Here's a great tip:
Enter your email address and we'll send you our weekly magazine by email with fresh, exciting and thoughtful content that will enrich your inbox and your life, week after week. And it's free.
Oh, and don't forget to like our facebook page too!
Kontakt

Wer war der Lubawitscher Rebbe?

Wer war der Lubawitscher Rebbe?

 E-Mail

Rabbiner Menachem Mendel Schneerson sel.A.

11. Nissan 5602 (18. April 1902) – 3. Tammus 5754 (12. Juni 1994)

Wer war der Lubawitscher Rebbe?

Dieses Jahr begehen wir erneut den Jahrestag des Dahinscheidens des Lubawitscher Rebben, Rabbiner Menachem Mendel Schneerson, seeligen Angedenkens. Während seiner Lebenszeit wuchs „Lubawitsch“ zu weltweiter Präsenz, zu einem allseits geläufigen Begriff. In all seinen vielfältigen Aktivitäten wurde Lubawitsch geprägt von der Vision eines Mannes: des Rebbe. Und doch bleibt seine Persönlichkeit eigenartig im Verborgenen, überlagert von Legenden. Wie konnte ein Mann von so viel Hingabe inspiriert sein, so viel Energie aufbringen, solch ein Netzwerk von Zuneigung erschaffen? Wer war dieser Lubawitscher Rebbe?

Das Wort „Lubawitsch“ hat so manche Assoziation hervorgebracht: Tefillin-legen mit zufällig vorbeikommenden Juden in Großstadtstraßen, Mizwa-Kampagnen von New York bis zu Soldaten am Sinai, lächelnde bärtige Gesichter, die Judentum zu solchen Juden brachten, auf die allen Anderen vergessen hatten. Und über all dem – der Rebbe. Anhänger reisten tausende Kilometer für ein kurzes Gespräch, eine „Jechidut“. Zu seinen Reden kamen solche Massen von Chassidim, dass sie eine Halle von der Größe eines halben Häuserblocks füllten. Sie repräsentierten Leben, das durch ein Kommunikationsnetz weitergegeben wurde, welches Anhänger in aller Welt mit ihrer Führung im bescheidenen Hauptquartier am Eastern Parkway verband. Vielleicht wird keine andere jüdische Gruppe so eng und so kontrovers mit ihrem Rabbiner identifiziert.

Es ist eine Geschichte aus seinen jungen Jahren überliefert, die wie ein Omen erscheint, beinahe ein Symbol all dessen was noch folgen sollte. Im Alter von neun Jahren sprang der kleine Menachem Mendel Schneerson ins Schwarze Meer um das Leben eines anderen Buben zu retten, der vom Deck eines vor Anker liegenden Schiffes gefallen war. Dieser Sinn für andere Leben in Gefahr scheint sein Bewusstsein stets geprägt zu haben: für ertrinkende Juden, deren Hilfeschrei niemand hört. Juden auf einem Universitätscampus, in isolierten Gemeinden, oder unter totalitären Regimen.

Das Programm, das er sich und seinen Anhängern vorgab, war mehr als die Traditionelle „Ahawat Jisrael“ (Liebe zum anderen Juden). Es war in einem ganz wirklichen Sinn Post-Holocaust-Judentum: die versteckten Juden mit Liebe zu finden, so wie sie einst mit Hass gejagt wurden. Es war die mystische Antwort auf jene nie zuvor dagewesene Tragödie, vor der alle anderen Antworten verstummen. Ein massiver Akt des Bösen kann nur durch eine massive Gegenaktion des Guten erlöst werden: in diesem Fall nur durch das Retten von Leben, Seelen, Identitäten – in einem zuvor nicht dagewesenen Ausmaß.

Menachem Mendel Schneerson wurde 1902 in der russischen Stadt Nikolaev geboren, und wurde früh als besonders genial auf dem Gebiet des jüdischen Lernens erkannt. Im Jahr 1929 heiratete er die Tochter des damaligen Lubawitscher Rebbe, Rabbiner Josef Jitzchak Schneerson, er absolvierte Universitätsstudien in Berlin und Paris. Es mag damals gewesen sein, dass sein gewaltiges Wissen in Mathematik und Naturwissenschaften zu sprießen begann.

Ein wesentlicherer Einfluss auf seine speziellen Zugang zum Judentum war der berühmte Rav von Rogatschov, Rabbiner Josef Rosin, ein Talmudgenie, der Verbindung zu den Lubawitscher Chassidim hatte. Rosin war berühmt für seine Fähigkeit, zwischen scheinbar nicht zusammenhängenden halachischen Diskursen Verbindungen herzustellen, indem er ihre gedanklichen Grundlagen aufdeckte. Der Rebbe wandte später im Lauf seines Lebens und Lehrens diese Methode auf breiterer Basis an, wenn er innere Verbindungen aufzeigte zwischen „offenen“ und der „verborgenen“ Tora, zwischen praktischen Regeln des jüdischen Gesetzes und den mystischen Wahrheiten des Judentums, insbesondere des Chassidismus.

Es ist schwierig im Judentum, zu sagen, wer ein revolutionärer Denker ist. In ihrer Essenz ist jede solche Revolution nichts Anderes als das Ausdrücken alter Wahrheiten in einer neuen Art. Doch innerhalb dieser Parameter – die ganz anders sind als die der Wissenschaft – war der Rebbe ein Revolutionär. Er etablierte Chassidmus nicht als ein Glied sondern als Herz des Judentums. Er war ein systematischer und konzeptioneller Denker allerhöchsten Ranges. Und, mehr als alles Andere, er verband ständig die höchste abstrakte Wahrheit mit dem konkretesten Aufruf zur Handlung, solcher Art den Bogen über das gesamte Kontinuum der jüdischen Lehre spannend.

Die Einheit der Tora ist die Einheit des jüdischen Volkes, eine Auffassung, die so alt ist wie der Sohar. Sie führte zum berühmten visionären Bild, das man dem Baal Schem Tow zuschreibt: Sie wie die Mangelhaftigkeit eines einzelnen Buchstabens eine Torarolle untauglich macht, so wird durch einen einzigen Juden, der nicht an seinem Ort ist, nicht seine Aufgabe im Leben umsetzt, die gesamte jüdische Gemeinde in Mitleidenschaft gezogen.

Es ist eine erschreckende Idee. Wären jüdische Gemeinden stark, hätte es vielleicht nicht mehr bedeutet, als dass ihre Führungskräfte sich um jede Seele innerhalb ihres Bereiches kümmern sollen. Doch als Gemeinden begonnen hatten zu schwanken und zu zerbrechen, viele Gemeinden führungslos wurden, viele Juden außerhalb der Gemeinde lebten, da bedeutete es mehr: Die Übernahme von Verantwortung auf einer globalen Ebene. Es bedurfte einer Person oder einer Gruppe, die das Bild des Baal Schem Tow ernst nehmen würde, oder das talmudische Diktum, dass alle Juden für einander verantwortlich sind. Dies – an das Vorbild seines Schwiegervaters anknüpfend – war es, was der Rebbe als Aufgabe für Lubawitsch definierte. Lubawitsch wurde die Gemeinde für Juden, die keine Gemeinde hatten.

Viele seiner Errungenschaften prägten die Entwicklung des Nachkriegsjudentums so nachhaltig, dass wir sie gar nicht mit Lubawitsch in Verbindung bringen. Vor 40 Jahren war der Begriff „Baal Tschuwa“ („Rückkehrender“) beinahe auf Chabad begrenzt. Für andere Juden war „Tschuwa“ etwas, das man am Jom Kippur tat, von Sünden umkehren. In Lubawitsch bedeutete es eine gerettete Seele, insbesondere hunderte von Studenten in aller Welt, die durch das Engagement von Chabad in der Studenten-Szene von Drogen und Verwirrungen zu tiefer jüdischen Bindung gelangten. Heute ist es das Wort das die Einwohner dutzender Jeschiwot in Israel, welche keine Verbindung zum Chassidismus haben, bezeichnet. Es wurde zum Leitmotiv einer Generation.

Die jüdische Tagesschulbewegung, unter deren ersten Pionieren Lubawitsch war, hat über weite Strecken die einst vorherrschende Ideologie, dass jüdische Erziehung ein netter, pflichtbewusster Anhang zum eigentlichen Programm des Erwerbs säkularer Kultur sei, ersetzt. Die Idee, in der Lubawitsch so lange allein war, sterbende Gemeinden wiederzubeleben, indem man einen kleinen Kern religiöser Familien hinschickt, wurde von amerikanischen Jeschiwot ausgiebig kopiert und mit der Zeit auch in Großbritannien aufgegriffen. Der Rebbe war nie daran interessiert, ein Monopol auf solche Neuerungen zu haben. Jede Errungenschaft bedeutet, dass ein neues Ziel formuliert werden muss.

Ergebnisse kann man nicht quantifizieren. Es reicht zu wissen, dass sie nie genug sind. Die berühmte Tefillin-Kampagne, die an eine ähnliche Kampagne mehr als sieben Jahrhunderte früher durch den großen Rabbiner Moische von Coucy erinnert, berührte eine vergessene Saite in vielen Juden: manchmal sofort, manchmal sich erst Jahre später zeigend. In all diesen Aktivitäten steckte ein antreibender Sinn für die Dringlichkeit, der ihre oft unkonventionellen Methoden heiligte: Eine fahrbare Sukka durch belebte Straßen geführt, ein Radiospot, der die Zuhörenden daran erinnerte, dass Purim ist, eine Resolution des US-Kongresses zur Einführung eines nationalen Tages der Erziehung – all dies und noch mehr sind Wege, das Kommen des Messias zu beschleunigen. Bei Lubawitsch nimmt man sich die Aufforderung im ersten Absatz des Schulchan Aruch zu Herzen, dass man sich nicht schämen solle, wenn andere sich über sein religiöses Verhalten lustig machen. Diskretion ist bloss die edlere Form von Feigheit. Eingraviert in die unbeirrbare Kraft, die der Rebbe von seinen Chassidim zu verlangen pflegte, ist das Verlangen, nie einen Juden verloren sein zu lassen, oder eine Mizwa. Sie können nicht gewogen werden – eine Seele, eine Handlung – sie können nicht entlassen werden. Warum sich kümmern? Der Rebbe schien immer gefragt zu haben, wie jemand Jude sein könne, ohne sich zu kümmern.

Finden Sie ein Zentrum in Ihrer Nähe!

von Jonathan Sacks
Rabbiner Prof. Dr. Jonathan Sacks war Oberrabbiner von The United Hebrew Congregations of the Commonwealth.
© Copyright, alle Rechte vorbehalten. Wenn Ihnen dieser Artikel gefallen hat, empfehlen Sie ihn weiter, vorausgesetzt Sie halten sich an unsere Urheberrechtsrichtlinien.
 E-Mail
Diskutieren Sie mit
1000 verbliebene Zeichen
E-Mail schicken wenn neue Kommentare geschrieben wurden sind.
Sortiert nach:
Diskussion (2)
17. Juni 2015
Als jemand der die Bedeutung der jüdischen Tradition bis in ihre Anfänge in etwa einschätzen kann,empfinde ich diesen für mich gelungenen Beitrag,als einen zusätzlichen Aufruf zu den Wurzeln jüdischer G-ttverbundenheit,die unsere Welt zum Guten hin geprägt hat,wie keine
andere sonst.Dies wird zur grossen Not aller,heute,weder in der Mehrheit richtig erkannt und kann von daher schon nicht angemessen gewürdigt werden,noch wird danach gross gesucht oder gefragt,so mein Eindruck.Dies zu befördern und der jüdischen Seele ihre
innere Heimat des traditionellen G-ttesdienstes wiederzubringen,halte ich inzwischen für einen bedeutenden Anschub zur Stabilisierung guter zwischenmenschlicher Werte,die ja dort nachweislich ihre massgeblichen Ursprünge haben.Werte die nicht veraltet sind,sondern uns
alle darin festigen und echte Hoffnung geben,uns doch eines Tages wie Verwandte eines einzigen Planeten friedlich begegnen zu können,um voneinander zu lernen."SHALOM" ist ein weltweit bekannter Begriff,er kommt von dort.Wenn er sich in den Herzen des Judentums
ausbreitet,kann dieses spirituelle Feuer überspringen in den Geist unserer modernen und oft so heillosen Zeit.Jeder Mensch sehnt sich nach einer echten Heimat,in der die Seele sicher aufgehoben und geborgen ist.Das Aufleben dieses Weges halte ich in dieser Hinsicht für eine gute Bewegung.Dies alles richtig in Gang zu bringen erfordert gute und starke Seelen,die vorangehen und es vormachen und es werden viele gebraucht,die es in diesem Sinne kraftvoll weiter voranbringen.Ich wünsche es mir sehr und sehe,dass sich inzwischen einiges Gute tut und sich noch mehr tun wird.Ein geheiligtes Leben aus dem "Schlamm" dieser Welt zu zaubern,ist ein spannendes Unternehmen,was uns echte Lebensfreude wiedergeben kann,indem es unseren gemeinsamen Schöpfer dieser grandiosen Welt,als den EINEN König der Welt,in Demut und Ehrfurcht neu anerkennt.Wer könnte dies besser,als die,von denen das alles zu uns gekommen ist ?
Anonym
20. Juni 2007
Als ich das erste Mal das Chabatzentrum in Dresden betrat, sah ich ein großes Bild des Rebben. Seit dem geht mir dieses Bild nicht mehr aus dem Kopf. Ich kann es nicht erklären, aber es hat irgend etwas mit dem Rebben zu tun, dass ich dahin gegangen bin, obwohl ich weder ihn, noch seine Lehren kannte. Und dann --- bin ich aufgenommen worden, wie von einer Familie, zu der ich schon immer gehörte.
Anonym
Görlitz, Sachsen
chabad-sachsen.de