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Ajin - Führerschaft

Ajin - Führerschaft

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Rabbi Elazar ben Azarya wurde gefragt, ob er der Nassi einer renommierten Tora-Akademie werden wollte. Nachdem er dies mit seiner Frau besprochen hatte, sagte sie, „Aber du hast kein weißes Haar (d.h., du bist erst achtzehn Jahre alt)! Es ist respektlos, wenn so ein junger Mann eine ganze Akademie leitet.“ Was ist ein Zeichen dafür, dass jemand alt genug ist um respektiert zu werden? Weißes Haar. An diesem Tag ereignete sich ein Wunder, und eine Anzahl von Rabbi Elazar ben Azaryas Barthaaren färbten sich weiß.1

Aus diesem Grund begann Rabbi Elazar ben Azarya seine Rede vor der Akademie, nachdem er ernannt worden war, mit den Worten, „Ich bin wie siebzig Jahre alt“, und nicht „Ich bin siebzig Jahre alt.“

Design

Das Ayin ist der sechzehnte Buchstabe des Aleph-Beis. Nach dem AriSal ist das Ayin ein Waw, welches in einem Nun enthalten ist. Das Nun steht für Demut. Das Waw bezeichnet die Tora, die vom Himmel zur Erde kommt, entsprechend dem inhärenten Design. Waw hat den Zahlenwert sechs. Dies steht für die sechs Ordnungen der Mischna, das mündliche Gesetz. Nur ein Mensch der bescheiden ist, der die Demut des Nuns besitzt, ist es möglich die höhere Ebene des Waw zu erreichen, die „Krone der Tora.“

Wenn wir die Form des Ayins betrachten, so gibt es einen zweiten Aspekt, das Ayin besteht in der Tat aus zwei Augen, die durch ein optisches Chiasma – den Sehnerv, der die Impulse erhält und Sehimpulse interpretiert – verbunden werden. Die beiden Augen, die miteinander verbunden sind, können eindeutig in der Form des Buchstabens erkannt werden.2 Dies ermöglicht uns ein neues Verständnis der Mitzwa des Anlegens von Tefillin: insbesondere der Positionierung der Kopf-Tefillin. In Dwarim heißt es,3 dass es in G’ttes Gebot “zwischen deinen Augen” heißt. Im jüdischen Gesetz deutet zwischen den Augen den Punkt an, der sich gerade oberhalb des Haaransatzes befindet. Tatsächlich ist die korrekte Position der Kopf-Tefillin leicht oberhalb der Haarlinie des weichen Teils des Schädels. Von oben betrachtet, liegt diese weiche Stelle wörtlich im Mittelpunkt zwischen den Augen4 und dem Chiasma. Somit werden die Kopf-Tefillin folglich wirklich zwischen den physischen Augen und dem geistigen Auge, wie es die Tora beschreibt, gelegt.

Alle zweiundzwanzig Buchstaben des Aleph-Beis könnten in kleiner, mittlerer oder einer großen Größe in der Tora geschrieben werden. Die meisten Buchstaben haben eine mittlere Größe, aber es gibt viele Fälle von kleinen und großen Buchstaben. Das erste Wort des Schema wird mit einem großen Ayin geschrieben.

In seinem Kommentar zu den Psalmen erklärt der Tzemach Tzedek,5 dass dieses große Ayin das Gegenstück zum Ayin des Wortes MiYa’ar ist, welches im Psalm 80 erscheint:6 „Der Eber aus dem Wald (MiYa’ar) verwüstet es [den Weinstock Israels], und das Tier auf dem Feld ernährt sich davon.“ Das Ayin des Wortes „Wald“ wird leicht oberhalb der übrigen Buchstaben des Wortes geschrieben. Raschi sagt, dass, wenn die Juden gerecht sind und G’ttes Willen tun, das oberhalb liegende Ayin in das Aleph des Wortes Ya’ar, was „Fluss“ bedeutet, transformiert wird. Ein Eber im Wald ist gefährlich. Er kann Menschen angreifen und ihnen schwere Verletzungen zufügen. Ein Eber kann in einem Fluss nicht bestehen, er kann nicht schwimmen. Er ist harmlos.

Es ist bemerkenswert, dass sich das oberhalb liegende Ayin von MiYa’ar an dem genauen Mittelpunkt des Buches der Psalmen erscheint.7 In der Mitte der Tora steht das Wort Gachon,8 was mit „Schlange“ übersetzt wird. Beide Begrifflichkeiten spielen auf das Böse und das Verhängnis an. Die Kraft der Tora ist es, dass damit der verdienstvolle Jude beide, den Eber des Waldes und die Schlange, Mächte des Bösen „zerreißen“ kann, dies wird noch einmal durch die Platzierung beider Wörter in ihren jeweiligen Büchern verdeutlicht.

Der Maharscha erklärt,9 dass das Ayin von MiYa’ar für das Ayin von Esau und seinen Nachkommen, den Amalekitern steht, welche fortwährend versuchen das jüdische Volk zu vernichten. Es heißt in Chassidus, dass Esau und Amalek und ihre Nachkommen versuchen die leidenschaftliche Suche der Juden nach G’ttlichkeit „abzukühlen.“

Wir betrachten den Vers,10 welcher allgemein mit „[Amalek] schlug jene von ihnen, die zurückblieben“ übersetzt wird. Im Hebräischen bedeutet das Wort, welches hier mit „schlug“ übersetzt wird, tatsächlich „kühlte ab.“ Das Volk von Amalek – gleich ob es außerhalb des jüdischen Volkes existiert oder in uns, in Gestalt der Jetzer HaRa – ist es, welches uns dazu anregt „abzukühlen.“ Esau kannte die Gesetze der Tora wie sein Bruder Jakob. Aber er sagt, „Nimm die Gesetze der Tora nicht so ernst. Du wirst nicht der erste sein, der eine Sünde begeht. Du wirst auch nicht der erste sein, der keine Tefillin legt oder den Schabbat nicht einhält. Kühl dich ab. Es ist nicht so wichtig …“ Darum ist das Ayin des Wortes Schema groß, denn Schema drückt unsere bedingungslose Akzeptanz des g’ttlichen „Jochs“ aus. Und wenn man diese Verpflichtung eingegangen ist, transformiert der Jude das Ayin von Esau und Amalek, welches für Gleichgültigkeit steht, in das Ayin des Schema, welches die Hingabe, die Hinwendung zum G’ttlichen ist.

Gematria

Der numerische Wert des Ayin ist siebzig.
In seiner Eröffnungsrede vor der Akademie sagte Rabbi Elazar ben Azaryah:11 „Ich bin wie ein 70jähriger Mann und es ist mir nie gelungen zu beweisen, dass man das [den Vers über das] Herausgehen aus Ägypten [im dritten Paragraphen des Schema] in der Nacht zu sagen hat, bis ich die Worte von Ben Zoma gefunden habe, der den Vers ‚Erinnere alle Tage deines Lebens an den Auszug aus Ägypten’ wie folgt erklärt: Warum steht im Vers das Wort ‚alle’? Es scheint überflüssig zu sein. Ben Zoma erklärt, ‚Die „Tage deines Lebens“ bedeutet Tag. „Alle“ tritt hinzu und schließt auch die Nacht ein.’ Die Rabbiner fügen zu den Worten von Ben Zoma hinzu, ‚Die „Tage deines Lebens“ beziehen sich auf die Tage in dieser Welt, der Welt in der wir gegenwärtig leben. Alle Tage schließt die Tage des Maschiach mit ein.’“

Nun kommen zwei offensichtliche Fragen auf. Warum ist es bedeutsam, dass Rabbi Elazar ben Azarya sagte, „Ich bin wie siebzig“, als er seine Antrittsrede hielt? Zweitens, warum wählte er für seine erste öffentliche Rede den dritten Abschnitt des Schema?

Siebzig steht für jemanden, der die vollkommene Kontrolle über seine Emotionen besitzt. Wie wir es im Kapitel Kaf dargestellt haben, gibt es sieben allgemeine emotionale Grundzüge. Jede dieser sieben Eigenschaften enthält wiederum zehn Ebenen: drei des Intellekts und sieben emotionale.12 Wenn eine Person alle siebzig Ebenen vervollkommnet hat, dann ist er fähig andere zu führen und zu lehren.

Wenn ein Mensch alle diese siebzig Ebenen verbessert hat, dann ist er fähig andere zu führen und zu lehren. Der Rebbe sagte einmal, „Zuerst musst du ein Herrscher über dich selbst sein, der eigenen Welt in dir. Dann musst du dein familiäres Umfeld im Griff haben. Erst dann kann man sich bemühen ein Führer in der Welt zu sein.“13

Im Alter von siebzig, oder „wie siebzig“, nachdem man die erforderliche Stärke und Vision erworben und diese siebzig Ebenen der Spiritualität erreicht hat, ist man in der Lage ein Nassi in Israel zu sein.

Was ist die Aufgabe eines Führers? Seinem Volk die Erlösung zu bringen. Nun erkennen wir die Brillianz von Rabbi Elazar ben Azaryas Antrittsrede. Es war nicht lediglich eine Rede; es war eine Auftragserklärung,14 wie weiter unten erklärt wird. Etymologisch bedeutet das hebräisches Wort für Ägypten, Mitzrajim, "Zwänge" und "Beschränkungen". Die Aufgabe eines Nassi ist es seinem Volk zu helfen über diese selbst auferlegten oder allgemeinen Beschränkungen hinauszugehen. Dies ist als Ge’ulah – Erlösung – und die Tage des Maschiach bekannt. Es gibt drei Phasen dieser Erlösung:

Die erste Phase ist es, die Passage des „Auszugs aus Ägypten“15 während des Tages zu rezitieren. Dies stellt den Zustand dar, im „Licht zu leben“: wenn die Zeiten gut sind, wenn das jüdische Volk sein Land hat, und es keine Gefahr der Assimilierung oder des Antisemitismus gibt (z.B. den nahezu perfekten Staat, der während der Zeit des ersten heiligen Tempels existierte). Wenn die Dinge gut gehen, ist man verpflichtet noch größere Schritte zu machen: sich in Gebet und Studium zu vertiefen; noch größere Level der Frömmigkeit zu erreichen, indem man anderen hilft; Kommentare zu schreiben und die Lehren der Tora und des Talmuds zu erörtern.

Die zweite Phase ist es, bezüglich ben Zoma, die Passage des „Auszugs aus Ägypten“ zu rezitieren. Da auch während des Exils, auch während der dunkelsten und schwierigsten Stunden, von einem Menschen verlangt wird über die eigenen Grenzen hinauszugehen. Eine Person muss seine Beschränkungen ohne Rücksicht auf seine ökonomische Bedingungen oder seinen sozialen Status überwinden. Der Rambam ist hierfür ein exzellentes Beispiel. Als erstes floh er aus dem Spanien der Almohaden nach Marokko, und danach zog er nach Ägypten, dem Land der „Zwänge und Beschränkungen.“ Was tat der Rambam dort in dieser für Juden dunklen und feindlichen Umgebung? Er schrieb sein bedeutendstes Werk, Mischne Tora, der einzige Text in der Geschichte, der die ganze Tora kodifizierte. Der Rambam überstieg seine Grenzen nicht nur, er transformierte sie.

Schließlich sagen die Rabbiner, dass wir in dieser Welt, auch vor der letztendlichen Offenbarung des Maschiach, die Wirklichkeit der Erlösung in uns einbringen müssen. Wir müssen in unserem Leben als Juden an unsere Grenzen gehen. Wir müssen bedingungslos über unsere Grenzen hinausgehen, seien sie nun materielle Beschränkungen oder durch Zweifel oder Furcht begründet. Ein Führer motiviert seine Anhänger dies zu tun. Der Führer in jedem von uns kann unsere eigene, persönliche Erlösung bewirken.

Bedeutung

Ayin bedeutet Augen, wie es heißt:16 “Und deine Augen, Eineicha, sollen deinen Lehrer (d.h., G’tt) sehen.” In einem anderen Vers heißt es: “Und der Ruhm G’ttes soll gezeigt werden und alles Fleisch soll zusammen sehen, dass der Mund G’ttes spricht.”17 Nur jemand der “wie siebzig” ist – jemand der jedes der sieben emotionalen Attribute vervollkommnet hat, wie oben erklärt – kann dieses Level, das Sehen der G’ttlichkeit in dieser Welt, erreichen. Mit diesem besonderen Einblick kann man das Volk zur Erlösung führen.

Zudem steht das Ayin für Hilfe, Eizer. Rabbi Elazar ben Azaryas Name legt eine besondere Hilfe von G’tt nahe. Elazar (in hebräisch, E-l Eizer) bedeutet „G’tt ist [meine] Hilfe.“ Azarya bedeutet „[Meine] Hilfe ist G’tt.“ Dies erklärt Rabbi Elazar ben Azaryas Erklärung, „Ich bin wie siebzig Jahre alt.“ Da G’tt seine Hilfe war, hatte Rabbi Elazar ben Azarya all die für die Führerschaft erforderlichen Qualitäten erworben. Aus diesem Grund wurde er in so jungen Jahren mit der Führerschaft betraut.

Dies ist dann die Bedeutung ein Führer zu sein: die Erlösung zu visualisieren und diese Nachricht an andere zu übermitteln. Als solcher wandelt man das Ayin von MiYa’ar in das Ayin des Schema um – wo man „[seine] Augen erheben und G’tt sehen“ kann.18

Fußnoten
1.
Berachos 28a.
2.
The Wisdom in the Hebrew Alphabet, op. cit., S. 173.
3.
6:8.
4.
Die Augen sind nicht der eigentliche Standort des Sehvermögens, sondern sie gleichen Fenstern, durch die Licht einfällt.
5.
Siehe Fußnote 1 zu Lamed.
6.
V. 14.
7.
Kidduschin 30a.
8.
Leviticus 11:41.
9.
Kidduschin 30a.
10.
Dwarim 25:18.
11.
Pesach Haggada, der dritte Abschnitt nach den „vier Fragen.“
12.
Die Welt der Kabbala ist eine komplexe, interaktive Matrix: die zehn Eigenschaften, oder Sefirot, haben unterschiedliche Funktionen, bestehen aber mit den anderen Eigenschaften und sind mit ihnen verbunden. Um ein Beispiel im Körper anzuführen: wie die Nieren ein separates Organ sind, sind ihre Funktion und Wirksamkeit von den sie umgebenden inneren Organen abhängig.
13.
Siehe Sichas Jud Schwat, 5735.
14.
D.h., „als dein Führer, werde ich dir Erlösung bringen.“
15.
Im dritten Abschnitt des Schema.
16.
Jeschajahu 30:20.
17.
Ebenda, 40:5.
18.
Chassidus erklärt uns, dass das Wort Schema, ein Akronym für S’u marom eineichem, „erhebe deine Augen und sie G’tt“ (Siehe HaJom Jom zum 19. MarCheschwan).
von Aaron Leib Raskin
Rabbiner Aaron Leib Raskin wurde in Brooklyn, New York geboren. Er besuchte die Vereinigten Lubawitscher Jeschiwa und studierte am rabbinischen College of America in Morristown, NJ 1986. Als Chabad-Lubawistch Abgesandter, half Rabbi Raskin der Gemeinde B'nai Avraham in Brooklyn Heights sich im Jahr 1988 zu gründen, wo er als geistiger Führer arbeitete. Seine wöchentlichen Lesungen werden von Richtern, Anwälten, Ärzten und Menschen aus ganz New York gut besucht. Er ist Autor eines breiten Spektrums jüdischer Themen, von denen er mehr als 180 Audio-Kassetten aufnahm.
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