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Es gibt eine Geschichte über ein 5jähriges Kind und einen 99jährigen Mann, die der Lubawitscher Rebbe gern erzählte. Das Kind war Rabbi DovBer Schneerson, der fünfte Lubawitscher Rebbe. Er wurde am 20. Cheschwan im Jahre 5621 geboren und verstarb im Jahre 1920. Der 99jährige Mann lebte 36 Jahrhunderte zuvor, sein Name war Abraham und er war der erste Jude.

Die Geschichte ist die folgende:

An seinem vierten oder fünften Geburtstag besuchte Rabbi Dov Ber seinen Großvater, Rabbi Menachem Mendel von Lubawitsch. Nachdem er das Zimmer seines Großvaters betreten hatte, brach das Kind in Tränen aus. Sein Lehrer in der Cheder hatte ihm den dieswöchigen Tora-Abschnitt gelehrt, Wajera (Bereschit 18:1 – 22:24), der beginnt, „Und G-tt offenbarte sich Awraham ...“ Warum, weinte das Kind, offenbart sich G-tt nicht auch mir?

Rabbi Menachem Mendel entgegnete: „Wenn ein Jude, ein Zaddik, im Alter von 99 Jahren realisiert, dass er sich selbst beschneiden muss – dass er sich weiterhin verbessern muss – ist er es Wert, dass G-tt sich ihm offenbart.“

Der Rebbe muss diese Geschichte dutzende Male erzählt haben. Die Geschichte, gefolgt von einer Darlegung der mannigfaltigen Bedeutungen und Lehren, welche der Rebbe darin sah, war ein regelmäßiger Bestandteil der Farbrengen, die er jedes Jahr am Geburtstag von Rabbi Sholom DovBer durchführte, der oftmals auf den Schabbat fiel, an dem Wajera – beginnend mit der Darstellung, wie G-tt sich Awraham nach dessen Beschneidung im Alter offenbart – gelesen wird.

Ich denke, ich weiß warum der Rebbe diese Geschichte so sehr mochte. Die Frage des Kindes und die Erklärung des Großvaters stellen zwei Extreme dar, deren Gegensatz und Synthese ein Kennzeichen für den "approach to life“ des Rebbe war.

Stell dir vor: ein fünfjähriger Junge weint, weil G-tt sich ihm nicht offenbart! G-tt zu „sehen“ – eine vollendete Vision der wahren Wahrheit zu erlangen – ist das abschließende Ziel jeder spirituellen Suche. Es ist ein Ziel, für welches die Größten der Großen mindestens ein Menschenleben brauchen, um es zu erlangen. Und hier ist ein Kind – ein besonderes Kind, aber eines, welches sich immer noch am Anfang seiner spirituellen Reise befindet – das so betrübt ist über die Tatsache, dass er dieses Ziel noch nicht erreicht hat, dass ihm die Tränen kommen!

Und wir haben auf der anderen Seite einen Mann, der 99 Jahre die außergewöhnlichsten spirituellen Erfolge hinter sich hat, der aber erkennt, dass er immer noch nicht perfekt ist – dass er sich weiterhin ändern, wachsen und sich verbessern muss.

Der Rebbe sah diese beiden Prototypen nicht als gegensätzliche Visionen des Lebens an, sondern als sich ergänzend und füreinander unentbehrlich. Das Ziel anzustreben, doch nie zu meinen, dass man angekommen ist. Riesige Ziele zu haben, doch demütig und bescheiden zu bleiben. Zu sagen: Ich will und kann alles tun – ganz gleich, wie viel man zuvor getan hat, immer wissend darum, dass immer noch mehr zu tun ist.

von Yanki Tauber
Yanki Tauber ist Chefredakteur von Chabad.org und ein erfolgreicher Autor.
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