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Avi's großer Tag

Avi's großer Tag

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von Yisroel Arr

Kürzlich nahm ich an einer aussergewöhnlich berührenden Bar Mizwa teil. Der Bar Mizwa-Junge, Avi, ist nicht der durchschnittliche 13-jährige. Avi leidet unter einer autistischen Störung.

Bis zum Alter von zwei Jahren war Avi so wie alle Kleinkinder, dann begann seine Entwicklung zu stocken. Kurz nach seinem vierten Geburtstag setzte er Worte nur noch ein, wenn er dafür eine passende Phrase in seinem Gedächtnis hatte. Sein Wort für „Auto” war „Okay, gehen wir das Auto waschen”. Sein Wort für „Chanukka” war das Lied „in den Tagen der Makkabäer”. Er legte sein Toiletten- Training ab und verlor so viel Gewicht, dass er zwei Kleidergrößen nach unten rutschte. Von Schmerzen zerrüttet, schrie er oft über Stunden hinweg in grauenhaften Tönen. Seine jüngere Schwester, damals erst zwei, verbrachte viele Stunden damit, ihren älteren Bruder zu halten und zu umarmen, ihn zu trösten.

Seine Eltern, Bruce Semon und Lori Kornblum, suchten verzweifelt nach Wegen, den Verfall ihres Sohnes zu stoppen. Avi war in Behandlung bei einem weltbekannten Sprachtherapeuten, einem Beschäftigungstherapeuten, einem Psychiater und einem Psychologen. Drei Neurologen hatten ihn zahllosen Tests, Untersuchungen und Diagnosen unterzogen. Aber keiner der Experten konnte sagen, was mit diesem Kind geschah.

Mit der Zeit erkannten seine Eltern, dass durch die Eliminierung gewisser Bestandteile seiner Ernährung einige der ärgsten Symptome beseitigt werden konnten. Aber zu diesem Zeitpunkt konnte Avi seine Hände kaum noch bewegen, er litt unter unerträglichen Migränen und hatte seine Sprachfähigkeit gänzlich verloren. Er hatte allen emotionalen Kontakt mit seiner Umgebung verloren, außer mit seiner Mutter, und auch der verebbte langsam. Avis Symptome waren jetzt als Autismus erkannt, und durch viele Experimente und eine ständige Verfeinerung seiner Diät gelang es Bruce und Lori, das Ruder herumzureissen, bevor sie Avi völlig verloren. Er kam zurück, langsam, sehr langsam. In einem Alter, in dem die meisten Burschen ihren Bar Mizwa-Abschnitt lernen, konnte Avi nicht einmal sprechen oder viele seiner Bewegungen kontrollieren. Mit Menschen um ihn kommunizierte er durch das Tippen - ein Buchstabe nach dem anderen - auf seinem speziellen „Kommunikator”.

Ich sah Avi regelmäßig beim Morgengebet am Schabbat in unserer Agudas Achim Chabad-Synagoge. Er ging nun mittlerweile auf seinen 13. Geburtstag zu, und er wollte eine Bar Mizwa. Das war eine echte Herausforderung. Aber für Avi und seine Eltern waren Herausforderungen nichts Neues. Mit der Hingabe seiner Eltern und der Hilfe seines Therapeuten begannen die Bar Mizwa-Vorbereitungen. Und mehr als alles andere, waren es Avis Anstrengungen und Entschlossenheit, die alle Beteiligten durchhalten ließ. Mit einem Rabbiner lernte er stundenlang, die Segenssprüche nach seinem besten Können auszusprechen. Er übte, den Toraschrein zu öffnen und zu schließen. Seine Eltern lasen ihm den Toraabschnitt und die Haftara mit verschiedenen Kommentaren des Midrasch vor. Avis Mutter, gemeinsam mit der Rebbezin und vielen Frauen aus der Gemeinde, arbeitete an einem gesamten Bar Mizwa-Menü - alles aus Produkten, die Avi essen darf.

Schließlich kam der große Tag der Bar Mizwa und Avi wurde zur Tora aufgerufen. Die gesamte Gemeinde war gerührt von den enormen Anstrengungen, die Avi unternahm, um die Segenssprüche vor und nach der Lesung zu sagen und den Toraschrank zu öffnen und zu schließen. Aber der Höhepunkt der Bar Mizwa stand noch bevor, denn Avi hatte - völlig alleine - eine Bar Mizwa-Rede verfasst und geschrieben - also, eigentlich getippt. In mühevoller, stundenlanger Arbeit hatte er seine Rede geschrieben, verbessert, neu geschrieben.

Avi konnte die Rede nicht selbst lesen, aber es gab kein trockenes Auge, als sein Vater auf dem Podium stand und seine Rede den Versammelten vorlas. Als Bruce vollendet hatte, gab es eine lange Stille und dann brach plötzlich donnernder Applaus los.

Unnötig zu erwähnen, dass ich die Bar Mizwa sehr berührt und nachdenklich verließ - ich hatte einen intelligenten, schönen Avi kennengelernt, versteckt hinter dem Avi, den ich bis dahin gesehen hatte. Und übrigens - das Essen war echt gut.

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