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Kapitel 12

Kapitel 12

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Der Bejnoni ist eine Person, deren Böses niemals genügend Stärke erringt, um die „kleine Stadt“ einzunehmen, sich in den Körper zu kleiden und ihn zur Sünde zu verleiten. Das heißt, die drei Gewänder der tiergleichen Seele – Gedanke, Wort und Tat seitens der Kelipa – überwältigen die g‑ttliche Seele nicht in dem Maß, dass sie sich in den Körper kleiden – weder in das Gehirn noch in den Mund oder irgend ein anderes der 248 Glieder –, um sie zu Sünde und Unreinheit zu führen, G‑tt behüte.

Ausschließlich die drei Gewänder der g‑ttlichen Seele – Gedanke, Wort und Tat als Ausdruck der 613 Gebote der Tora –, sie alleine kleiden sich in den Körper. [Der Bejnoni] hat niemals eine Sünde begangen, noch wird er jemals eine Sünde begehen; niemals in seinem Leben trifft auf ihn die Bezeichnung „Böser“ auch nur einen Moment oder einen Augenblick lang zu.1

Wesen und Essenz der g‑ttlichen Seele, die ihre zehn Aspekte sind, haben indes nicht die alleinige Herrschaft und Macht über die „kleine Stadt“ inne. Ausgenommen sind bestimmte Zeiten, wie etwa während des Schema-Lesens und des Gebets. Dann herrscht droben eine Phase des „Großen Gehirnes“2; auch hienieden ist es eine geeignete Zeit für jeden Menschen, wenn er zu dieser Zeit seine Chochma, Bina und Daat mit G‑tt verbindet, indem er tiefschürfend die Größe des gesegneten Ejn Sof erwägt; er erweckt die Feuerzungen gleichende Liebe in der rechten Kammer seines Herzens, [die im Menschen das Verlangen erweckt,] Ihm durch die Erfüllung der Tora und ihrer Gebote aus Liebe anzuhangen. Dies ist die wesentliche Thematik des Schema-Lesens, dem ein biblisches Gebot zugrunde liegt3; die von den Rabbinern verfügten Segenssprüche4 vorher und nachher stellen die Vorbereitung auf die Erfüllung des Schema-Lesens dar, wie an anderer Stelle erklärt wird5. Zu dieser Zeit ist das Böse in der linken Herzkammer dem Guten unterworfen und ergeben, das sich in der rechten Herzkammer ausbreitet, von Chochma, Bina und Daat im Gehirn ausgehend, die mit der Größe des gesegneten Ejn Sof verbunden sind.

Wenn indes nach dem Gebet die Phase des „Großen Gehirnes“ des gesegneten Ejn Sof gewichen ist, erwacht das Böse in der linken Herzkammer von neuem; es erweckt ein Verlangen nach den Begierden und Genüssen dieser Welt.

Da jedoch das Böse nicht das alleinige Recht über Herrschaft und Macht in der Stadt innehat, kann es seine potentielle Begierde nicht verwirklichen; kann sich nicht in die Gliedmaßen des Körpers, in Tat, Wort und wirklichen Gedanken kleiden, d.h. das konzentrierte Nachdenken des Menschen über die Genüsse dieser Welt – wie die Begierden seines Herzens zu erfüllen seien. Das Gehirn herrscht nämlich über das Herz (wie in Raeja Mehejmna, Abschnitt Pinchas steht6) kraft seiner angeborenen und erschaffenen Natur. Der Mensch wird von Geburt an so geschaffen, dass sich jeder kraft des Willens in seinem Gehirn zurückhalten kann und über den Geist der Begierde in seinem Herzen regieren kann, damit die Wünsche seines Herzens in Tat, Sprache und Gedanke unerfüllt bleiben; und er kann seine Aufmerksamkeit völlig von den Begierden seines Herzens ab- und dem genauen Gegenteil zuwenden, insbesondere in die Richtung der Heiligkeit.

So steht geschrieben: „Und ich sah, dass die Weisheit einen Vorzug hat vor der Torheit, wie das Licht einen Vorzug hat vor der Finsternis.“7 Diese [Analogie] bedeutet: Das Licht hat einen Vorzug und die Herrschaft und Macht über Finsternis, sodass wenig physisches Licht eine Menge Finsternis vertreibt, die von sich aus und automatisch weggestoßen wird. Ebenso wird automatisch eine Menge Torheit der Kelipa und Sitra Achra aus der linken Herzkammer (und wie unsere Meister sel. A. sagten: „[Ein Mensch sündigt nicht,] es sei denn, ein Geist der Torheit dringt in ihn ein etc. pp.“8) von der Weisheit der g‑ttlichen Seele im Gehirn weggestoßen. Der Wille [der g‑ttlichen Seele] ist es, alleine in der Stadt zu regieren und den gesamten Körper mittels ihrer drei erwähnten9 Gewänder zu bekleiden, wie oben erwähnt wurde10 – dies sind, wie oben erwähnt wurde11, Gedanke, Wort und Tat der 613 Toragebote.

Nichtsdestotrotz wird [der Bejnoni] keineswegs „Gerechter“ genannt. Denn diese Überlegenheit des Lichtes der g‑ttlichen Seele über die Finsternis und Torheit der Kelipa, die automatisch weggestoßen wird, gilt nur für ihre erwähnten drei Gewänder, nicht aber für das Wesen und die Essenz [der g‑ttlichen Seele] gegenüber dem Wesen und der Essenz der Kelipa. Beim Bejnoni sind nach dem Gebet Wesen und Essenz der tiergleichen Seele, die von der Kelipa in der linken Herzkammer [genährt wird], keineswegs von ihrem Ort getrieben. Die Feuerzungen der G‑ttesliebe sind dann nicht mehr in seiner rechten Herzkammer offenbart; [das Herz] ist vielmehr mit verborgener Liebe ausgelegt, mit der natürlichen Liebe der g‑ttlichen Seele, wie im Folgenden erklärt wird12. Und dann kann die Torheit des „bösen Narren“13 in der linken Kammer seines Herzens offen zum Ausdruck gelangen und nach allen materiellen Dingen dieser Welt begehren, sowohl erlaubter als auch, G‑tt behüte, verbotener Natur, als hätte er nie gebetet. Bei einer [Begierde für eine] verbotene Sache jedoch kommt es ihm nicht in den Sinn, das Verbot tatsächlich zu übertreten, G‑tt behüte. Es kann jedoch „sündhaften Gedanken, die schwerwiegender als die eigentliche Sünde sind“14 gelingen, ihm ins Gehirn zu steigen und ihn vom Toralernen und Dienst G‑ttes abzulenken. Wie unsere Meister sel. A. sagten: „Vor drei Sünden bleibt der Mensch an keinem einzigen Tag bewahrt – vor sündhaften Gedanken, [mangelnder] Konzentration beim Gebet etc.“15

Diesbezüglich ermöglichen jedoch der Eindruck [des Gebets] in seinem Gehirn und die G‑ttesfurcht und Liebe zu Ihm, die in der rechten Kammer verborgen sind, das gierende Böse zu überwältigen und zu beherrschen; es kann somit nicht Herrschaft und Macht in der Stadt erringen und seine potentielle Begierde zur Ausführung bringen, indem es sich in die Körperteile kleidet. Ja, nicht einmal im Gehirn allein – Böses zu denken – hat es die Herrschaft und Macht, um den Menschen zu veranlassen, solche Gedanken bewusst zu denken, G‑tt behüte; dass der Mensch diesen bösen Gedanken, – der, wie oben erklärt wurde16, aus eigenem Antrieb vom Herzen zum Gehirn emporsteigt –, willens aufnähme, G‑tt behüte. Sofort bei beim Aufsteigen [dieses Gedankens zum Gehirn] verstößt er ihn mit beiden Händen und wendet augenblicklich seine Aufmerksamkeit davon ab, wenn er erkennt, dass es sich um einen bösen Gedanken handelt. Er weigert sich, ihn willens aufzunehmen. Sogar willens darüber nachzudenken, [weigert er sich] und gewiss kommt es ihm nicht in den Sinn, [diesen bösen Gedanken] auszuführen, G‑tt behüte, oder auch nur davon zu reden. Denn wer willens solche Gedanken hegt, wird zu diesem Zeitpunkt „Böser“ genannt, der Bejnoni aber ist kein „Böser“, nicht einmal für einen einzigen Augenblick.

Gleiches gilt für zwischenmenschliche Angelegenheiten. Sobald irgendein Gefühl der Feindseligkeit oder des Hasses, G‑tt behüte, oder Neid, Zorn, Groll oder Ähnliches vom Herzen in das Gehirn steigen, verwehrt er ihnen den Zutritt zu seinem Gehirn und seinem Willen. Im Gegenteil – das Gehirn beherrscht und regiert das Gemüt seines Herzens, um genau das Entgegengesetzte zu tun, sich seinem Nächsten gegenüber mit dem Attribut der Güte zu betragen und ihm übergroße Zuneigung zu erweisen; unter ihm bis zur äußersten Grenze zu leiden, ohne, G‑tt behüte, zu zürnen, oder ihm mit gleicher Münze heimzuzahlen, G‑tt behüte; Gutes vielmehr erweist er den Schuldigen. Im Sohar steht diesbezüglich, dass wir von Josefs [Verhalten] gegenüber seinen Brüdern17 zu lernen haben.18

Fußnoten
1.
Bezüglich der Aussage, der Bejnoni sei jemand, der niemals gesündigt hat, wird häufig die Frage aufgeworfen: Ist es denn durch reuige Umkehr und Dienst an G‑tt nicht möglich, die Stufe des Bejnoni zu erreichen – trotz früherer Sünden?
Mit der Aussage, der Bejnoni habe nie gesündigt, meint R. Schneor Salman allerdings nicht, der Bejnoni habe in seinem Leben a l s M e n s c h nie gesündigt, sondern dass er in seinem Leben a l s B e j n o n i keinerlei Sünden begangen hat. Die gegenwärtige spirituelle Existenz des Bejnoni lässt für Sünde – in der Vergangenheit wie auch in der Zukunft – keinen Platz. Er würde nicht sündigen, selbst wenn er denselben Versuchungen ausgesetzt wäre, die ihn früher zur Sünde geführt haben. Folglich hat er aus der Perspektive seines g e g e n w ä r t i g e n Zustandes nie gesündigt.
Auf gleiche Weise ist auch die Aussage zu verstehen, dass der Bejnoni „nie sündigen wird“. Das soll nicht heißen, dass es ihm unmöglich ist, zu sündigen; er verliert schließlich nicht seine Entscheidungsfreiheit. Vielmehr ist sein g e g e n w ä r t i g e r
Z u s t a n d einer, der ein Sündigen in der Zukunft ausschließt, ungeachtet der Herausforderungen, die die Zukunft bringen mag.
Diese Bedingungen muss der Mensch erfüllen, damit die Beschreibung „Bejnoni“ auf ihn zutrifft. Wie R. Schneor Salman schreibt: „(N)iemals (in seinem Zustand des Bejnoni) trifft auf ihn die Bezeichnung ,Böser‘ (d.h. jemand, der in Gedanken, Wort oder Tat sündigt) auch nur einen Moment oder einen Augenblick lang zu.“
Wenn hingegen der Mensch nur unter den Bedingungen der Gegenwart der Sünde fern bleibt, er aber straucheln würde, wenn er den Versuchungen der Vergangenheit oder denen der Zukunft ausgesetzt wäre, ist er potentiell ein „Rascha“ („Böser“); unter geänderten Umständen kann und würde er sündigen.
Es gilt jedoch zu verstehen, warum eine spirituell erhabene Person wie der Bejnoni bloß als Bejnoni gilt, und nicht als Zaddik. Diese Frage wird nun weiter im Text behandelt.
2.
Eine Phase großartiger geistiger Erleuchtung in den geistigen Welten.
3.
Berachot 5a; Maimonides, Mischne Tora, Hilchot Keriat Schema 1:1.
4.
Berachot 33a; Maimonides, Mischne Tora, Hilchot Keriat Schema 1:7.
5.
Siehe Kap. 49.
6.
Sohar III, 224a.
7.
Pred. 2:13.
8.
Sota 3a.
9.
Kap. 4.
10.
Kap. 9.
11.
Kap. 4.
12.
Kap. 18 ff.
13.
D.h. die Torheit der tiergleichen Seele.
14.
Siehe Kap. 11, Fußnote 4.
15.
„… und Bösrede“, Bava Batra 164b.
16.
Kap. 11.
17.
Siehe Gen. 50:15-21.
18.
Sohar I, 201a.
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