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Wissenschaft & Tora - Kann ich an beide glauben?

Wissenschaft & Tora - Kann ich an beide glauben?

Genesis, Darwin und das Leben in zwei Welten

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Frage?

Ich fühle mich, als ob ich in zwei Welten leben würde. Nachdem ich Biologie unterrichte, stütze ich mich bei der Vorbereitung meiner Lektionen auf die Evolutionstheorie, die alle Teile in einer umfassenden Idee einzurahmen scheint. Doch zu Hause helfe ich meinem Sohn bei seinen Hebräisch-Aufgaben, was auch die Schöpfungsgeschichte aus der Genesis mit einschließt.

Eigentlich bin ich von der Genesis sehr begeistert, vor allem dank dem Prisma der klassischen Kommentatoren und den Kostproben aus der Kabbala. Doch trotz all dem, was ich über dieses Thema gelesen habe, muss ich die beiden Perspektiven auf eine ehrliche und plausible Weise miteinander vereinbaren. Ich habe auch schon mitbekommen dass schon viel zu diesem Thema geschrieben wurde, doch fand ich, dass ihre Lösungen ziemlich weit vom Geist des Textes entfernt waren.

Ist eine solche Koordination möglich? Oder ist ein Jude dazu verurteilt, in zwei Welten zu leben, die sich gegenseitig ausschließen?

Antwort!

Sehr geehrter Reb Jid,

Wir Juden sind es gewohnt, in zwei Welten zu leben. Nehmen Sie z.B. einmal die Stadt Prag zur Zeit der Renaissance, als die Juden 30% der Stadtbevölkerung stellten. Prag profitierte von der größten religiösen und intellektuellen Freiheit aller Städte Europas und der Hof von Rudolf II war voll von Philosophen und Wissenschaftlern. Die Juden waren auch aktive Partner in dieser Atmosphäre neuer Ideen und Reformen, trotzdem standen sie abseits, in ihrer eigenen Welt und ihrem eigenen Glauben.

Erst jetzt, rückwirkend, ist die Welt entstandenRabbi Yehuda Loewe (1525-1609), bekannt als "der Maharal von Prag", war damals Oberrabbiner. Er war das Musterbeispiel eines Renaissance-Gelehrten, ebenso gewandt in Mathematik und in Astronomie wie im Talmud und in der Kabbala. Es ist daher nicht überraschend, dass er vieles über beide Welten geschrieben hat, "die natürliche Ordnung" und die "transzendentale Ordnung".1 Jede von ihnen, so sagte er, hat ihre Wissenschaft und ihre Geschichte. Als Joshua die Sonne zum Stehen brachte (Joshua 10), schrieb der Maharal, dass sie für Joshua und all diejenigen, die an der Schlacht beteiligt waren, stillstand, doch für den Rest der Welt nahm sie ihren normalen Verlauf. Wie war das möglich? Weil Wunder und Natur sich in zwei verschiedenen Welten abspielen und sich nur kreuzen, wenn es nötig und wo es nötig ist. Dasselbe gilt für die Spaltung des Schilfmeers und viele andere Wunder. Wir haben sogar zwei Neujahrsfeiern für die beiden unterschiedlichen Welten: Rosch Haschana (1. Tischrei) für die natürliche Welt und den 1. Nissan für die transzendentale, übernatürliche Welt.

Wenn nun jemand also die Frage stellt: "Wie und wann entstand die Welt?" lautet die typische, jüdische "beantworte-eine-Frage-mit-einer-anderen-Frage"-Antwort: "Welche Welt?"

Gar nicht so unsinnig. Lesen Sie einmal was Rabbi Jesaja Horowitz, Autor des "Schlah", der zufällig kurze Zeit nach dem Maharal zum Oberrabbiner von Prag wurde, dazu zu sagen hat2. Er befasst sich mit zwei Ansichten des Talmuds zur Frage, wann die Welt erschaffen wurde. Rabbi Joshua vertritt die Meinung, dass die Welt im Frühling erschaffen wurde, im jüdischen Monat Nissan, während Rabbi Elieser behauptet, dass sie im Herbst erschaffen wurde, im Monat Tischrei.

Der Schlah erklärt, dass sie nicht über die Chronologie der Welterschaffung debattieren. Sondern Rabbi Joshua meint in welchen Monat Nissan die Welt angefangen hat. In demjenigen Nissan, in dem sie aus Ägypten auszogen, als G-tt Wunder vollbrachte und das jüdische Volk von dort herausholte.

Warum? Denn vor den Wundern, die sich in Ägypten ereigneten, war es für den menschlichen Verstand unmöglich, den Begriff der Schöpfung von allem aus dem Nichts heraus, einschließlich der Gesetze der Natur, anzunehmen. Zwar gab es schon Wunder davor, doch keines von ihnen hat je die Gesetze der Natur beseitigt. In Ägypten sahen sogar Pharaos eigene Wissenschaftler mit ihren eigenen Augen, dass kein einziges Gesetz der Natur wirklich notwendig ist. Nichts muss zwangsweise so sein, wie es ist. Alles könnte sich ereignen.

Das bedeutet, soweit der menschliche Verstand betroffen ist, so wurde die Welt vor dem großen Erwachen, das sich in Ägypten ereignete, gar nicht erschaffen. Sie war schon immer in irgendeiner Form da, weil das ihre Existenzweise war, in den Geistern derjenigen, die in ihr lebten. Erst jetzt wurde sie zu einer Schöpfung. Und wann fand diese Schöpfung statt? Rückwirkend, in Tischrei vor 2448 Jahren.


Hier ist ein origineller Weg, darüber nachzudenken: Spielen wir einmal ein Video von einem DVD-Disc ab. Die Geschichte enthält viele Personen und viele Dramen. Sie befinden sich in einer Umgebung, die viel Geschichte enthält, die der Zuschauer auf logischem Weg selbst in das Geschehen integrieren soll. Nach fünf Minuten wird das Bild angehalten. Ich frage Sie: "Wie alt ist der Mann?" "Um die vierzig." "Wie alt ist das Auto?" "Etwa zehn Jahre alt."

Wenn wir entdecken, dass wir glühende Philosophen sind, ändert sich allesNehmen wir an, dass ich mit den Personen der Geschichte reden könnte und es sei kein Video, sondern ein Hightech-Rollenspiel, bei dem die Personen dazu programmiert sind, ihr eigenes Bewusstsein und ihr eigenes Gedächtnis zu haben. Ich könnte sie nach ihrer ganzen Lebensgeschichte fragen, selbst nach der Geschichte ihrer Stadt und ihrer Umgebung und sie könnten uns eine ganze Geschichte erzählen.

Wie wäre es, wenn ich ihnen antworten könnte: "Das ist absurd! Ich nahm diesen Nylon-Disc vor fünf Minuten, ließ ihn über dem optischen Lesekopf drehen und ihr Leute seid einfach auf den Bildschirm gesprungen?"

Würden diese Personen dazu imstande sein, mit dieser Aussage umzugehen, sie in ihr Glaubenssystem und ihre Lebensführung einzugliedern? Wahrscheinlich nicht. Sie würden mich eher als einen verrückten Spinner betrachten und lernen, mich am besten zu ignorieren, und mit ihrem Spiel fortfahren. Sowie aus meiner Sicht betrachtet ihr Schauspiel nichts weiter als Phantasie ist, so ist es aus ihrer Sicht betrachtet meine Perspektive, die sich hier als unrealistisch gilt.

Lassen Sie uns die Situation etwas genauer betrachten. Warum können diese Personen aus der Geschichte meine Perspektive nicht verarbeiten? Nun, das Gedächtnis ist nur eines der Themen: Sie können sich nicht daran erinnern, in einen Disc hineingedrängt worden zu sein. Sie können sich an ihre eigene Lebensgeschichte erinnern. Doch was ist mit ihren Annahmen betreffend dem Alter der restlichen Umgebung? Vieles davon ist nicht in ihrer Speicherbank enthalten.

Ihr Verstand ist jedoch so eingestellt, dass er innerhalb der durchgehenden Muster seiner Umgebung handelt und seine Entscheidungen dementsprechend trifft. Der Programmierer hat die Parameter für diese virtuellen "Naturgesetze" festgelegt – einschließlich der Gravitationsgesetze, der Zeitgeschwindigkeit, der Raumbegrenzung etc. Auf diese Weise verleihen wir dem Spiel das Aussehen und den Eindruck einer wahren Welt, den es auf den Spieler macht, durch konsistente Regeln und festgelegte Muster. Wenn die Prozesse willkürlich wären, wäre niemand imstande, in Ihrem Spiel zu spielen, weil es keine Basis geben würde, auf die wir Entscheidungen stützen könnten.

So haben diese virtuellen Wesen die Regeln ihrer Welt gemeistert und sind nun imstande, rückwärts auf ihrem Zeitkontinuum die Annahme zu projektieren: "Wenn die Dinge heute so aussehen und der Prozess sich so abspielte, dann muss unsere Welt vor tausenden / Millionen / Milliarden Jahren so ausgesehen haben ..." In der Tat, wenn Sie diese Personen fragen, wann ihre Welt begonnen hat, werden sie nach ihrem besten Wissen ableiten, dass sie schon immer in irgendeiner Form existiert hat. Warum sollten sie auch anders denken? Warum würden sie ihre Umgebung überhaupt als "Welt" verstehen, wenn sie keinen externen Kontext haben, in den sie sie stellen könnten? Erkennen etwa die Fische, dass es Wasser gibt?

Doch jetzt, nachdem entdeckt wurde, dass sie nichts als eine Anordnung glimmendem Phosphors auf einer zweidimensionalen Darstellung sind – die durch elektrische Impulse erzeugt werden, die sich durch Reihen von Silikonkristallen bewegen – verändert sich alles.

Nein, ich behaupte hier nicht, dass unsere Welt nichts weiter als ein Videospiel ist und G-tt ein ausgeflippter, halbwüchsiger Benutzer. Es handelt sich um eine Analogie. Doch ist diese sehr nützlich.

Weil wir die Welt als eine Schöpfung aus dem Nichts heraus betrachten, einschließlich all ihren Zeit- und Raumparametern und Energiemustern, die wir "natürliche Gesetze" nennen, dann muss der Schöpfer außerhalb von all dem bleiben. Nicht nur außerhalb von Zeit und Raum, sondern auch außerhalb der Notwendigkeit dieser Muster.

(Mit "außerhalb" ist nicht etwa gemeint, dass es da einen kleinen Ball gibt, wo sich eine Welt abspielt und der Schöpfer ist irgendein bedrohliches Wesen, das sich außerhalb des Ganzen befindet. Sondern "außerhalb" bedeutet jenseits, transzendent – als ob wir außerhalb der Einbildungskraft und deren Vorstellungsvermögens stehen würden. Auf ähnliche Weise beschwört auch der Schöpfer aus dem Nichts heraus ein ganzes Universum, doch bleibt Er von diesem völlig unverändert.)

G-tt hat eine Welt erschaffen, die schon immer da war. Sie sieht zwar nicht aus, als hätte es sie schon immer gegeben. Sobald sie erschaffen wurde, war sie schon immer da. "Am Anfang, als G-tt Himmel und Erde erschuf, und die Erde war ..." Was heißt, dass wenn alles, was wir haben, die Parameter dieser Welt sind, dann ist das die Wahrheit dieser Welt – sie war schon immer da. Wenn es nicht so wäre, wäre es keine wirkliche Welt.

Doch aus der Perspektive des Schöpfers betrachtet, könnte sie ebenso erst vor zwei Sekunden begonnen haben.


Warum sollen wir die kleinen Leute dieses Universums nicht einfach mit ihrem Leben weiterfahren lassen, als ob das, was sie wahrzunehmen vermögen, nicht die einzige Wirklichkeit wäre? War das denn nicht ohnehin die Idee, die hinter der Gründung einer Welt stand?

Zwei Wirklichkeiten: könnte und sollte Nun, es könnte so sein, wenn das ein Video wäre. Doch in Wirklichkeit ist es eher wie ein Spiel. Es sollte ein Zwischenspiel geben zwischen der Welt der Maschine und der Welt des Benutzers. Das begann in voller Lautstärke im besonders günstigen Monat Nissan, als der Auszug aus Ägypten anfing. Und dort fängt auch das Chaos an.

Wenn wir nichts weiter als Requisiten für das Spiel wären, könnten wir uns damit begnügen, nicht mehr als die Worte im Drehbuch zu wissen. Doch wenn wir Wesen sind, die nicht nur zu dieser Welt gehören, sondern dazu ermächtigt wurden, mit dieser Welt etwas anzufangen, dann brauchen wir die Perspektive des Schöpfers.

Als ob – wenn wir jetzt auf meiner Analogie zurückkommen – die virtuellen Wesen meines Spiels sich an den Benutzer wenden würden und fragen: "Was willst du von diesem Spiel? Wie können wir es gemeinsam erarbeiten?"

Das ist es, was sich in der Tat abgespielt hat. Und G-tt sprach: "Lasst Mich erklären, wie ich Meine Schöpfung ursprünglich geplant hatte. Ich sah es als ein Prozess, wo das Licht gut sein würde und von der Dunkelheit getrennt werden muss. Ich sah es als ein vollständiges Ganzes, eine Erfahrung der Harmonie der Strukturen und Rhythmen, wo jede Sache seinen Platz und seinen Zweck auf dem großen Schema der Dinge hat, und dabei Meine eigene Einheit widerspiegelt. Ich sah es als ein Spiel des Lebens, ein ewiges Leben das aus der Erde sprießt und aus den Meeren auftaucht. Und es würde da ein Wesen geben, so bewusst wie Ich es bin, das für dieses Leben sorgen und seine Schönheit zum Vorschein bringen würde."

Was die Geschichte von der Genesis darstellt. Keine Beschreibung von Geometrien, von Zeit und Raum, von Gegenständen, die sich bewegen und Zusammenstoßen, sondern ein Überblick des Erlebten, sowie es von innen her betrachtet würde, wo die Sonne und die Sterne "als Zeichen und zur Festlegung der Jahreszeiten" für den aufmerksamen Beobachter in den Himmel gesetzt wurden, wo sogar Dunkelheit und Licht als menschliches Erlebnis von Tag und Nacht definiert sind.

(Ich erinnere mich dabei an die Zeit, als ich einen Kurs über Multimedia-Entwicklung unterrichtete. Die Studenten würden mir zunächst einen Konzeptvorschlag vorlegen und ich würde darauf antworten: "Nein, beschreibt nicht, was eure Medien tun werden! Beschreibt mir das Erlebnis von denen, die diese Medien erleben werden!" Das Buch Genesis würde in diesem Kurs eine ausgezeichnete Note bekommen.)

"Und wann, auf unserer Zeitachse, hat diese Geschichte angefangen?" fragte der Schöpfer.

"Vor nicht so langer Zeit," lautete die Antwort, "denn alles was Mich daran wirklich interessiert, seid ihr und die Art und Weise wie ihr sie erlebt. In diesem Fall hat es in Wirklichkeit mit Ihnen und Ihrer ersten bewussten Wahrnehmung dieses Ortes begonnen."


So müssen wir uns mit zwei Wirklichkeiten auseinandersetzen: Die Wirklichkeit von dem, was sein könnte, und die Wirklichkeit, von dem, was sein sollte. Die einte brauchen wir um sagen zu können: "Wenn ich das tue, wird jenes passieren. Doch wenn ich jenes tue, wird es nicht passieren." Das ist alles, mit dem sich die Wissenschaft befasst, wahre Baconische Wissenschaft: Die Kunst Auswirkungen vorherzusagen.

Und dann gibt es die Welt des "Sollens": Was soll ich tun und was soll ich nicht tun? Welche Resultate soll ich wollen? Welche Resultate soll ich ablehnen?

Für das, was sein könnte brauchen wir nicht über die Strukturen unserer Welt hinaus zu denken. Warum sollen wir unsere Gedanken durcheinanderbringen mit Fragen nach dem Wesen oder dem Grund der Dinge?

Doch für das, was sein sollte, müssen wir in Begriffen des Schöpfers unserer Welt denken. Wir müssen die Welt so sehen, wie Er sie sieht, als ein Ausdruck der Absicht, ein Schauspiel der Ideen. Nicht als Materie sondern als Gedanken, nicht als Ereignisse, sondern als Aussagen. Und wir müssen uns selbst als Wesen in andauerndem Zusammenspiel sehen, nicht mit Dingen und Phänomenen sondern mit Ihm, dem Benutzer. Das ist Tora, eine Art und Weise in zwei Welten gleichzeitig zu leben: Seine und unsere.


Lassen wir die Dinge in der Situation dieser verschlungenen Zwiespalt stehen? Gibt es da Hoffnung oder ist dieser schizophrene Zustand unzertrennlicher Teil des Seins?

Es liegt an uns, die beiden Denkweisen von G-tt zusammenzufügenDer Maharal schug vor, dass die Propheten und die Weisen diese Verbindung meinten, als sie vom messianischen Zeitalter sprachen. Rabbi Schneor Salman von Liadi, sein Ur-Ur-Großenkel nach sieben Generationen, sprach von derselben Zwiespalt als "die beiden Denkweisen G-ttes": Die einte von oben nach unten, wo die Welt des Schöpfers die wahre Realität ist und unsere Welt nur eine Phantasie, die andere von unten nach oben, wo unsere Welt wahr ist und außer ihr nichts existiert. Unsere Aufgabe ist es, diese beiden Perspektiven in eine zu verschmelzen.

Viele Köpfe haben daran gearbeitet, die Konflikte zwischen den beiden Welten, der Tora und der Wissenschaft zu lösen. Die meisten sind in die Falle des Synkretismus geraten und waren nicht imstande, die untermauernde, weit-konzeptuelle Kluft zwischen ihnen zu verstehen. Ein Pferd mit einem Esel ist eine produktivere Einigung als einer dieser Versuche, den materialistischen Darwinismus mit der Genesis zusammen zu bringen.

Beide liefern eine Klassifizierungslehre, einen Rahmen, der die scheinbare Beziehung zwischen den vielfältigen Formen unseres Planeten erklären soll. Wir blicken über uns und sehen kein Chaos, sondern Ordnung und eine gewisse Formgestaltung.

Beide enthalten eine Hierarchie. Genesis spricht ebenfalls von Erde und Wasser, die zu Leben wurden, von Gattungen und vom Auftauchen von Formen, die mit Licht anfingen, dann Atmosphäre, dann Meere und Land, dann Flora, dann Fische, Reptilien, Vögel und Säugetiere und schließlich Adam.

Der Unterschied jedoch, befindet sich nicht nur im Zeitrahmen, sondern im eigentlichen Begriff der Wirklichkeit: Der Darwinist erklärt diese Entstehung in Begriffen von dummer Materie, die festgelegte Gesetze befolgt (Dummheit ist im Allgemeinen sehr gehorsam). Im Wesentlichen soll diese ganze Struktur durch Unfall entstanden sein. Diejenigen, die sich am meisten vermehrten, haben sich zu den stärksten Gattungen entwickelt (auch bekannt als das Überleben des Stärksten). Selbst unsere eigene Intelligenz soll nach dieser Theorie nichts weiter als ein Zufallstreffer der Natur sein.

Das Genesis erklärt uns, dass die Welt nicht aus Materie besteht, sondern aus bewussten Artikulationen – G-ttes Worte, durch die alle Dinge entstanden. Alle Dinge sind verbunden, weil sie alle Gedankenströme darstellen, die von einem einzigen Verstand kommen. Wenn einige Sachen "nur per Anhalter" dazu sein scheinen, ist das nur, weil diese Intelligenz so gut in ihnen versteckt ist, dass wir sie kaum wahrnehmen. Diese sind, in der Dialektik der klassischen Philosophen "dumm" – schweigsam, was das Leben betrifft, das sie beinhalten.

Der Darwinist betrachtet das Phänomen des Lebens als selbstverständlich und versucht es in seinen eigenen Begriffen zu erklären. Die Genesis fängt an einem Ort an, wo nichts selbstverständlich ist, alles ist möglich, und sie sieht alle Phänomene als äußerliche Schichten, ein äußerlicher Ausdruck eines inneren, bedeutungsvollen Kerns.

Kurz gesagt, hier sind wir, intelligente Wesen, in einem Universum das in unseren Augen irgendwie überraschenderweise Sinn ergibt. So fragen wir, hat ein wesentlich dummes Universum Intelligenz hervorgebracht oder sieht die Intelligenz uns manchmal als dumm an?

Anders ausgedrückt, betrachten Sie mal einen Schlammhaufen. Stellen Sie sich vor, wenn Sie eine genügende Menge davon lange genug unberührt lassen, würde es zu einem Raumschiff werden. Und es würde eines Tages die Quantenphysik und die String-Theorie hervorbringen. Warum soll das leichter zu schlucken sein als "Und G-tt formte den Menschen aus dem Staub der Erde, und Er atmete in seine Nase die Seele des Lebens (hinein), und der Mensch wurde zu einer lebendigen Seele"?

Worauf ich hinweisen möchte ist, dass sich materialistischer Reduktionismus (der Glaubenssatz, der festlegt, dass Wirklichkeit nichts weiter als ein Komplott von Partikel dummer, mit Energie geladener Materie darstellt) als schrecklich mangelhaft erweist, wenn es darum geht, irgendetwas zu erklären. Alle Kritiken, die die unmöglich niedrige Wahrscheinlichkeit einer progressiven Evolution ansprechen, die Naivität, zu glauben, dass hochkomplexe Systeme durch überholte Mechanismen erklärt werden können, hervorheben und die gänzliche Aufhebung des Gesetzes der Entropie in Frage stellen, sollten aufmerksam angehört werden.

Das Problem ist, dass die sogenannte kreationistische Wissenschaft auch keine Lösung darstellt. Wie kann von uns erwartet werden, dass wir hier wissenschaftliche Forschung betreiben, innerhalb eines Rahmens, der besagt "und hier vollbrachte G-tt ein Wunder"? Das reduziert G-tt zu einem "spitzbübischen Bastler", der sich immer da einmischt, wo Er nicht hingehört, als ob die Materie, aus der das Leben besteht, dem Schöpfer völlig fremd wäre. Je mehr ich ihre Werke lese, umso mehr bin ich davon überzeugt, dass sie nicht vom jüdischen G-tt sprechen, von dem sich alles erstreckt, der gleichermaßen in beiden Welten gefunden werden kann – in den Rhythmen der Natur sowie in den täglichen Gedanken über Wunder.

Ich habe einst einen solchen synkretischen Wissenschaftler zum Mittagessen getroffen und ihn gefragt: "Nervt es Sie denn als Wissenschaftler nicht, dass es da natürliche Phänomene gibt, die Sie beobachten werden, zu denen Sie nur sagen können "nun, wenn G-tt es halt so gemacht hat" und das wird die ganze Zusammenfassung Ihrer Erklärung sein? Wie können Sie auf diese Weise wissenschaftliche Forschung betreiben?"

"In der Tat," antwortete er, "es nervt mich sehr."

Eine neue Wissenschaft, die Bewusstsein nicht als Epiphänomen sieht, sondern als ein Baustein der Existenz ... Die Lösung, wie das nur eine einsetzende Minderheit bisher vorgeschlagen hat, ist zum Fundament der modernen Wissenschaft zurückzugehen und einige der grundlegendsten Begriffe – Begriffe wie z.B. Materie, Kausalität und Bewusstsein – umzudefinieren, wie das theoretische Physiker in der Praxis schon die meiste Zeit unseres Jahrhunderts getan haben. Lassen Sie uns einmal zur Wissenschaft in ihrer frühen Kindheit – als sie noch in den Köpfen von Descartes, Leibnitz und Newton keimte – zurückgehen und sehen, dass auch andere Wege hätten gewählt werden können. Leibnitz, einerseits, stellte den ontologischen Dualismus zwischen Materie und Geist in Frage und schlug vor, dass alle Materie im Wesentlichen empfindungsfähig ist. Er hat sogar ein Buch geschrieben: "Gedanken über die Genesis" – als Phantom-Schreiber für den Herausgeber von "Cabala Denudata".

Doch vielleicht sollten wir nicht hier anhalten. Die Väter der Aufklärung, obwohl sie sich bemühten, die Annahmen von Aristoteles und den Scholastikern zu verwerfen, haben immer noch nicht die Ketten ihrer Tradition abgeschüttelt. Der christliche Geist hat immer angenommen, das die Logos – die Summe aller Gesetze der Natur und der Vernunft – so unendlich sind, wie der Schöpfer selbst. Die Idee wurde von einem antiken, jüdischen Philosophen namens Philo entwickelt, der versuchte, mit Tora und Hellenismus das zu tun, was heutzutage viele mit Tora und Materialismus versuchen.

Das klassische, jüdische Denken, andererseits, konnte sich nie mit dieser Idee anfreunden. Denker wie Hasai Crecas, Menachem Azaria von Fano und der Maharal von Prag haben sie öffentlich angefochten. Das einfache Verständnis eines Juden, der von den Wundern der Tora liest, sagt sicher, dass keines der Gesetze der Natur zwangsläufig ist und das alles umgeändert werden kann. Wie Rabbi Tzvi Aschkenasi (1656-1718) schrieb, selbst das hebräische Wort für "Natur" (Tewa) ist ein entliehener Begriff – der Begriff Natur existiert im "gebürtigen" hebräischen Lexikon einfach nicht.

Vielleicht ist es in diesem Fall möglich, wenn wir unsere grundlegendsten Annahmen vieler Jahrhunderte der Wissenschaft hinterfragen, wir eine neue Wissenschaft gründen könnten, in der für zwei Welten gleichzeitig Platz ist. Eine Wissenschaft, die das Bewusstsein nicht als Epiphänomen sieht, sondern als einen Baustein der Existenz. Eine Wissenschaft, die beim soll und soll nicht kein gleichgültiger Außenstehender bleibt, und es uns ermöglichen wird, zu verstehen, warum solche Begriffe den Kern der Wirklichkeit bilden. Eine Wissenschaft, die eine wahrhaftig messianische Wissenschaft einer neuen Welt sein wird.


Wie Sie sehen können, verlangen viele dieser Ideen mehr als einmal gebacken zu werden. Ein gutes Weiterfeilen seitens eines intelligenten, kritischen Publikums würde nicht schaden. Daher wird jeder Kommentar von Ihnen gern entgegengenommen.

Fußnoten
1.

Siehe vor allem sein Vorwort zu Gewurot Haschem.

2.

Schnei Luchot HaBrit ("Schlah"), Die Zehn Gebote, Traktat Pesachim, Perek Tora Or, Siman 2

von Tzvi Freeman
Tzvi Freeman ist der Autor von Bringing Heaven Down to Earth und Be Within, Stay Above, zwei Bände mit Meditationen, sowie zahlreicher Artikel über jüdische Mystik und Philosophie. In 1975 gab Freeman seine Karriere als Musiker (klassische Gitarre) auf um Talmud und jüdische Mystik zu studieren. Während seinem Studium gründete er die erste chassidische Rockband. Er ist auch der Gründer von Adam v’Adamah – einer jüdischen Umweltgruppe.
Über den Künstler: David Brook lebt in Sydney Australien und malt und verkauft seine Kunst seit seiner High School Zeit. Zur Zeit beschäftigt er sich mit der Malerei und Webdesign.
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2 Kommentare
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Catech'eria Hamburg 3. Januar 2014

Beeindruckend! Philosophischer Hochgenuss! Danke! Reply

marina engelhardt besse 26. Dezember 2013

Eine. wunderschöne Abhandlung. Es gibt weder Zeit, noch Raum, noch intellektuelle Unterschiede von Seiten G´ttes - nur Seelen.
Und wir sagen - alles, alles was da ist, ist g´ttlich. Unterscheiden zw. dem irdischem Leben und dem Kosmischem. Und doch - ist das Erste nicht eine Teilmenge von Zwei.
...und zur Erlangung des inneren Friedens - die Seele ist es, die geprüft wird, wenn man stirbt, nicht der Weg auf Erden.

gut shabbes
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