Here's a great tip:
Enter your email address and we'll send you our weekly magazine by email with fresh, exciting and thoughtful content that will enrich your inbox and your life, week after week. And it's free.
Oh, and don't forget to like our facebook page too!
Kontakt

Brief 1

Brief 1

 E-Mail

Anmerkung zum Kapitel-Titel1

Wir eröffnen mit einem Segensspruch, um G‑tt zu preisen und zu danken, denn Er ist gut. Eine gute Kunde vernahm meine Seele und wurde dadurch belebt – und „nichts außer der Tora ist gut“2, „die Tora G‑ttes ist vollkommen“3. [Dies bezieht sich auf] die Vollendung des ganzen Talmuds in seiner Gesamtheit in den meisten Städten und Gemeinden unserer chassidischen Bruderschaft4. Dank für das Vergangene, und eine Bitte für die Zukunft: Also möge G‑tt von Jahr zu Jahr geben und Eurem Herzen Stärke unter den Mächtigen5 mit der Macht der Tora hinzufügen, und der Menschheit die Macht der Mündlichen Tora und ihre starke Kraft [Os] kundtun.

König Schlomo, Friede mit ihm, erklärte: „Sie gürtet mit Kraft [Os] ihre Lenden etc.“6 Die Lenden sind das Gerüst, das den gesamten Körper, wie auch den Kopf, der sich darüber befindet, aufrechterhält; [die Lenden] sind es, die [den Körper] zum erwünschten Ziel führen und bringen. Und was für die Stofflichkeit des Körpers gilt, gilt auch für den geistigen Aspekt der g‑ttlichen Seele. [Die Lenden der Seele sind] der wahre Glaube an den Einen G‑tt, den gesegneten Ejn Sof, der alle Welten füllt und alle Welten umgibt; kein Ort – bis in die höchsten unendlichen Höhen und bis in die tiefsten endlosen Tiefen, wie auch in alle vier Richtungen – ist Seiner bar: wahrlich in einer Dimension der Unendlichkeit. Dasselbe gilt für die Dimensionen „Jahr“ und „Seele“, wie bekannt ist7.

Nun wird dieser Glaube als Aspekt der „Lenden“ bezeichnet, die den „Kopf“ aufrechterhalten und stützen. Es ist dies der Intellekt, der über die Größe des gesegneten Ejn Sof in den Dimensionen „Welt“, „Jahr“ und „Seele“ nachsinnt und den Daat darin vertieft, und der über die Großartigkeit Seiner Güte und Seiner Wunder für uns [nachsinnt], aus uns ein „Ihm nahes Volk“8 machend, das wirklich „Ihm anhangen“ kann. [Dies ist] bekannt durch den Ausspruch: „Besser eine Stunde der Umkehr und guten Taten in dieser Welt, als alles Leben in der künftigen Welt“9. Denn [die künftige Welt] ist ein bloßer Abglanz und Schein vom Aspekt [der G‑ttlichkeit] namens Schechina, „die weilt [schochenet] etc.“10, und wurde durch einen einzigen Buchstaben – das Jud Seines gesegneten Namens – geschaffen etc.11 Umkehr und gute Taten hingegen bringen Israel wirklich zu ihrem Vater im Himmel näher, zu Seinem Wesen und Seiner Essenz gewissermaßen, dem Aspekt der absoluten Unendlichkeit, wie geschrieben steht: „Sein Glanz ist über Erde und Himmel. Und Er erhebt Seinem Volk das Horn etc.“12, „[…] der uns durch Seine Gebote geheiligt hat und uns befohlen hat etc.“, „und wie im Wasser das Angesicht“13 etc. werden aus dieser Einsicht intellektuelle oder natürliche Ehrfurcht und Liebe geboren14, um den Aspekt „ihr Herz schreit zu G‑tt“15 oder den Aspekt „Feuergluten, eine mächtige Flamme“ zu erzeugen – entsprechend dem Aspekt „Andrang“ [Razo], und daraufhin entsprechend dem Aspekt „Rückzug“ [Schov], sodass die Furcht G‑ttes in seinem Herzen sei, und er sich angesichts Seiner Größe schäme etc.16 Dies ist der Aspekt der „linken Hand, die wegstößt“, wie beim Geben der Tora geschrieben steht: „Und als das Volk es wahrnahm, erbebten sie und blieben von ferne stehen etc.“17 Und diese [Liebe und Ehrfurcht] sind die Arme und der Körper der Seele.

Was aber verleiht den „Lenden“ die Kraft und Stärke, um den Kopf und die Arme aufrecht zu erhalten und zu stützen? Die Beschäftigung mit den Gesetzen der Mündlichen Tora und das Studium derselben. [Die Mündliche Tora] ist die Offenbarung des Willens des Oberen. Obwohl die „Tora aus der Chochma hervorgeht“18, sind aber ihr Ursprung und ihre Wurzel dem Aspekt der Chochma weitaus überlegen und werden als der Wille des Oberen, gesegnet sei Er, bezeichnet. So steht geschrieben: „Wie mit einem Schild umgibst [teatrenu] mit Wille Du ihn“19 – wie eine Krone [Atara], die über dem im Schädel liegenden Gehirn sitzt. Dies ist auch aus dem bekannt, was über den Vers: „Eine tüchtige Frau ist die Krone [Ateret] ihre Mannes“20 erklärt wird21. Und „jeder, der täglich Toragesetze lernt etc.“22

Dies ist die Bedeutung von: „Sie gürtet mit Kraft ihre Lenden“ – „Unter ,Kraft‘ ist ausschließlich die Tora zu verstehen.“23 Sie gibt den „Lenden“, die mit [der Tora] umgürtet und in sie gekleidet sind, Kraft und Stärke, um ihre Arme – d.h. intellektuelle oder natürliche Ehrfurcht und Liebe – zu stärken und zu kräftigen, in jedem Menschen gemäß seinem individuellen Maß. (Über die Stützung und Erhaltung des „Kopfes“ der Seele, d.h. des nachsinnenden Intellektes etc., sagte [König Schlomo]: „Sie spürt, dass gut ihr Handel ist …“24, was an anderer Stelle erklärt wird25.)

Die Gelegenheit und die Zeit für die Stärkung und Kräftigung der Arme und des Kopfes ist während des Morgengebets, weil dies droben eine Zeit der Barmherzigkeit und des Oberen Wohlwollens ist. Um Folgendes ersuche ich jene, die G‑tt suchen: Mögen sie alles, was ich ihnen im vergangenen Jahr in allgemeinen Zügen schrieb, verstehen und auch ergründen und als Erinnerung zwischen ihren Augen haben; insbesondere, was die Kawana beim Gebet aus der Tiefe des Herzens betrifft. Tag um Tag sollen sie G‑tt mit all ihrem Herzen und all ihrer Seele suchen, und wie Wasser sollen sie ihre Seele vor dem Angesicht G‑ttes ausgießen. Wie unsere Meister sel. A. in Sifri sagten: „bis zum Ausdrücken der Seele etc.“26

Noch einmal strecke ich hiermit meine Hand wiederholt aus, mit einer zusätzlichen Erklärung und einem zweifachen Ersuchen – unterbreitet und vorgelegt allen Männern der chassidischen Bruderschaft, die nahe sind und die ferne sind, das Folgende zu unternehmen: An allen Wochentagen steigen nicht die Geschäftsleute, die nicht über allzuviel freie Zeit verfügen, vor das Vorbeterpult hinab [um das gemeinschaftliche Gebet anzuführen]. Vielmehr [soll das Gebet leiten], wer – wie Toralehrer und Personen, die von ihren Eltern unterstützt werden – über freie Zeit verfügt, wer beim Morgengebet ausgedehnt beten kann, zumindest 1½ Stunden an allen Wochentagen. Von ihnen soll gemäß dem Losentscheid oder der mehrheitlichen Zustimmung [der Gemeinde] eine Person vor das Vorbeterpult hinabsteigen. Rund um sich versammle er all diejenigen, die von ihren Eltern unterstützt werden oder Toralehrer sind, die wie er ausgedehnt beten können. [Diese Anordnung] werde nicht geändert, ich bitte Euch und flehe Euch an!27

An den Schabbat- und Feiertagen jedoch, wenn auch all die Geschäftsleute über Freizeit und eine günstige Gelegenheit verfügen, um ausgedehnt zu beten, ihr Herz und ihre Seele mit Kawana auf G‑tt gerichtet – obliegt ihnen dies in der Tat stärker und mächtiger, wie in Schulchan Aruch, Orach Chajim festgehalten wird28. So steht [auch] in der Tora Mosches geschrieben: „Sechs Tage sollst du arbeiten etc., aber der siebente Tag ist ein Schabbat dem Ew‑gen, deinem G‑tt“29, was nachdrücklich zum Ausdruck bringt, dass [der Schabbat] völlig G‑tt geweiht ist. Am Schabbat und Feiertag können somit auch sie gemäß dem Losentscheid oder der Zustimmung der Mehrheit vor das Vorbeterpult hinabsteigen, wie ich vergangenes Jahr geschrieben habe.
So soll bekannt gemacht werden, dass ich die Absicht hege, so G‑tt will, im Geheimen Kundschafter zu allen Gebetsquoren zu schicken, um jede Person, die über die Möglichkeit und die [freie] Zeit verfügt, um ausgedehnt und vertieft zu beten, aber faulenzt, ausfindig zu machen und zu melden. Solch einer wird mit Entfremdung bestraft werden, wird – wenn er hierher kommt, um „Worte des Lebendigen G‑ttes“30 zu hören – mit beiden Händen weggestoßen werden. Aus dem Negativen kannst du auf das Positive schließen. Wer dem Folge leistet, denen wird Gutes widerfahren, und mit Gutem werden sie gesegnet werden, und „außer Tora gibt es kein Gutes etc. pp.“

Fußnoten
1.
Dies ist das erste von 32 Schreiben, die unter dem Titel Iggeret HaKodesch, der „Heilige Brief“, dem Buch Tanja angeschlossen wurden. Siehe Einleitung zu Teil IV, für nähere Erläuterungen. Über die Entstehung von Brief 1 berichtet R. Joseph I. Schneersohn, der sechste Lubawitscher Rebbe: Während eines Zusammentreffens für Simchat Bet HaSchoeva im Jahr 5648 (1887) erzählte uns mein geschätzter Vater, dass das Schreiben „Wir eröffnen mit einem Segensspruch“ in drei Schritten in drei verschiedenen Jahren verfasst wurde.
Der erste Schritt: Als sich R. Schneor Salman entschied, die Reise zum Maggid von Mesritsch anzutreten, um bei ihm zu lernen, verfasste er für seine Schüler den Text von „Wir eröffnen mit einem Segensspruch“ bis „und diese (Liebe und Ehrfurcht) sind die Arme und der Körper der Seele“.
Der zweite Schritt: Als R. Schneor Salman (rund 20 Monate später) aus Mesritsch zurückkehrte, wo ihm der Maggid – auf Geheiß von R. Israel Baal Schem Tov – sein spirituelles Wesen offenbart hatte, die Aufgabe seiner Seele auf dieser Welt, und die Verantwortung und große Gefahr, die diese Aufgabe mit sich brachte. Zu dieser Zeit schrieb R. Schneor Salman den zweiten Teil dieses Briefes, beginnend mit „Was aber verleiht den ,Lenden‘ die Kraft und Stärke“ bis „zum Ausdrücken der Seele“. Mit seinem Sohn, R. Dovber (dem zweiten Lubawitscher Rebben), und seinem Enkelsohn, R. Menachem Mendel (dem dritten Lubawitscher Rebben), sprach R. Schneor Salman einmal über seine Gefühle während der ersten Jahre, nachdem ihm sein Meister, der Maggid von Mesritsch, die Aufgabe seiner Seele offenbart hatte. Das waren die Worte von R. Schneor Salman: „Der schlichte und starke Glaube, den wir, die Schüler des Maggid, in ihn hatten und unsere Ergebenheit bis hin zur Selbstaufgabe, verlieh uns die zwingende Kraft, alle seine Anweisungen mit völliger Präzision zu befolgen. Im Laufe der folgenden Jahre, als sich meine Schüler in verschiedenen Städten und Dörfern niederließen, fügte ich drei Absätze hinzu – von ,Noch einmal strecke ich hiermit meine Hand aus‘ bis ,außer der Tora gibt es kein Gutes‘. Das tat ich angesichts der Last, die mir von meinem Meister, dem Maggid, auferlegt wurde und um in der Lage zu sein, mit G‑ttes Hilfe den inneren Zweck des Abstiegs meiner Seele in diese Welt zu erfüllen.“ (R. Joseph I. Schneersohn, Sefer HaMamaarim 5707 (1947), S. 170.)
2.
Mischna Avot 6:3; Berachot 5a.
3.
Ps. 19:8.
4.
Ein bis zum heutigen Tag geübter chassidischer Brauch ist die Aufteilung aller Traktate des Babylonischen Talmud unter den Mitgliedern einer Gemeinde, sodass der gesamte Talmud (2.711 Folioblätter) im Laufe eine Jahres gelernt wird. Der feierliche Abschluss und erneute Beginn des Studiums findet traditionellerweise am 19. Kislew statt, dem Jahrestag der Rettung R. Schneor Salmans vor zaristischer Gefangenschaft und möglicher Todesstrafe im Jahr 1798 (siehe Iggeret HaKodesch, Brief 2, Anmerkung 1.)
Der Lubawitscher Rebbe, R. Menachem M. Schneerson sel. A., hat wiederholt darauf hingewiesen, dass bei dieser Art des kollektiven Studiums den Teilnehmern angerechnet wird, als hätte jeder einzelne den gesamten Talmud gelernt. Dies ist ähnlich dem Gesetz bei der verbotener Arbeit am Schabbat: Falls die Beteiligung von zwei Personen für die Arbeit erforderlich ist, wird jedem einzelnen die gesamte Arbeit angelastet (siehe Schabbat 93a). Auch am gemeinsamen Talmudstudium nehmen die einzelnen Personen teil, weil sie das gesamte Pensum innerhalb eines Jahres nicht bewältigen könnten – daher wird es jedem Einzelnen angerechnet, als hätte er den gesamten Talmud studiert. (R. Menachem M. Schneerson, Likkutej Sichot, Bd. XVIII, New York 1982, S. 267.)
5.
Vielleicht soll diese Wortwahl verdeutlichen, dass das g e m e i n s c h a f t l i c h e Tora-Studium sowohl das Lernen jedes Teilnehmers als auch die Auswirkungen auf ihn verstärkt. (Anmerkung von R. Menachem M. Schneerson, zitiert in Josef Weinberg, Schiurim BeSefer HaTanja (Jiddisch), New York 1986, Bd. IV, S. 1237, Anmerkung 10.)
6.
Spr. 31:17.
7.
Die Schöpfung umfasst die drei Dimensionen „Welt“, „Jahr“ und „Seele“, wie in Sefer Jezira (3:3 et al.) erklärt wird. „Welt“ bezieht sich auf die Dimension Raum, „Jahr“ auf die Dimension Zeit, und „Seele“ auf das Leben. So wie G‑tt eins und unendlich ist in der Dimension R a u m, ebenso ist Er eins und unendlich in den Dimensionen Z e i t und L e b e n.
8.
Ps. 148:14.
9.
Mischna Avot 4:17.
10.
Lev. 16:16.
11.
Siehe Menachot 29b.
12.
Ps. 148:13-14.
13.
„So wie im Wasser das Angesicht steht zu Angesicht, so steht des Menschen Herz zum Menschen.“ Spr. 27:19; und siehe oben, Likkutej Amarim, Kap. 49.
14.
Siehe oben, Likkutej Amarim, Kap. 44.
15.
Klgl. 2:18; siehe R. Schneor Salman von Ljadi, Likkutej Tora, Nezavim 44b-c; siehe auch weiter, Brief 4.
16.
Siehe oben, Likkutej Amarim, Kap. 3, 4.
17.
Ex. 20:15. Die g‑ttliche Offenbarung beim Geben der Tora bewirkte ein Gefühl der Ehrfurcht und Selbst-Nichtung, das dazu führte, dass „sie von ferne stehen blieben“, und nicht näher kamen.
18.
Sohar I, 121a.
19.
Ps. 5:13.
20.
Spr. 12:4.
21.
Weiter, Brief 29.
22.
„… dem ist das Leben der künftigen Welt zugesichert“; Megilla 25a.
23.
Sifri, Haasinu 343.
24.
Spr. 31:18.
25.
Siehe Maamarej Admur HaSaken, Ketuvim 1, S. 232.
26.
Abschnitt Waetchanan, Absatz 32; siehe auch oben, Likkutej Amarim, Kap. 30.
27.
Siehe weiter, Brief 32, für weitere Details diesbezüglich.
28.
Schulchan Aruch, Orach Chajim, § 290:2; R. Schneor Salman von Ljadi, Schulchan Aruch, Orach Chajim 290:5.
29.
Ex. 20:9.
30.
D.h. chassidische Diskurse; nach Jer. 22:36.
© Copyright, alle Rechte vorbehalten. Wenn Ihnen dieser Artikel gefallen hat, empfehlen Sie ihn weiter, vorausgesetzt Sie halten sich an unsere Urheberrechtsrichtlinien.
 E-Mail
Diskutieren Sie mit
1000 verbliebene Zeichen