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Schließen Juden andere Leute aus?

Schließen Juden andere Leute aus?

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Frage?

Ich habe schon alle möglichen Leute gefragt und bekomme keine klare Antwort: Warum schließen Juden andere Leute aus? Die Eltern meines Freundes haben mir gesagt, als Jude ein nichtjüdisches Mädchen zu heiraten und Kinder zu haben, ist eine Fortsetzung des Holocaust. Ich pack’ es einfach nicht! Bin ich wirklich so schrecklich? In einer Welt mit 6 Milliarden Menschen, was für ein G-tt ist der jüdische G-tt, der einen winzigen Prozentsatz der Weltbevölkerung auswählt und den Rest im Regen stehen lässt?

Ich glaube nicht erwähnen zu müssen, dass ich selbst nicht jüdisch bin, aber ich habe eine Beziehung mit einem jüdischen Burschen, und ich möchte mehr darüber wissen. Ich möchte diese Dinge verstehen, denn im Moment fällt es mir schwer, das Judentum zu akzeptieren und respektieren, was natürlich Spannungen in unserer Beziehung erzeugt. Ich möchte Sie als Rabbiner fragen, denn ich nehme an, dass Sie mehr Wissen haben als mein Freund.
Hoffe bald von Ihnen zu hören.

Antwort!

Ich bin froh, dass du beharrlich nach einer Antwort auf deine Frage suchst, und ich bin froh, dass du mir eine Chance gegeben hast, zu antworten.

Erstens bitte ich dich zu bedenken, dass ich keine der Aussagen gemacht habe, die du zitierst. Beginne von Neuem zu lesen, als hätten wir dieses Thema noch nie diskutiert. Haben wir ja schließlich nicht.

Ich bin sicher, du verstehst, dass jedes Geschöpf auf diesem Planeten überleben möchte. Nicht nur, dass jede individuelle Kreatur weiterleben möchte, sondern eine Mutter möchte auch ihre Kinder überleben sehen und diese Kinder möchten ihre Kinder überleben sehen und so weiter. In anderen Worten, jede Spezies möchte fortdauern und Bestand haben.

Auch das jüdische Volk will als solches überleben. Wir stellen einen winzigen Anteil der 6 Milliarden, die du erwähnt hast. Uns gibt es seit fast 4000 Jahren. Zu gewissen Zeiten stellten wir mehr als 10% der Weltbevölkerung, zu anderen Zeiten viel weniger. Im Moment machen wir weniger als 0,25 Prozent aus.

Jede Nation leistet ihren Beitrag zur menschlichen Zivilisation – Ideen, Erfindungen, Musik, Kunst, Kultur, Weisheit. Das Judentum hat da Grundlegendes beigesteuert: den Monotheismus etwa, Wert des menschlichen Lebens, Gleichheit vor dem Gesetz, das Konzept von Weltfrieden. All diese und viele andere Ideen, zentrale Bestandteile für unsere heutige Gesellschaft, sind ursprünglich in der Bibel und den anderen jüdischen Traditionen zu finden. Auch nach der biblischen Zeit wurde unter Einfluss des Judentums Erstaunliches geleistet, sei es auf dem Gebiet der Ethik, Philosophie, Medizin, in den Wissenschaften ... Es wäre also anzunehmen, dass ein Fortbestand des Judentums im Allgemeininteresse liegt.

Behauptet das Judentum Überlegenheit? Ich denke nicht. Sowohl Christen als auch Muslime bestätigen die Wahrheit der biblischen Schilderung, wonach eine Gruppe von Menschen von G-tt auserwählt wurde, um eine Mission zu erfüllen – den Völkern ein Licht zu sein. Wir nehmen an, dass G-tt nie seine Meinung geändert hat. Und, wie jedermann sehen kann, wurde ein guter Teil dieser Mission erfüllt. Die Ethik, die zu lehren uns aufgetragen wurde, ist von einem Großteil der Welt akzeptiert. Vielleicht ist das noch nicht zur Gänze umgesetzt – aber auch das wird noch geschehen, und wir glauben daran, dass diese Zeit sehr bald kommen wird.

Schließen wir andere aus? Absolut nicht. Jede Person, die sich dem jüdischen Volk und seiner Mission anschließen möchte, ist willkommen, ohne dass Rasse, Hautfarbe, Geschlecht oder familiärer Hintergrund irgendeine Rolle spielen. Wir erwarten nur, dass sie sich verpflichtet, die Regeln zu halten, die uns G-tt gab – genauso wie die Israeliten diese Regeln akzeptiert haben, als sie vor etwa 3300 Jahren die Tora am Berg Sinai erhielten. Und wenn diese Person beschließt, nicht überzutreten, so glauben wir, dass die Gerechten unter den Völkern ihren Anteil an den Belohnungen der kommenden Welt haben werden. Ich kenne keine andere Religion, die solch liberale Grundsätze hätte: Du musst dich uns nicht anschließen, du musst nicht die Dinge tun, die wir tun, glaube nur an den einen G-tt und erfülle die grundlegenden Verpflichtungen eines jeden Menschen gegenüber der Gesellschaft, und du bist dabei.

Was also ist so verwerflich an unserem Wunsch zu überleben? Klarerweise ist es nicht gut bestellt um die Kontinuität des Judentums, wenn man mit beliebigen Menschen Mischehen eingeht und die Kinder mit einem »Wirrwarr aus Allem« erzieht. Der einzige Weg zum Fortbestand führt über gleichkonfessionelle Ehen und eine inhaltsvoll-traditionelle Erziehung für die Kinder.

Wenn ein Mädchen aus einer nicht-jüdischen Familie beschließt, dass sie sich dem Judentum anschließen möchte, nun, was hält sie davon ab? Wir drängen aber niemanden dazu, denn erstens ist es nicht unser Stil, anderen Leuten Dinge aufzudrängen. Du kannst ein gerechter Nicht-Jude sein und eine tiefe Verbindung mit dem Schöpfer haben, also warum sollten wir dich »mit Gewalt« auf einen Pfad verpflanzen, auf dem du nicht geboren wurdest? Du könntest es später leicht bereuen – was oft genug vorkommt – und das ist nicht förderlich für eine gute Ehe.

Und zweitens werden manche Leute nur für die Ehe jüdisch, und wenn sie einmal verheiratet sind, lassen sie die ganze Geschichte sausen.Was für uns bedeutet, dass wir angehende Konvertiten sorgfältig prüfen müssen, um sicherzugehen, dass sie das tun, weil sie wirklich wollen.

Ich hoffe, das klärt und erklärt die Dinge ein bisschen für dich. Wenn es noch immer nicht zu verdauen ist, schreib mir bitte zurück.

Ich wünsche dir all die wundervollen Dinge, die das Leben bereit hält, kein einziges soll fehlen.

von Tzvi Freeman
Tzvi Freeman ist der Autor von Bringing Heaven Down to Earth und Be Within, Stay Above, zwei Bände mit Meditationen, sowie zahlreicher Artikel über jüdische Mystik und Philosophie. In 1975 gab Freeman seine Karriere als Musiker (klassische Gitarre) auf um Talmud und jüdische Mystik zu studieren. Während seinem Studium gründete er die erste chassidische Rockband. Er ist auch der Gründer von Adam v’Adamah – einer jüdischen Umweltgruppe.
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Diskussion (10)
1. August 2016
Ich möchte ihnen nicht zu nah treten , aber ich finde sie reden zu sehr um den heißen Brei. Die Argumente sind nicht überzeugend genug....
Sie beschwichtigen einiges.


Und ich finde , dass das judentum nicht die einzige Religion ist , welche diese positiven Werte teilt und jede Religion und jeder Mensch hat das Recht zu "überleben" , jeder hat das Recht den zu lieben und an das zu glauben was man möchte und ich kann die Person die die Frage gestellt hat ( was ich respektabel finde , dass man höflich nach einer Antwort bittet) verstehen , da es ungerecht ist

Mein Vater ist Muslim und meine Mutter Jüdin und beide leben ihren Glauben aus
Zwar habe ich mich nich nicht entschieden , zu welcher ich gehöre (noch) , aber solche Beziehungen , bzw Lebensweisen können funktionieren wenn man es will !

Ich wünsche dennoch einen schönen Tag !
Anonym
Frankfurt
29. April 2014
Rabbi Tzvi Freemann
Sehr geehrter Rabbi Tzvi Freemann,
vielen Dank für Ihre gute Antwort. Ich bin heute durch "Zufall" auf diese Seite gestoßen. Die Art, wie Sie antworten, ist so typisch für das Volk der Juden, nämlich das Gute zu sehen und zu sagen, ohne Schönfärberei zu betreiben. Klare Worte, in eine Riesen-dosis Liebe gewickelt. Das ist es, was ich auch für mich wünsche, beharrlich das Gute zu sehen. Seit mein Sohn seinen Zivildienst in Israel gemacht hat, (Geriatrisches Zentrum in Petach-Tikva) ist uns ein neues Verständnis für die Kultur des Judentums geschenkt worden. Es ist ein Wunder für mich, wie junge Deutsche soviel Liebe von Juden entgegengebracht wird, nach unserer Vergangenheit. Es hat in mir großen Respekt vor dem Volk Israel wachsen lassen.
Ihre Antwort ist so voll von der Güte G-ttes und seiner Wahrheit. Es ist war, kein anderes Volk und keine andere Kultur ist dem Volk Israel vergleichbar.
Ich wünsche Ihnen den Schalom G-ttes
Anonym
08315 Lauter-Bernsbach
24. August 2013
Kein überzeugenden Argument . Judentum sollte nicht missionieren Sich mit beschwichtigenden Worten zurückzuhalten Warnen wäre angemessener auch wenn es sich um Fortpflanzen und junge Frauen oder Proselyten-anwärterinnen dreht. Frauen haben das Recht bevor sie einen solchen Weg gehen Aufklärung darüber zu erhalten wie es um die die Stellung der Proselytin in der jüdischer Rechtsprechung steht. Wie steht es um ihre soziale Akzeptanz damals und heute ? Wie ist es um die Stellung der geschiedenen Frau im heutigen Israel bestellt, ohne Augenwischerei zu betreiben .
Irina Brenner
Berlin
10. Juli 2013
Ich glaube nicht, dass wir im Himmel einen Ausweis brauchen. Unsere Seele wird alles offenbaren
Anonym
MÜNCHEN
25. April 2013
Übertritt
Kann dem Rabbi nur zustimmen,was den inneren Widerstand betrifft.Bin seit 6 Monaten wieder Lutheranerin.Habe die Kirche vor 15 jahren verlassen,da ich schon seit meinem 19.Lebensjahr mit einem Moslem unverheiratet zusammenlebe
und einen großen Widerstand gegen meinen eigenen Glauben verspürte.
UnserenSohn wollte ich den Schmerz der Beschneidung ersparen aber er ließ sich mit 15 Jahren beschneiden und fand das normal.
Dieses Jahr ließ er sich konfirmieren,die Fragen die er stellte zeigen mir jedoch das er ganz anders an das Thema herangeht als ich in diesem Alter.Für seinen Vater ist klar das er irgendwann Jesus nur noch als Proheten sehen wird.
Ich kann ohne meinen Glauben nicht leben.Die Kinder sind aber verwirrt und denoch -wenn Liebe und Toleranz vorhanden ist-das ist auch ein Weg.Alledrings ist es schwer dies auch mit Schwiegereltern und Freundes kreis zu vereinbaren.
Anonym
hamburg
3. Januar 2013
Beziehungen und Glaube
Es ist egal welchen Glauben man hat. Auf jeden Fall sollte man wissen wohin man gehört. Für alle Gläubigen gilt: Es ist nicht gut, wenn es in einer Beziehung/Familie mehrere Gesangbücher gibt. Auch innerhalb der eigenen Religion zu verschiedenen Gemeinschaften zu gehören, halte ich für nicht förderlich.
Monika B.
Pfinztal, Deutschland
30. Juni 2012
Jüdische Identität
Ich fand ihren ersten Artikel zum "jüdisch sein" sehr interessant. Insbesondere der Vergleich mit dem Apfel.
Westlich erzogene jungen Menschen heutzutage sind eher atheistisch und materialistisch.
Die meisten Leute heut glauben bestenfalls an die Marktwirtschaft und den Kapitalismus.
Ich habe im Laufe der Jahre rausgefunden, das vieles was mich interessiert, und sehr viel Menschen die mich inspiriert haben zumindest teilweise jüdischer Herkunft waren. Ich weiß, dass die meisten davon keine gläubigen Juden waren, sondern eher Angehörige des europäischen oder russischen "assimilierten" Judentums. Dennoch waren sie sicherlich, bewusst oder nicht, beeinflusst von ihrer Kultur.
Ich verstehe das Bedürfnis jeder Kultur, zu überleben. Das Überleben ist das oberste Ziel jedes Menschen und seiner Kultur. Allein durch die Diaspora bedingt verstehe ich die das zusammenhalten des Judentums, besonders bei Heirat, in alle Welt verstreut. Das ist nur klug, bei Modekonvertiten wie Madonna und co. ;)<3
Frank Gottinger
München, Deutschland
20. September 2009
Verhältnis zu anderen Gläubigen
Ihr Artikel hatte mich sehr interessiert. Bislang hatte ich die Erfahrung gemacht, dass die monotheistischen Religionen sich gegenseitig ausschließen und den jeweiligen, anderen Anhängern die Aussicht auf das Jenseits versagen, indem sie ihre eigene Religion verabsolutieren. Doch gibt es auch andere Stimmen, wie die von Chabad, die dem widersprechen und deshalb zu einem guten Zusammenleben der Gläubigen verschiedener Religionen sorgen. Das finde ich sehr gut.

Ihre Website ist optisch ansprechend und informativ. Da kann ich noch viel lernen. Vielen Dank.
Klaus Dieckmann
Köln
21. November 2007
Danke
Ihr Artikel gibt mir den Mut vielleicht doch an Ihre Türe zu klopfen. Dafür möchte ich Ihnen danken! Ich hatte den Mut verloren weil ich als Goy eh niemals ankomme - ich wäre froh als Fremder mit Ihnen Leben und Lernen zu dürfen.... ist das wirklich vorstellbar?

vielen dank für Ihre herzlichen Worte

Johannes
Johannes
Wuppertal, Deutschland
chabad-duesseldorf.de
20. November 2007
Jehuden schließen andere Menschen aus
Wie denn das? Ist es nicht eher umgekehrt? Schließt die Menschheit nicht seit Jahrtausenden die Juden aus? Und aus welchem Grund?
Aus Neid, Hass und Eifersucht auf das, was sie IM SINNE G-TTES bisher erreicht haben, nämlich IHM TREU zu bleiben, wie kein anderer.
SCHALOM
Anonym
chabadberlin.de