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Dalet - Pessach

Dalet - Pessach

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Ein junges Mädchen wurde in ein jüdisches Heim geboren, wo man die Mitzwot einhielt. Eine überzeugte Gläubige. Sie wacht eines Morgens auf und entscheidet sich plötzlich, dass sie kennen lernen möchte. So erforscht sie verschiedene Kulte und Glauben, und beginnt über die Ideen mehr zu lernen. Ihr Vater ist verblüfft. In der Nähe gibt es einen Rabbi, einen Schaliach des Rebbe. Der Vater fragt ihn um Rat. Der Schaliach antwortet: Wie werden dem Rebbe schreiben – da der Rebbe für seine prophetischen Visionen und seine Liebe für jeden einzelnen Juden bekannt ist – und wir werden sehen, was er uns sagen wird. So verfassten die beiden einen Brief an den Rebbe und der Rebbe antwortete, „Überprüfe deine Mesusas.“ Der Vater und der Schaliach gingen dazu über die Mesusot des Hauses zu überprüfen. Der Vater ist ein sehr reicher Mann. Er ist das Gimmel, der Gebende. Sie bringen die Mesusot zu einem Sofer, damit dieser sie eingehend untersuchen konnte – aber alle sind in Ordnung. Jede einzelne ist perfekt. Zeit geht ins Land und das Mädchen taucht immer tiefer in fremde Glauben ein. Wieder schrieben der Vater und der Schaliach an den Rebbe: „Was sollen wir tun?“ Der Rebbe antwortete ein zweites Mal, „Überprüfe deine Mesusot.“ So entfernten die Männer die Mesusot ein zweites Mal und überprüften sie gründlichst, aber wiederum waren sie fehlerlos. Aber wenn der Rebbe sagt, „Überprüfe deine Mesusot,“ was sollten sie tun?

Eines Tages geht der Schaliach mit dem Vater über dessen wundervollen Besitz, in etwa drei Hektar. Am Ende des Feldes bemerkte der Rabbiner eine kleine Hütte. Er fragt, „Gehört euch diese?“ Der Vater antwortete, dass sie zu seinem Besitz zähle. „Hat sie eine Mesusa?“ „Ja, wir haben eine vor einigen Jahren angebracht.“ So überprüften die beiden die Mesusa an der Tür der Hütte und, im Einer,ersten Vers des Schema, wo geschrieben ist, ist das Dalet beschädigt und es ist andere, zu lesen. Sie tauschen unverzüglich, die Mesusa aus und am kommenden Morgen wacht die Tochter weinend auf. „Vater, entschuldige. Ich wusste nicht, was mit mir passierte. Ich wusste nicht, was in mich gefahren ist. Aber ich möchte zurückkommen. Ich möchte zum Judentum zurückkommen.“

Design

Das Dalet ist der vierte Buchstabe des Aleph-Beis. Der Talmud1 sagt uns, dass das Dalet die bedürftige Person repräsentiert. Folglich die Phrase Gomel Dalim: der Wohltäter, der demjenigen gibt, der die Wohltat empfängt.

Der Talmud2 sagt uns ebenfalls, dass, wenn wir die Form des Dalets betrachten, ein einzelner Strich weist auf die rechte Seite – in Richtung des Gimmel. Die lehrte die bedürftige Person, dass sie in den Zustand kommen muss, die Wohltätigkeit des Gebenden zu erhalten. Ähnlich,3 die geringe Ausdehnung des horizontalen Striches, auf der rechten Seite, gleicht einem Ohr, da der Bedürftige immer auf die Gegenwart des wohlhabenden Mannes achten muss. Die linke Seite des Striches steht dem Gimmel, dem Geber, nicht entgegen, sondern richtet sich nach links, zum Buchstaben Hei, der G’tt repräsentiert. Dies weist uns an, dass wir Wohltätigkeit nicht öffentlich üben sollten und die bedürftige Person nicht in Verlegenheit bringen sollen. Der Bedürftige muss auf G’tt vertrauen, Der der absolute Wohltäter des Universums ist.

Die Mischna4 sagt uns, dass es im Heiligen Tempel einen Raum gab, der „die stille Kammer“ genannt wurde. Man betrat den Raum allein und schloss die Tür unmittelbar hinter sich. In dem Raum gab es ein großes Behältnis. Man hatte die Wahl: entweder man gab Geld in dieses Behältnis oder man nahm etwas heraus. Natürlich würde der reiche Mann etwas hineinlegen. Und nach ihm, ebenfalls allein, würde der Bedürftige kommen, und Geld herausnehmen. Alles wurde im Geheimen getan. Der reiche Mann konnte nicht sehen, wem gegenüber er wohltätig war. Der Arme Mensch konnte nicht sehen, von wem er empfing.

Eine weitere Möglichkeit, hinsichtlich der Form des Dalets, ist, dass das Dalet einen Türpfosten oder eine Oberschwelle darstellt.5 Die vertikale Linie ist der Türpfosten; die horizontale Linie die Oberschwelle. Was ist die Verbindung zwischen einer Tür und einem armen Mann? Üblicherweise muss ein bedürftiger Mensch an Türen klopfen.

In den Lehren von Chassidus gibt es auch eine dritte Interpretationsmöglichkeit.6 Dies Sicht weist darauf hin, dass sich das Dalet aus einem Resch und einem Jud zusammensetzt. Was ist der und einem Unterschied zwischen einem Dalet ein Jud. Wenn man ein Jud an der Resch rechten oberen Ecke des Resch anbringt, so wird aus dem Resch ein Dalet. Das Jud, ein sehr kleiner Buchstabe, steht für Demut und Bescheidenheit. Diese Demut ist es, die das Resch von dem Dalet unterscheidet. Die Mesusa an unseren Türpfosten enthält den berühmten Abschnitt des Gebetes, welches als Schema bekannt ist. Im Schema sagen wir, „Höre Israel, der Ew’ge ist unser G’tt, der Ew’ge ist Einer.“ Das Word Echad, Einer, wie in „des Ew’ge ist Einer“, wird mit den Buchstaben Was passiert Aleph. Ches, Dalet geschrieben wenn das Jud von dem Dalet genommen wird und es ein Resch wird? Das Wort ist nicht länger Echad, andere. Wenn solch ein, sondern Acher Fehler geschehen würde, so würde die Übersetzung wie folgt lauten, „Höre Israel, der Ew’ge ist unser G’tt, der Ew’ge ist anderer (d.h., andere Götter).“ Der Aspekt des Jud, der Demut, in dem Glauben an die g’ttliche Einheit, ist so problematisch, dass seine Nichtbeachtung dazu führen kann, G’tt abzulehnen, was G’tt verhüten möge, und an die Existenz anderer allmächtiger Kräfte im Universum zu glauben. Der Midrasch7 sagt uns, dass, wenn man das Resch anstelle des Dalets setzt, man alle Welten zerstört.

Gematria

Die Gematria von Dalet ist vier. Vier steht für unsere Mütter: Sara, Rebekka, Rachel und Leah. Es steht ebenfalls für die vier Welten, wie in der Kabbalah dargelegt: Atzilut, Beria, Jetzira and Asija. Zusätzlich verweist Dalet auch auf die vier grundlegenden Elemente der Schöpfung: Feuer (Energie), Luft (Gas), Wasser (Flüssigkeit) und Erde (feste Stoffe). Vier stehet ebenfalls für das Pesach-Fest: die vier Becher Wein, die vier Kinder, die vier Fragen.

Aus welchem Grund werden die vier Becher Wein zu Pesach getrunken?

Es gibt vier Aussprüche der Erlösung in der Tora. Als G’tt die Juden aus Ägypten herausbrachte, sagte Er: „Ich werde euch herausführen“; „Ich werde euch erretten“; „Ich werde euch erlösen“; und schließlich „Ich werde euch Mir als Volk erwählen.“8 Die ersten drei Aussprüche beziehen sich darauf, dass G’tt selbst das jüdische Volk aus Ägypten brachte. Die Juden blieben passiv. Aber der vierte – G’ttes Volk zu werden – erfordert sowohl die persönliche als auch die gemeinschaftliche Aktivität seitens des jüdischen Volkes.

Was bedeutet es G’ttes Volk zu werden und wie bereiten wir uns darauf vor? Indem wir uns reinigen. Der Sohar9 sagt uns, dass das jüdische Volk, zur Zeit des Auszugs, auf der 49. Stufe der Unreinheit gewesen ist. Wären sie auch nur einen Moment länger in Ägypten geblieben, so wären sie auf die 50. und damit niedrigste Stufe zurückgefallen und wären für immer verloren gewesen. Es war nicht auf Grund ihrer Verdienste oder ihrer Güte, dass sie es verdienten erlöst zu werden. Im Gegenteil, es war G’ttes Güte zu verdanken: „Ich werde euch herausführen“, „Ich werde euch erretten“, „Ich werde euch erlösen.“ Aber wie erlöste G’tt schließlich das jüdische Volk? Indem er es zu Seinem Volk machte und ihm Seine Tora gab. Dieser vierte Begriff der Erlösung erschien nicht bis Matan Tora, als G’tt die Tora dem jüdischen Volk gab. Matan Tora fand 49 Tage, nachdem die Juden Ägypten verlassen hatten, statt. Wir bereiteten uns 49 Tage darauf vor, Sein Volk zu sein. Die ersten drei Stufen der Erlösung waren wir passiv und verdienten es nicht. Auf der vierten Stufe waren wir bereit zu erhalten.

Der Unterschied zwischen den ersten drei und dem vierten Ausspruch ist gekennzeichnet durch den Unterschied zwischen Matza und Wein.10 Matza ist ein Nahrungsmittel, welches keinen Geschmack hat. Entsprechend der Halacha wird die Matza, für die Pesach-Seder, einfach durch die Verbindung von Mehl und Wasser hergestellt – sie wird „das Brot des armen Mannes“ genannt. Als das jüdische Volk aus Ägypten herausgeführt wurde, waren wir im Status der spirituellen Armut, die die Erlösung nicht verdienten. Wir waren gleich den Matzot, ohne Geschmack. Aber in den darauf folgenden Tagen arbeiteten wir an uns. Wir begannen zu verstehen was Judentum ist. Wir überwanden die 49 Stufen der Unreinheit und erklommen 49 Stufen des Verständnisses. Wir erkannten G’tt. Als wir begannen zu verstehen, was das Judentum verkörperte, als wir verstanden, was es bedeutete G’ttes Volk zu sein, wurden wir glücklich. Aus diesem Grund trinken wir Wein, deswegen heißt es,11 „Es gibt kein Lied ohne Wein.“ Wir trinken Wein, so dass wir unsere Erlösung aus Ägypten vollkommen erkennen und mit großer Freude G’ttes Lob singen.

Matza repräsentiert die ersten drei Aussprüche – G’ttes Intervention zu Gunsten des jüdischen Volkes, als sie in diesem spezifischen Zustand, passiv, waren. Die vier Gläser Wein repräsentieren den vierten Ausspruch – die Volkwerdung, die aktive Rolle und die Verpflichtung der Juden.

Es gibt noch einen anderen Weg zwischen den drei Matzot und den vier Bechern Wein zu unterscheiden. Drei repräsentiert das Potential; vier repräsentiert die Entwicklung des Potentials.

Bei der Befreiung der Juden aus Ägypten repräsentierte G’tt drei: Er brachte Sein Potential in das jüdische Volk, mit den drei Aussprüchen der Erlösung, ein. Vier repräsentiert das jüdische Volk, das den Prozess vervollständigte.

Potential (drei) kann ebenfalls durch den Vater repräsentiert werden, den Investor des Potentials, mit demjenigen, der es entwickelt (vier), repräsentiert durch die Mutter.

Wir können nun verstehen, warum es drei Väter und vier Mütter gibt. Der Vater (der Investor des Potentials) stellt den Samen zur Verfügung, und die Mutter (die Entwicklerin) nimmt ihn und verbessert ihn. Der Vater ist der biologische Unterstützer, deswegen steht er für die drei. Die drei Patriarchen sind das Gimmel, der Geber, der dritte Buchstabe des Aleph-Beis. Die Mütter, die Empfänger, werden durch das Dalet repräsentiert. Wenn das Potential realisiert wurde (d.h., das Kind wurde geboren), kann man sich erfreuen. Das Symbol der Freude ist der Wein, repräsentiert durch die vier und dadurch mit den vier Müttern in Verbindung stehend.

So empfängt die Mutter nicht nur den Samen, sondern sie verbessert ihn. In praktischer Hinsicht bedeutet dies, man muss zuerst den Kern einer Idee erkennen, bevor man sie ausführlich erörtern kann. Während der Pesach-Seder erkennen wir die Tatsache, dass g’tt uns aus Ägypten führte. Wir danken G’tt durch das trinken der vier Becher Wein, das Stellen der vier Fragen, und das sprechen über die vier Kinder. Mit der vier verstehen wir, dass all dies geschehen ist, um uns zu diesem Tag zu bringen – einschließlich unserer eigenen Teilnahme in der Hinsicht, zu einer neuen Stufe zu gelangen. Aber um für den G’ttlichen Anteil, das Herausführen aus Ägypten, essen wir drei Matzot. Denn für den Zeitpunkt, als G’tt uns herausführte, lag die Zukunft des jüdischen Volkes allein im Potential. Wir waren im Status der Matza; untätige Gefäße in einem Status spiritueller Armut. Durch unsere Taten brachten wir die drei zu vier – das Potential zu seiner Verwirklichung.

Bedeutung

Die Bedeutung von Dalet ist Delet, eine „Tür.“ Es bedeutet ebenfalls Dal, eine bedürftige Person. Schließlich steht das Wort Dalet für Dilisoni, welches „erhebe mich“ bedeutet. Wie passen nun diese Bedeutungen zueinander? Man kann dies verstehen, wenn sich jeder Mensch verdeutlicht, dass er oder sie arm ist. Diese Armut verlangt nicht notwendigerweise einen Zustand finanzieller Bedürfnisse. Vielmehr bedeutet es, dass alles was eine Person „besitzt“ in Wirklichkeit G’tt gehört. G’tt ist so großzügig uns Leben zu geben. G’tt ist so großzügig uns Nahrung zu geben. Ohne G’tt besitzen wir nichts. Das Wissen darum ist die Tür in G’ttes Kammer. Und wenn wir die Kammer betreten, wir G’tt uns erheben - Dilisoni – uns mit Leben, Gesundheit, Nahrung und Erfolg segnen. Im 30. Psalm sagt uns König David, „Ich lobe G’tt, weil er mich erhebt (Dili-soni).“ Wenn wir dieses Lob umkehren, könnten wir sagen Dilisoni – „Weil G’tt mich erhebt, lobe ich ihn.“ In diesem Ausdruck, G’tt erhebt mich, indem er mir bestimmte Fähigkeiten verleiht um produktiv zu sein. Dies ermöglicht es mir Ihn von einer höheren Stufe zu loben.

Fußnoten
1.
Schabbat 104a.
2.
Ebenda.
3.
The Wisdom in the Hebrew Alphabet, op. cit., S. 80.
4.
Schekalim 5:6.
5.
The Wisdom in the Hebrew Alphabet, op. cit., S. 78, die den Maharal zitiert.
6.
Basi LeGani 5710, Kap. 6, Kehot 1990. S. 28ff. (englische Ausgabe).
7.
Wajikra Rabba 19:2.
8.
Schmot 6:6-8.
9.
Sohar Chadasch, Der Beginn von Jitro. Ebenfalls Zror HaMor, Bo 12:40.
10.
Likkutei Sichos, Bd. 26, S. 44ff. Siehe ebenfalls Gevuros HaSchem des Maharal, Kap. 60.
11.
Berachos 35a.
von Aaron Leib Raskin
Rabbiner Aaron Leib Raskin wurde in Brooklyn, New York geboren. Er besuchte die Vereinigten Lubawitscher Jeschiwa und studierte am rabbinischen College of America in Morristown, NJ 1986. Als Chabad-Lubawistch Abgesandter, half Rabbi Raskin der Gemeinde B'nai Avraham in Brooklyn Heights sich im Jahr 1988 zu gründen, wo er als geistiger Führer arbeitete. Seine wöchentlichen Lesungen werden von Richtern, Anwälten, Ärzten und Menschen aus ganz New York gut besucht. Er ist Autor eines breiten Spektrums jüdischer Themen, von denen er mehr als 180 Audio-Kassetten aufnahm.
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