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Brief 2

Brief 2

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Nach seiner Ankunft aus Petersburg1

„Ich bin klein geworden durch alle Wohltaten und alle etc.“2 Dies bedeutet, dass der Mensch mit jeder einzelnen Wohltat, die der H.g.s.E. ihm erweist, überaus demütigen Geistes werden muss. Denn „Chessed ist der rechte Arm“3, und „Seine Rechte umarmt mich“4 – dies ist der Aspekt der wirklichen Nähe G‑ttes mit mehr Stärke als zuvor. Jeder, der G‑tt überaus nahe ist und zu großen Höhen emporgehoben wird, muss noch demütigeren Geistes, bis zur tiefsten [Stufe] sein, wie geschrieben steht: „Aus der Ferne ist mir erschienen der Ew‑ge“5. Bekanntlich „sind Alle, die vor Ihm sind“ – ausdrücklich [„vor Ihm“] – „wie Nichts.“6 Folglich ist jeder, der mehr „vor Ihm“ ist, noch mehr wie Nichts, null und nichtig.

Dies ist der Aspekt der „rechten Seite“ der Heiligkeit, und der [Aspekt der] „Chessed dem Avraham“, der sagte: „Und ich bin Staub und Asche.“7 Diese [Demut] ist auch die Eigenschaft Jaakovs. Er rechtfertigte damit seine Furcht vor Esaw und verließ sich nicht auf das ihm erteilte Versprechen: „Siehe, Ich bin mit dir etc.“8 Dies rührte daher, dass Jaakov sich selbst aufgrund der Vielzahl an Wohltaten – „denn mit meinem Stab etc.“ – als überaus unbedeutend einschätzte, keineswegs würdig und wert, gerettet zu werden etc. Unsere Meister sel. A. sagten demgemäß: „Vielleicht wird die Sünde verursachen […]“9, denn es schien ihm, als habe er gesündigt.

Anders verhält es sich mit dem entsprechenden Gegenstück, Jischmael – „Chessed der Kelipa“: Je größer die [ihm erwiesene] Güte, desto stärker wächst er in Hochmut, Arroganz und Anmaßung.

Demgemäß mache ich nun eine bedeutende Bekanntmachung an alle Männer unserer chassidischen Bruderschaft bezüglich der Vielzahl der Wohltaten – „Großes hat G‑tt an uns getan“10: Haltet an der Eigenschaft Jaakovs fest, [denn Juden sind bekannt als] der „Rest Seines Volkes“11 und „der Überrest Israels“12, der sich selbst wahrlich als Rest und Überschuss, als völlig nutzlos betrachtet. Mögen sie ihren Brüdern gegenüber nicht hochmütig werden etc. und [diese] weder verhöhnen noch auspfeifen, G‑tt behüte. Eine strenge Warnung: Still! Erwähnt nichts! Vielmehr haben sie ihren Geist und ihr Herz vor jedem Menschen zu unterwerfen – gemäß dem Attribut von „Wahrheit dem Jaakov“ –, mit Demut und einer „milden Antwort, die den Grimm abwendet“13, mit einem „zerschlagenen Gemüt etc.“14 Und durch all dies wird vielleicht G‑tt in die Herzen unserer Brüder legen, „so wie im Wasser das Angesicht [steht zu Angesicht, so steht des Menschen Herz zum Menschen] … …“15

Fußnoten
1.
R. Schneor Salman verfasste dieses Schreiben, nachdem er aus zaristischer Gefangenschaft in Petersburg am 19. Kislew 5559/1798 entlassen worden war. Seine Inhaftierung und die schwerwiegenden Vorwürfe der Anklage, die auf Hochverrat und damit Todesstrafe hinausliefen, waren Folge gezielter Verleumdungen seitens der Kontrahenten des Chassidismus gewesen. R. Schneor Salman war jedoch überzeugt, dass der tieferliegende Grund für die Haft die Vorwürfe waren, die im Himmlischen Gerichtshof vorgebracht wurden – gegen seinen Vorstoß, die Tiefendimension der Tora leichter verständlich und leichter zugänglich zu machen. In dem vorliegenden Schreiben stellt R. Schneor Salman dann auch klar, dass seine Entlassung aus physischer Gefangenschaft ein direktes Resultat der Entkräftung aller spirituellen Vorwürfe sei. Mehr noch, seine Freilassung sei ein klares Signal, eine Unterstützungserklärung und g‑ttliche Aufforderung, die chassidische Lehre dem gesamten Volk zugänglich zu machen. Die Freilassung R. Schneor Salmans leitete in Folge tatsächlich eine neue Ära in der Formulierung und Verbreitung der chassidischen Lehre ein und wird bis heute jährlich am 19. und 20. Kislew gefeiert. Siehe v.a. R. Menachem M. Schneerson, Likkutej Sichot, New York 1992, Bd. XXX, S. 170ff.
2.
Gen. 32:11. Diese Worte sprach Jaakov als Einleitung zu seiner Bitte an G‑tt, ihn vor Esaw zu retten. Obwohl ihm zuvor versichert worden war (Gen. 28:15), dass G‑tt ihn begleiten und beschützen würde, woimmer er sein werde, fürchtete Jaakov, dass ihn all die bereits erwiesenen Wohltaten „klein“ gemacht hatten, d.h. seine Verdienste und sein Anrecht auf weitere Wohltaten verringert hatten.
3.
Einleitung zu Tikkunej Sohar, 17a.
4.
Hl. 2:6.
5.
Jer. 31:2.
6.
Sohar I, 11b.
7.
Gen. 18:27.
8.
Ebd. 28:15.
9.
Berachot 4a; Sanhedrin 98b.
10.
Siehe Ps. 126:3.
11.
Nach Jes. 11:11, u.a.
12.
Jer. 6:9, u.a.
13.
Spr. 15:1.
14.
Spr. 17:22.
15.
Spr. 27:19, gemäß Raschis Kommentar, und nicht gemäß dem Kommentar des Targum; siehe in den Tanja-Kommentaren diesbezüglich.
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