Here's a great tip:
Enter your email address and we'll send you our weekly magazine by email with fresh, exciting and thoughtful content that will enrich your inbox and your life, week after week. And it's free.
Oh, and don't forget to like our facebook page too!
Kontakt

Was wir vermissen

Was wir vermissen

 E-Mail

Wer sagte das Folgende?

Moschiach wird das Königreich Davids in seiner alten Herrlichkeit, in seiner ursprünglichen Souveränität, wieder herstellen. Er wird den Heiligen Tempel erbauen und die Verstreuten Israels versammeln. In seinen Zeiten werden alle Gesetze (der Tora) wieder eingesetzt wie zuvor, die Opfer werden dargebracht, das Schabbat-Jahr und das Jobel-Jahr errichtet, wie in der Tora dargelegt. Wer nicht an ihn glaubt oder sein kommen nicht erwartet, verleugnet nicht nur die anderen Propheten, sondern auch die Tora und Moses ...

Wer sagte dieses? Ein Priester im Exil, der die Zerstörung des Tempels überlebte? Ein Mystiker, der im 16. Jahrhundert in Safed lebte? Der Lubawitscher Rebbe?

Ich erinnere mich an eine Diskussion, die ich, bezüglich der Frage eines zukünftigen Tempels, führte. Ein Freund, mit dem ich mich darüber unterhielt, behauptete, dass es diesbezüglich einige unterschiedliche Möglichkeiten im klassischen Judentum gibt. Die “rechtsgerichtenen Rabbiner” sind natürlich dafür. Aber was denkt ein aufgeklärter Philosoph wie Maimonides darüber?

Würde er nicht sagen, dass, während der Tempel ein notwendiger Bestandteil des religiösen Lebens in der kulturellen Atmosphäre der damaligen Zeit war, der ein Anachronismus in der heutigen Welt ist? (Mein Freund verwies auf eine Textstelle in “Führer der Verwirrten” von Maimonides, die in diesem Sinne verstanden werden konnte.)

Als Antwort nahm ich das 14. Buch der Mischne Tora und zeigte ihm den oben zitierten Absatz, verfasst von Maimonides mehr als acht Jahrhunderte zurück, wo er unzweideutig feststellt, dass der Wiederaufbau des Heiligen Tempels ein wesentlicher Bestandteil der zukünftigen Erlösung ist, für die ein Jude betet und die er jeden Tag seines oder ihres Lebens erwartet.

Der 10. Tewet ist der Jahrestag der Belagerung Jerusalems, welche 30 Monate später zur Zerstörung des Tempels führte. An diesem Tag fasten und trauern Juden in der ganzen Welt über die Zerstörung des Tempels und beten für dessen Wiederaufbau. So ist dies auch eine gute Zeit zu fragen: Warum benötigen wir einen Tempel? Was vermissen wir genau?

Die Menschheit hat in den letzten 5769 Jahren eine Menge gelernt. Wir philosophierten unseren Weg zur Wissenschaft, der uns dann zur Mystik führte. Auf diesem Weg erfanden wir Literatur, Kunst, romantische Liebe, Ökonomie, Demokratie und Psychologie.

Aber wir wissen noch nicht unsere Leben zu leben. Bringen sie zwanzig Menschen in ein Zimmer, dann gibt es Chancen, dass sie einmütige Übereinkünfte über die Heiligkeit des Lebens, Menschenrechte, Gleichheit, freie Wahlen, Weltfrieden u.a. treffen. Aber lass sie aus dem Raum in ihr alltägliches Leben zurückkehren, und du wirst zwanzig unterschiedliche Meinungen darüber erhalten, was diese Dinge bedeuten und wie man mit ihnen umgehen sollte.

Der alltägliche Kampf der Aufgaben, die das Leben uns stellt, mit den wirklichen Prinzipien, in denen wir übereinstimmen, bildet die Grundlage für widerstreitende Ansichten und Handlungen. Dies reicht von der Abtreibung bis zum Selbstmord, von Vegetarismus bis zum Schulgebet, und eigentlich jedem anderen Problem, mit dem wir uns konfrontiert sehen.

Ideen und Prinzipien allein sind nicht genug. Sie definieren zwar das große Bild, aber wenige Konflikte beziehen sich auf das große Bild. Die meisten unserer Konflikte und Dilemmata sind über das wie, das wann und das wo. Es genügt nicht zu wissen was richtig ist, wir müssen die genaue Kenntnis über diese Richtigkeit haben, um die jeweiligen Stimmungen, Feinheiten, Geschmäcker und Vorlieben zu verstehen.

Es ist wie der Unterschied, wenn man einen Schnappschuss von einem Menschen gezeigt bekommt und der Situation mit diesem zwanzig Jahre verheiratet zu sein. Im ersten Fall bekomme ich ein Gesicht und einen Namen: wenn ich diese Person auf der Straße treffen würde, würde ich wissen, dass sie es ist. Aber weiß ich, wie sie ihren Kaffee mag? Weiß ich, welche Größe die Schuhe haben, die sie trägt oder wieviel Stunden Schlaf sie benötigt? Weiß ich, wie sie lächelt, wenn man ihr ein Kompliment macht oder wie sie reagiert, wenn man sie beleidigt?

Es ist nicht genug zu wissen, dass A gut und B schlecht ist, dass X richtig ist und Y falsch. Wir müssen die Situation nah sehen – nah genug, um ihre Details zu erkennen. Wir müssen in dieser Richtigkeit leben, mit ihr verheiratet sein, sie in uns fühlen. Wir bedürfen einer innigen Beziehung – zu G-tt.

Bis zu einem gewissen Grad ist es möglich diese innige Beziehung in der heutigen Welt zu erreichen. Wir haben die Tora, in die G-tt Seine Seele und Persönlichkeit, Seine Bestrebungen und Eigenheiten gelegt hat. Die Tora ist eine detaillierte Chronik von G-ttes Wünschen und Abneigungen. Die Tora ist ein Leitfaden, sowohl für das spirituelle, als auch für das physische Leben, sie beantwortet die Sehnsucht nach Intimität mit dem G-ttlichen und sie regelt zugleich unser Verhalten in der physischen Welt.

Aber das Problem ist, dass die Tora ein geschriebenes Dokument ist. Was sagst du also zu jemandem der sagt, “Ich habe auch eine Tora, und meine Tradition hat eine andere Auslegung als die deinige”? Und wie können wir sicher sein, dass wir alle Feinheiten richtig erhalten haben und und der geschriebene Text optimal auf unsere heutigen Leben angewandt wird?

Wenn es nur einen Platz geben würde, wo heute Güte und Unzweideutigkeit zu Hause wären! Einen Platz mit feststehender Adresse und einer Telefonnummer. Einen Platz, an den wir physisch gehen können, wohin wir unsere Cousins und unsere Nachbarn mitnehmen könnten. Würden wir sagen, sieh, hier ist Wahrheit, das ist Güte, dies ist Gerechtigkeit? Und sie würden es sehen.

Es gab einen solchen Platz: der heilige Tempel in Jerusalem, G-ttes Heimstatt in der physischen Welt. Das ist es, was wir vermissen.

von Yanki Tauber
Yanki Tauber ist Chefredakteur von Chabad.org und ein erfolgreicher Autor.
© Copyright, alle Rechte vorbehalten. Wenn Ihnen dieser Artikel gefallen hat, empfehlen Sie ihn weiter, vorausgesetzt Sie halten sich an unsere Urheberrechtsrichtlinien.
 E-Mail
Diskutieren Sie mit
Sortiert nach:
1 Kommentar
1000 verbliebene Zeichen
steffen chaim schmidt Dresden, Germany 5. Januar 2012

Was wir vermissen . wunder, wunder schön erklärt; ich hab es verstanden; ich danke Ihnen; G"tt beschütze Sie, baruch HaShem vshalom; Chaim Schmidt Reply

Diese Seite in anderen Sprachen