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Gimmel - Wohltätigkeit

Gimmel - Wohltätigkeit

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Der Großvater meiner Mutter, väterlicherseits, Hersch-Meilech Hecht, erreichte 1880 die Küsten Amerikas.

Eines Tages, als Hersch-Meilech im Beis Midrasch von Schiniwa Raw, Rabbi Jecheskel Halberstam, war, nahm der Raw eine Puschka in seine Hand und sagte ihm: „Reise nach Amerika und werde ein ‚fund-raiser’.“1 Etwas später sandte Hersch-Melech seiner Frau, Ita Dreizel, eine Nachricht, nach Amerika zu kommen. Sie ging zu dem Schiniwa Raw um dessen Rat einzuholen. Die Antwort des Raw war: „Wenn dein Ehemann dich darum bittet nach Amerika zu kommen, so solltest du gehen.“ Sie begann zu weinen, „Wie kann jemand in Amerika G’ttesfürchtige Kinder erziehen? Es ist ein treifa medina (ein nicht-koscheres Land).“ Der Raw segnete sie und sagte, „Gehe in Frieden. Ich garantiere dir, dass du Generationen von G’ttesfürchtigen Juden sehen wirst, welche die Heilige Tora lernen und den Wegen G’ttes folgen.“

Zusätzlich zu dem Einwerben von Geldern für Juden in Europa und Israel stand das Haus meiner Großeltern, in Amerika, immer für Gäste offen, von denen viele Rabbiner und Leiter von Schulen gewesen sind. Bevor sie gingen erhielt jeder eine beträchtliche Summe für ihre jeweiligen Jeschiwot. G’tt sei dank, ernten wir auch heute noch die Früchte des Segens des Schiniwa Raws.2

Design

Was ist ein Gimmel? Der Buchstabe Gimmel repräsentiert den Wohltäter oder den der wohltätig ist. Das Design des Buchstaben Gimmel ist im Talmud3 wie folgt erklärt, ein wohlhabender Mensch, der zu einem bedürftigen Menschen geht um ihm Geld zu geben.

Entsprechend der Kabbala4 ist das Design des Gimmel eine Verbindung zweier Buchstaben. Der erste ist ein Waw, welches den Menschen repräsentiert weil er aufrecht steht. Auf der linken Seite des Menschen befindet sich ein zweiter Buchstabe, ein Jud, welches sowohl den Fuß. Als auch die Handlung des Gebens repräsentiert. In unseren eigenen Leben In unseren Leben können wir wahrnehmen, dass der obere Teil des Körpers, von der Taille aufwärts, die Tendenz zum Egoismus hat, die Prädisposition zu „nehmen.“ Unser Intellekt existiert oftmals für sich selbst und nutzt seine Fähigkeiten seine Bedürfnisse zu sichern. Der Mund, der Bauch und der Verdauungstrakt sind mit der Aufnahme von Essen und Getränken beschäftigt. Der untere Teil des Körpers ist der Teil, welcher anderen gibt. Mit unseren Beinen legen wir Entfernungen zurück um anderen Menschen zu helfen. Unsere Hände greifen in unsere Taschen um das Geld zu bekommen, um wohltätig sein zu können. Das Jud kann ebenfalls das Fortpflanzungsorgan repräsentieren, für den Fortbestand des menschlichen Lebens.

Eine Vermutung ist, dass das Gimmel, wegen seinem langen Hals, wie ein Kamel aussieht.5 Entsprechend Rabbi Samson Raphael Hirsch6 ähnelt das Wort Gimmel dem hebräischen Wort Gamal, welches „Kamel“ bedeutet.7

Gematria

Der Zahlenwert von Gimmel ist drei. Der Talmud sagt, dass die Nummer drei die Tora repräsentiert, welche dem jüdischen Volk im dritten Monat des Jahres (Siwan) unserem Lehrer Moses (dem dritten von drei Kindern) am dritten Tag der Trennung zwischen Ehemann und Ehefrau (das Verbot der ehelichen Beziehungen, welches durch G’tt angeordnet wurde) gegeben wurde. Die Tora wurde einem in drei Gruppen unterteilten Volk gegeben: den Kohanim, den Leviten und den Israeliten. Schließlich ist die Tora selbst in drei Teile unterteilt: den fünf Büchern Moses, den Propheten und den Schriften.8

Rabbi Jehuda Loew (der Maharal von Prag)9 erklärt, dass die Kraft der Nummer drei ihre Fähigkeit ist zwei gegensätzliche Kräfte zu vereinen – die Integration zu bringen.10 Was bedeutet dies? Stellen wir uns vor, dass eine Person in eine Welt der Tora geboren ist. Er wächst auf in einer von der Welt abgeschiedenen Gesellschaft. Er geht sein ganzes Leben in eine Jeschiwa und alles was er kennt ist G’tt. Schließlich heiratet diese Person und tritt in den weltlichen Bereich der Welt ein und beginnt seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Er sagt, „Hey, hier draußen gibt es auch eine materialistische Welt! Es gibt Dinge neben der G’ttlichkeit, neben der Spiritualität. Vielleicht gibt es tatsächlich zwei Wirklichkeiten. Die erste Wirklichkeit ist G’tt. Dann gibt es eine zweite Wirklichkeit, die Welt. Und diese Wirklichkeiten stehen einander unvereinbar gegenüber …“ Darum ist die Tora im dritten Monat gegeben worden, weil die „drei“ die Kraft hat die G’ttlichkeit mit der materialistischen Welt zu verschmelzen. Zum Beispiel sagen unsere Weisen: „Ohne Nahrung gibt es keine Tora.“11 G’tt erwartet von uns, dass wir unseren Lebensunterhalt verdienen um unsere Familien unterstützen und wohltätig sein zu können. Und indem wir die weltlichen Angelegenheiten entsprechend der Tora führen – mit Ehrlichkeit und Integrität – finden wir tatsächlich G’tt in der physischen Welt.

Da gibt es eine Geschichte über einen Studenten von Aristoteles, Alexander dem Großen, der einen Tages unangekündigt das Haus seines Lehrers betrat. Zu seinem Erstaunen fand Alexander Aristoteles in unmoralischen Verhalten vor. Später, als sie allein waren, fragte Alexander, „Ist dies der Weg des großen Aristoteles – dem Philosoph, dem Lehrer, dem Mentor? Ist dies einwandfreies ethisches Verhalten!?“ Aristoteles antwortete, “Wenn ich dich Philosophie und die Wunder der Welt lehre, bin ich Aristoteles. Aber hier, in meiner privaten Umgebung, bin ich nicht Aristoteles.”

Diese Geschichte steht in einem krassen Gegensatz zu dem Charakter von Rabbi Akiwa12 und der Tora, welche er verkörperte. Rabbi Akiwa wurde oftmals durch den römischen Offiziellen Tinus Rufis gebeten ein geistige Debatte mit ihm zu führen.13 Am Ende überlistete ihn Rabbi Akiwa immer. An einem Tag entschied die Frau von Tinus Rufis die Ehre ihres Mannes zu rächen. Da sie wusste, dass der G’tt der Juden unmoralisches Verhalten untersagte, versuchte sie Rabbi Akiwa auf diese Weise zur Sünde zu verführen. Hierfür gewann sie die Zustimmung ihres Mannes. Das nächste Mal, wenn Rabbi Akiwa in den Palast vorgeladen wurde, versteckte sich Rafina hinter einem der Bäume im Garten. Als Rabbi Akiwa ankam, trat sie, aufreizend gekleidet, hervor. Nun war Rafina eine wunderschöne Frau und sie war sich sicher, dass Rabbi Akiwa ihrem Charme verfallen würde. Aber der Weise tat das Folgende: erst spuckte er aus, dann lachte er, dann weinte er. Rafina war vollkommen verwirrt. Sie bat ihn seine Handlungsweise zu erläutern. Rabbi Akiwa antwortete, „Zwei werde ich euch sagen und das Dritte werde ich nicht. Ich spuckte aus, wegen eurer ‚verabscheuungswürdigen Handlung.’14 Ich weinte, weil eure wundervolle Gestalt eines Tages im Staub liegen und sich zersetzen wird. Warum ich gelacht habe, werdet ihr eines Tages vielleicht selber verstehen.“

Was ist die Verbindung zwischen den Geschichten von Aristoteles und Rabbi Akiwa? Aristoteles trennte Körper und Geist, wohingegen Rabbi Akiwa sie als untrennbar ansah. Für Aristoteles war das „Spirituelle“ (d.h., der Geist und die Wissenschaften) heilig. Das was verblieb, der Körper, war unheilig. Die zwei Wirklichkeiten waren nicht miteinander verbunden und besetzten zwei unterschiedliche Sphären. Rabbi Akiwa lebte durch das Gimmel, die Verschmelzung von G’tt und der Welt. Rabbi Akiwa sah G’tt in allem und erkannte, dass G’tt sich auch in dem Physischen befand. Darum hatte Rabbi Akiwa die Fähigkeit die Versuchung durch Rafina zu kontrollieren und zu überwinden. Rafina trat später zum Judentum über und heiratete Rabbi Akiwa. Diese prophetische Weitsicht war der Grund für sein Lachen.

Bedeutung

Gimmel hat verschiedene Bedeutungen.15 Eins ist: bis zur Reife bringen. Nachdem Korach gegen Moses und Aaron rebelliert hatte,16 sagte G’tt Moses, „Nimm einen Stab von Aaron und von allen anderen Stämmen Israels. Dann bringe die Stäbe in das Heiligtum [und siehe, welcher Früchte trägt].“ Am nächsten Morgen brachte Moses die Stäbe aus dem Heiligtum und ganz Israel sah, dass der Stab von Aaron Reife Mandeln hervorgebracht - (vayigmal) hatte. Folglich ist das Wort vayigmal Gimmel aus den Buchstaben zusammengesetzt.

Eine andere Bedeutung von Gimmel ist: „entwöhnt zu werden.“ „Das Kind [Isaak] wuchs auf und war entwöhnt (vayigamal).“17 Auf den ersten Blick scheinen die Konzepte der Entwöhnung und der Unterstützung bis zur Reife gegensätzlich zu sein. Wenn man jemand ernährt, so gibt man. Wenn man jemand entwöhnt, so nimmt man. Allerdings erleben wir einen Prozess, denn, wenn man etwas bis zur Reife bringt, so hat man nicht länger zu geben.

Wie bereits erwähnt, wird das Gimmel auch als Gamal, oder Kamel, bezeichnet. Das Kamel selbst verkörpert den Prozess der Entwöhnung und der Ernährung, da es fähig ist sich auf Reisen über große Entfernungen selbst zu ernähren, nachdem es ausreichend Wasser zu sich genommen hatte. Wir bemerken ebenfalls, dass Gimmel dem Wort Gomel ähnelt, freundlich und hilfsbereit sein. Das Kamel ermöglicht es dem Reisenden in der sengenden Wüstensonne zu überleben, indem es ihn an seinen Bestimmungsort bringt. Das Wort Gimmel ist im aramäischen Gamla, oder Brücke. Man kann sagen, dass die Brücke der Höcker des Kamels ist, der die Gegebenheiten bietet die Menschen dorthin zu bringen, wo sie hin möchten.

Wie ist es nun aber mit der Bedeutung, dass der wohlhabende Mensch hinter dem Armen herläuft? Die antwort kann in dem Unterschied gefunden werden, welcher zwischen den Begriffen „Wohltätigkeit“ und „Zedaka“ liegt. Wohltätigkeit bedeutet, dass man ein Wohltäter ist. Sie sind ein prominenter und wohlhabender Mensch und sie haben Mitleid mit dieser armen, obdachlosen Person indem sie ihm eine Wohltat erweisen.

Zedaka, demgegenüber, hat eine vollkommen andere Bedeutung. Die Definition von Zedaka ist Gerechtigkeit – einfach gesagt, das Richtige zu tun.18 Im Falle der Zedaka gehört euer Geld nicht wirklich euch; G’tt lieh es euch,19 damit, wenn eine bedürftige Person kommt, ihr dieser Person Sein Geld geben könnt. Ihr habt auch die Verpflichtung hinter ihm herzulaufen und das Geld „zurückzugeben“; es gehörte euch nicht. Des Weiteren gibt jemand Zedaka, weil G’tt eins mit dem anderen vergilt. So ist es so, dass jemand der G’ttes Segen erhält, er für andere zu sorgen hat.

Das Geben von Zedaka geht einen Schritt weiter. Ihr seid verpflichtet eine Brücke zwischen der Notleidenden Person und euch zu errichten. Ihr solltet keine zwei getrennten Persönlichkeiten sein. Es muss zu einer Vereinigung kommen. Der höchste Grad der Wohltätigkeit ist es nicht einer Person einige Dollar, ein einmaliges Geschenk, zu geben und dann zu sagen, „Lebewohl, ich werde dich nicht wieder sehen.“ Der höchste Grad der Wohltätigkeit ist, eine Person wieder „auf ihre Füße zu stellen“, sie bis zur Reife zu ernähren und dann zu entwöhnen, so dass er nie wieder um Geld nachsuchen muss. Dies geschieht, indem man ihn in die geschäftlichen Belange mit einbezieht oder ihm eine Tätigkeit gibt.

Dies ist das Konzept von Gimmel; das Vereinigen verschiedenartiger Elemente zu einem harmonischen Ganzen. Wie das Gimmel für die Verbindung zwischen einer armen und einer wohlhabenden Person steht, so repräsentiert es auch die Verschmelzung zwischen der materialistischen Welt und der Wirklichkeit G’ttes.

Fußnoten
1.
In Jiddisch sagte er: “Far kein Amerika un ver a Gabai Zedaka.”
2.
In HaJom Jom, für den 9. Tammus, schreibt der Rebbe: „Die größte garantierte Sicherheit G’ttlicher Hilfe für alle jüdischen Eltern, die der besonderen Hilfe und der Überlieferung an ihre Kinder bedürfen, geschieht durch die Unterstützung derjenigen die Tora studieren.“
3.
Schabbat 104a.
4.
The Aleph-Beit, op. cit., S. 54.
5.
Rabbi Michael L. Munk, The Wisdom in the Hebrew Alphabet, S. 71, Mesorah Press, Brooklyn, NY, 1983.
6.
Ein bedeutende Persönlichkeit und großer Führer der deutschen Juden (1808 - 1888).
7.
In seinem Kommentar zu Bereschit 21:8.
8.
Schabbat 88a.
9.
1526-1609.
10.
Tiferes Yisroel, Kap. 18, geschrieben durch den Maharal. Siehe ebenfalls Likkutei Sichos, Bd. 2, S. 301ff.
11.
Pirkei Awot 3:17.
12.
Einer unserer größten Weisen. Er starb als ein Märtyrer (135 CE) durch die Hand der Römer etwa 65 Jahre nach der Zerstörung des Zweiten Tempels.
13.
Nedarim 50b; siehe die dortigen Kommentare.
14.
Rabbi Akiwa spielt auf die wörtliche Übersetzung der Mischna in Pirkei Awot 3:1 an, welche auf den Ursprung eines Menschen verweist.
15.
The Wisdom in the Hebrew Alphabet, ebenda.
16.
Bamidbar 17:17-24.
17.
Genesis 21:8.
18.
Likkutei Sichos, Bd. 2, S. 410.
19.
Warum konnte G’tt nicht einfach das Geld in die Hand des bedürftigen Menschen geben? Weil G’tt nach einer Welt verlangt, in der Menschen für ihre Nächsten sorgen, in welcher sich Menschen denjenigen zuwenden, die weniger Glück hatten als sie. G’tt wird dann der Spiegel für die Handlungen Seiner Kinder sein und sie folglich reichlich beschenken (Schmot Rabba 31:5). Siehe ebenfalls Likkutei Sichos, Bd. 3, S. 909.
von Aaron Leib Raskin
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