht und Vollkommenheit. Beide Kräfte, die unendlichen wie auch die endlichen, sind also gleichwertige und einander ergänzende Aspekte Seiner Allmacht und werden beide von Seinem Wesen transzendiert.

Aufgrund des g‑ttlichen Willens war vor der Schöpfung die unendliche Kraft bestimmend, füllte allen „Raum“ und schloss dadurch jede endliche Existenz aus. Als Er an die Schöpfung des Universums ging, zog Er Sein unendliches Licht zurück und ermöglichte damit die Offenbarung Seiner endlichen Kraft und ein Entstehen endlicher Existenz. Dies ist der erste Zimzum – kein Zurückziehen G‑ttes, sondern nur das Verbergen Seines unendlichen Lichtes. Der Zimzum bewirkte somit keine Veränderung in Seinem Wesen oder Seiner Allgegenwart, lediglich die Manifestation Seines unendlichen Lichtes wurde in die Latenz verschoben.

Nach unzähligen weiteren Zimzumim, die immer mehr die schöpferische Kraft verdichteten und verbargen, vermochte endliches und physisches Sein zu entstehen. Anders als der ursprüngliche Zimzum, der ein vollständiges Verbergen des unendlichen Lichtes bewirkte, ist jeder der nachfolgenden Zimzumim lediglich eine graduelle Verminderung von g‑ttlichem Licht als Angleichung an das, was ein geschaffenes Wesen ertragen kann. Und wäre dem Auge die Erlaubnis gegeben, jenseits der äußeren physischen Form zu schauen – erklärt R. Schneor Salman –, dann würden wir nur die g‑ttliche Kraft wahrnehmen, die jedes Geschöpf durchdringt und beseelt und dessen Wirklichkeit ausmacht.

„Du sollst heute wissen und dir zu Herzen nehmen, dass der H‑rr G‑tt ist im Himmel oben und auf der Erde unten, es gibt keinen anderen“9, zitiert R. Schneor Salman zu Beginn von Schaar HaJichud WeHaEmuna – es gibt nichts, das außerhalb von Ihm existiert. Darüber nachzudenken, ist der Mensch aufgefordert, und zu Einsichten zu gelangen, die im Erfüllen der g‑ttlichen Gebote Ausdruck finden.

Fußnoten
1.
Nach der Einleitung von R. Nisen Mangel.
2.
Maimonides, Mischne Tora, Hilchot Jesodej HaTora 1:7; vgl. More Nevuchim I, Kap. 50, 53.
3.
Die g‑ttlichen Emanationen werden im übertragenen Sinn „Lichter“ genannt, denn Licht besitzt Eigenschaften, die charakteristisch für die g‑ttlichen Emanationen sind.
4.
Siehe R. Menachem M. Schneerson, Likkutej Sichot, Bd. XV, New York 1987, S. 470.
5.
Jer. 23:24.
6.
Berachot 10a.
7.
Tikkunim, Tikkun 57, Fol. 91b.
8.
Mal. 3:6.
9.
Deut. 4:39.
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