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Nachdem die Frau des Rebbe, Rebbetzin Chaya Mushka, die Tochter des frühren Lubawitscher Rebbe Rabbi Yosef Yitzchaak Schneerson, verstorben war, pfegte der Rebbe mehr und mehr Zeit am «Ohel», dem Begräbnisplatz des früheren Rebbes, zu verbringen. Dort stand der Rebbe viele Stunden lang, mit leerem Magen, Ias sich Briefe vor, die Menschen an ihn geschrieben hatten, und rezitierte Psalmen.

Am 28. Nissan 5751 (1991) kehrte der Rebbe vom Ohel zurück, sprach die Abendgebete und begann, zur versammelten Menge zu sprechen. Im Verlauf seiner Ansprache horte sie völlig unerwartet folgende Worte:

... da wir in unserer Zeit so viel über die Geula sprechen, taucht eine irritierende Frage auf: Wie ist es möglich, daß wir trotz alledem noch nicht die Ankunft des Moschiach bewerkstelligt haben? Das ist doch völlig unverständlich! Und ein weiteres trauriges Thema ist: So viele Juden haben sich versammelt, zu einer solch günstigen Zeit für die Geula - und dennoch stürmen sie nicht die Tore und fordern von Moschiach, sofort zu kommen! Sie können sich tatsächlich vorstellen, daß -G-tt behüte - Moschiach heute nacht vielleicht noch nicht kommt oder morgen noch nicht kommt oder auch den Tag darauf noch nicht - G-tt behüte! Selbst, wenn sie rufen und singen und schreien: «Wie lange noch?», tun sie das doch nur, weil es ihnen so gesagt worden ist. Falls sie es aber wirklich von Herzen so meinten und wahrhaftig aufschreien würden, dann gibt es keinen Zweifel, daß Moschiach schon längst gekommen wäre!

Was kann ich noch tun, damit das gesamte jüdische Volk aus tiefstem Herzen aufschreit und dadurch Moschiach wahr macht? Nach alledem, was ich getan habe, hat doch nichts geholfen. Der Beweis: Wir sind immer noch im Exil. Und vor allem in einem inneren, spirituellen Exil.

Alles, was ich jetzt noch tun kann, ist, euch die Sache in die Hände zu legen. Tut alles, was in eurer Kraft steht, um Moschiach sofort in unsere Realität zu bringen - indem die «Lichter von Tohu» in den «Gefäßen von Tikun» strahlen.

Vielleicht ist es Sein Wille, daß es eines Tages zehn Juden geben wird, die sich entschließen, hartnäckig darum zu kämpfen und von G-tt zu fordern - und sie werden mit Sicherheit erfolgreich dabei sein -, sofortige Erlösung zu bringen, so wie geschrieben steht: «... denn sie sind hartnäckige Menschen, und so wirst Du uns unsere Sünden und unsere Verfehlungen vergeben und uns zu Deinem Eigentum machen.» Ich habe jetzt meinen Teil getan. Tut ihr von nun an, was immer ihr tun könnt.

Und es mag Sein Wille sein, daß es unter euch einen oder zwei oder drei gibt, die einen Vorschlag machen, was zu tun ist und wie. Und vor allem - das ist die Hauptsache - daß ihr es wirklich tut und die wahre und vollständige Geula sofort herbeibringt, aus Freude und aus einem guten Herzen heraus.

Nachdem der Rebbe diese Worte gesprochen hatte, fegte ein Geist der Inspiration durch Lubawitsch. In den folgenden elf Monaten sprach der Rebbe jede Woche über das Thema von Moschiach und ermunterte jeden einzelnen, alles der die Geula zu studieren, was greifbar war, und alles zu tun, damit andere Menschen davon erfuhren. Nach diesen elf Monaten räumte der Rebbe seinen Schreibtisch auf, ging zum Ohel und fiel dort nieder - aufgrund eines schweren Schlaganfalls. Obwohl er nur noch wenige Worte sprechen konnte, fuhr er fort, von Bett und Lehnstuhl aus Anleitung und Rat zu geben. Zwei Jahre später erlitt der Rebbe um selben Tag erneut einen Schlaganfall. Drei Monate und einige Tage danach verschied der Rebbe.

Der Rebbe glaubte an uns, an unsere verwaiste Generation des Nach-Holocaust. Wir wollen ihn nicht im Stich lassen.


Ich habe jetzt meinen Teil getan. Tut ihr von nun an, was immer ihr tun könnt.

von Tzvi Freeman
Tzvi Freeman ist der Autor von Bringing Heaven Down to Earth und Be Within, Stay Above, zwei Bände mit Meditationen, sowie zahlreicher Artikel über jüdische Mystik und Philosophie. In 1975 gab Freeman seine Karriere als Musiker (klassische Gitarre) auf um Talmud und jüdische Mystik zu studieren. Während seinem Studium gründete er die erste chassidische Rockband. Er ist auch der Gründer von Adam v’Adamah – einer jüdischen Umweltgruppe.
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