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Kaf - Königtum

Kaf - Königtum

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Ein König reiste einmal durch einen großen Wald. Er drang so tief in den Wald ein, dass er den Weg verlor und nicht nach Hause fand. Tief im Wald traf er einfache Bauern und fragte sie nach dem Weg aus dem Wald, aber es war ihnen nicht möglich ihm zu helfen, da sie noch nie von dem großen Weg gehört hatten, der zum königlichen Palast führte.

Dann fand der König einen weisen Mann und bat ihn um Hilfe. Der Weise erkannte sofort, dass er den König vor sich hatte und sein Herz war berührt. In seiner Weisheit führte er den König sogleich zu dem richtigen Weg, führte ihn zu seinem königlichen Palast und half ihm so lange, bis der König seine wahre Ehre wiederhergestellt hatte und wieder auf seinem Thron saß. Der Retter fand in den Augen des Königs Gunst und Wohlwollen.

Die Zeit verging und der weise Mann handelte unangemessen, was den König verärgerte. Der König ordnete an, dass er angeklagt werden solle, da er gegen das königliche Gesetz verstoßen habe. Der Mann wusste, dass dies sehr schwerwiegende Konsequenzen haben konnte. In großer Sorge fiel er vor dem König auf die Knie und drang darauf, dass ihm eine Bitte gewährt würde: vor dem Verfahren und dem anschließenden Urteil wollte er die gleiche Kleidung anziehen, welche er trug, als er dem König im Wald begegnete und der König seinerseits sollte ebenfalls die gleiche Kleidung anlegen, welche er damals getragen hatte.

Der König stimmte der Bitte zu. Als die Begegnung im Wald durch die Originalkleidung, wieder lebendig wurde, erinnerte sich der König wieder an die Rettung seines Lebens durch den weisen Mann. Großes Erbarmen erfüllte das königliche Herz, da er sich erinnerte, wie er wieder in sein königliches Amt / Thron eingeführt wurde. Mit Erbarmen und Mitleid verzieh der König großmütig seinem Retter und setzte ihn wieder in Rang und Würde ein.

Diese Geschichte, welche durch Reb Levi Jitzchak von Berditschew erzählt wurde,1 ist eine Analogie der Beziehung zwischen G’tt und dem jüdischen Volk. Vor der großen Offenbarung am Sinai ging G’tt von Volk zu Volk und bot jedem die Tora an, aber diese lehnten sie ab. Wir, das jüdische Volk, akzeptierten die Tora mit Glück und Freude, bestätigten „Wir werden tun und wir werden hören“,2 und dies noch bevor wir deren spezifische Lehren vernommen hatten. Wir erklärten unsere Loyalität gegenüber G’tt, „akzeptierten das Joch des himmlischen Königreiches“, proklamierten G’ttes Herrschaft als König über uns, und bestätigten, dass wir Seine Gebote erfüllen und zu Seiner heiligen Tora stehen würden.

Durch unsere Geschichte hindurch hat das jüdische Volk gesündigt und gegen G’tt rebelliert … und zu jedem Rosch HaSchana blasen wir das Schofar, in Erinnerung an das Schofar, welches am Berg Sinai geblasen wurde, als wir die Tora erhielten. Dies erinnert uns an unser Versprechen uns der Herrschaft G’ttes unterzuordnen und erweckt unsere Gedanken der Umkehr. Durch das Blasen des Schofars erinnert uns G’tt an unsere Annahme der Tora, als wir Ihn zu unserem König machten. Darum vergibt er uns unsere Sünden und schreibt uns für ein gutes Leben in das Buch des Lebens ein, etc.3 Das Kaf steht für Kesser, die Krone des Königs. Es erinnert uns daran, dass unsere Intention, in der Ausübung der Mitzwot, mit dem g’ttlichen Willen in Verbindung steht.4

Design

Der elfte Buchstabe des Aleph-Beis ist das Kaf.5 Die Form des Kaf kann vielleicht als eine Pfeife beschrieben werden, welche an zwei Punkten fixiert wurde. Das Konzept des sich selbst Bindens / Festlegens, steht für die Unterwerfung unter eine größere Kraft und Wesen – den König der Könige, den allm-chtigen G’tt.

Gematria

Die Gematria von Kaf ist zwanzig. Zwanzig kann in zweimal zehn geteilt werden. Die erste zehn steht für die zehn Aussprüche, mit denen die Welt erschaffen wurde. Die zweite zehn steht für die zehn Gebote.6 Zusammen werden sie zu Kaf. In Bamidbar7 wird gesagt: „Zehn-zehn ist das Kaf.“8

Wenn du die Gematria des Wortes Esrim (das Wort „zwanzig“ in Hebräisch) nimmst, erhältst du 620: Ayin=70, Schin=300, Reisch=200, Jud=10, Mem=40. 620 ist auch die Gematria des Wortes Kesser: Kaf=20, Tav=400, Reisch=200. Kesser bedeutet Krone, die Zierde auf dem Kopf des Königs. Kesser erinnert uns auch an die 620 Buchstaben in den zehn Geboten. G’tt krönte das jüdische Volk, indem er ihm die Tora gab. Und es wurde zur jüdischen Raison d’être den 613 Geboten und den 7 rabbinischen Gesetzen zu folgen9 – zusammen also 620. Weiterhin ist bemerkenswert, dass der erste Buchstabe von Kesser Kaf ist.10

In der Kabbala steht die Sefira von Kesser für eine Stufe jenseits des Intellekts. Die Krone ziert das Haupt. In unserem Kopf befindet sich das Gehirn, der Ort des Intellekts und des Denkens. Aber die Krone befindet sich auf dem Kopf, jenseits des Denkens. Was kann größer als der Intellekt sein? Der Wunsch. Im Hebräischen wird dies Ratzon genannt. Der Wunsch ist eine mächtige Kraft, sie lädt uns ein Möglichkeiten zu entdecken, welche eine rationale Betrachtung als falsch oder schwierig angesehen hätte. Zum Beispiel möchtest du in einem bestimmten Tätigkeitsfeld erfolgreich werden. Obwohl du in der Schule nicht erfolgreich warst, kannst du darauf beharren und erfolgreich sein, wenn du den Willen und den Wunsch hast. Warum? Weil du es möchtest. Die Kraft, die Krone, des Wunsches ist so mächtig, dass sie die Fähigkeit besitzt über deinen Intellekt hinauszugehen und ihn zu transformieren.

Es gibt ein weiteres Konzept, welches den Wunsch übersteigt, und dies ist Vergnügen (Tainug). Wenn ein Mensch sich an etwas erfreut, so wird er sich automatisch darauf fokussieren. Als ein Ergebnis wird er seinen Intellekt einsetzen und eine Strategie entwickeln um daran teilzuhaben. Darum lehrt uns Kesser, welches für den Buchstaben Kaf – zwanzig – steht, dass es in der Krone zwei Ebenen gibt: Wunsch und Vergnügen, und diese enthalten zehn weitere Punkte. Diese Punkte sind auch als die zehn heiligen Sefirot bekannt,11 die zehn Bausteine der Schöpfung. Drei der zehn Sefirot befinden sich in der Welt des Intellekts – Weisheit, Verständnis und Wissen – und sieben beziehen sich auf Emotionen. Die zwei Ebenen der Krone des Kaf – Vergnügen und Wunsch – umfassen beide die intellektuellen Ebenen und emotionalen Ebenen.

Im Talmud heißt es,12 dass die Krone der Tora die Halacha ist. Warum ist es ausgerechnet das Gesetz (d.h., die Dinge, die wir tun sollen oder eben nicht tun sollen), welches als Krone der Tora angesehen wird? Um die Antwort zu erkennen, betrachten wir den Grund, aus dem G’tt uns die Tora gegeben hat. Wir bekamen die Tora nicht, damit wir einige nette Geschichten hatten, um uns dadurch zu unterhalten, unseren Kindern „Gute-Nacht-Geschichten“ vorzulesen oder sie in einem Literaturzirkel zu analysieren. Im Gegenteil, das Ziel der Tora ist, dass wir uns Seinem Gesetz gemäß verhalten, d.h., dass wir G’ttes Wunsch erfüllen und Ihm dadurch Freude bereiten.

Darum heißt es im Talmud: „Groß ist das Studium der Tora, wenn es zur Tat führt.“13 Wie die Krone, so ist es auch das ultimative Ziel der Tora über den Verstand hinaus zu gehen, und uns dazu zu bringen G’tt entsprechend zu handeln, um uns auf diese Weise als Volk zu verbessern und G’ttes Ziel in der Schöpfung zu vollenden.

Bedeutung

Eine der Bedeutungen des Buchstaben Kaf ist “Löffel.” Die Wurzel des Wortes „Löffel“ ist Kafaf – beugen. Wie wir es zuvor angesprochen hatten, ist Kaf ein Buchstabe der gebeugt ist. Er steht für den Aspekt der eigenen Unterordnung unter eine größere Kraft.

Diese Vorstellung von Unterordnung – und Demut – wird uns deutlicher bei der Betrachtung der Unterschiede zwischen den Worten Anochi und Ani. Beides bedeutet „Ich.“ Wenn ein Mensch jeden Tag nur sagt, “Ich, Ich, Ich”, hat er ein Problem mit Egoismus. Wie überwinden wir diese Selbstüberhöhung? Durch das Hinzufügen des Kaf zu Ani, dem Ich, transformieren wir es zu Anochi. Wenn das „Ich“ sich G’tt unterordnet, wenn es sich verbindet mit einer höheren Kraft und sie anerkennt, ist es nicht länger das egoistische Ich. Vielmehr ist Anochi das „Ich“, welches als eine Verbindung zu dem g’ttlichen Willen dient.14 Eigentlich gibt es aber zwei Kafs. Es gibt das gebeugte Kaf und das gerade, oder abschließende, Kaf. Was ist der Unterschied?

Wir erklärten zuvor, dass Kesser, die Krone des Königs, aus zwei Ebenen besteht: Vergnügen und Wunsch. Sie werden ebenfalls in der Form beschrieben, dass sie für die inneren und äußeren Seiten des Königs stehen. In diesem Fall bezieht sich das Innere auf die königliche Beziehung zu sich selbst, wohingegen das Äußere die Beziehungen zur Welt, zum Königreich, bezeichnet. Bezüglich der inneren Seiten des Königs – er muss nicht notwendigerweise König sein, verbunden mit den unablässigen Anforderungen seiner Stellung. Er möchte innerhalb der Grenzen seines eigenen Willens, der inneren Welt des Studiums, der Gelehrsamkeit, der Spiritualität und der Familie leben. Dies ist die Bedeutung der Passage15 “Von seinen Schulter an war er höher, als der Rest seines Volkes”, dies bedeutet, zurückgezogen von seinem Volk.

Die königliche Krone erfordert ebenfalls das gerade Kaf, welches sich entfaltet, um seine Untertanen zu erreichen; die äußere Ebene des königlichen Daseins. Es erfordert zu interagieren, seinem Königreich gegenüber verantwortlich und wohlwollend zu sein.

Das gebeugte Kaf steht deshalb für den introvertierten oder umgekehrten König – der sich in seiner abgeschiedenen, verinnerlichten Welt aufhält. Das gerade Kaf (ähnlich dem Waw) steht für den König, der von seiner hohen Ebene herabsteigt, um mit seinem Volk zu kommunizieren und es zu regieren.

Interessant ist, dass, wenn wir das gerade Kaf als Suffix zu einem Wort hinzufügen, sich die Bedeutung des Wortes verändert. Wie es heißt:16 „Ich will dich erheben mein G’tt, der König.“ Wenn man einen Mensch direkt anspricht heißt es beispielsweise: Lecha oder Becha geschrieben mit einem geraden Kaf: Das Kaf Sofit entfaltet sich somit wörtlich, um den Menschen einzuschließen, mit dem wir sprechen. Es steht dafür, dass uns der König erschienen ist und es uns möglich ist mit ihm von Angesicht zu Angesicht zu kommunizieren.

Der Buchstabe Kaf. Sich unterzuordnen. Sich der Krone zu unterwerfen – dem König, G’tt, dem Herrscher des Universums.

Fußnoten
1.
(1740-1809). Ein Anhänger des Maggid von Mesritsch und ein Zeitgenosse des Alter Rebbe. Siehe Keduschas Levi, Diskurs zu Rosch HaSchana, S. 96. Siehe ebenfalls Likkutei Sichos, Bd. 34, S. 184.
2.
Schmot 24:7.
3.
Tanja, Kap. 4.
4.
Ebenda., Iggeret HaKodesch, Brief 29.
5.
Das Kaf wird manchmal als Chaf betont, dies hängt hauptsächlich davon ab, an welcher Stelle im Wort sich der Buchstabe befindet.
6.
Sohar III, 11b.
7.
7:86.
8.
Wörtlich “je zehn [Schekel] wiegend.”
9.
Die sieben Gesetze des rabbinischen Gesetzes sind: das Entzünden von Schabbat- und Feiertagskerzen, das Lesen der Megilla zu Purim, das Entzünden der Channuka-Kerzen, das Waschen der Hände vor dem Essen von Brot, die Segensprüche vor dem Essen, der Eruv, und das Rezitieren des Hallel an den Feiertagen.
10.
Schabbat 104a.
11.
Tanja, Kap. 3, 5; Iggeret HaKodesch, Brief 15.
12.
Megilla 28b. Siehe ebenfalls Tanja, Iggeret HaKodesch, Brief 29.
13.
Kidduschin 40b.
14.
Sefer HaMaamarim 5703, S. 197.
15.
I Samuel 9:2.
16.
Psalm 145:1.
von Aaron Leib Raskin
Rabbiner Aaron Leib Raskin wurde in Brooklyn, New York geboren. Er besuchte die Vereinigten Lubawitscher Jeschiwa und studierte am rabbinischen College of America in Morristown, NJ 1986. Als Chabad-Lubawistch Abgesandter, half Rabbi Raskin der Gemeinde B'nai Avraham in Brooklyn Heights sich im Jahr 1988 zu gründen, wo er als geistiger Führer arbeitete. Seine wöchentlichen Lesungen werden von Richtern, Anwälten, Ärzten und Menschen aus ganz New York gut besucht. Er ist Autor eines breiten Spektrums jüdischer Themen, von denen er mehr als 180 Audio-Kassetten aufnahm.
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