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Mizwa

Mizwa

Die Verbindung der physischen Welt zur Ewigkeit

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(Sefardi: miṣwā; Aschkenasi: mitsvā) מצוה Wurzel: צוה
Plural: מצות Mizwot
Verwandte Begriffe: צוה ziwa - er hat verordnet; צוותא zawta - Verbindung, Gemeinschaft


Was ist eine Mizwa?

Die Übersetzung des Wortes Mizwa lautet Befehl / Verordnung. Mizwa erscheint etwa 300 Mal in den fünf Büchern Moses, - in verschiedenen Formen, jedoch der gleichen Bedeutung. Der Talmud1 sagt, dass die Kinder Israels 613 Mizwot und zahlreiche Richtlinien am Berge Sinai erhielten. Das Sefer Hamizwot von Rabbi Mosche Maimon (Maimonides) hat diese systematisiert aufgelistet und dort Verordnungen aufgeführt, wie z.B. eine Familie zu gründen und eigene Kinder zu erziehen, die Einheit G-ttes zu verkünden, am siebten Tag bestimmte Tätigkeiten nicht auszuführen, das Fleisch gewisser Tiere nicht zu essen, Tefillin anzulegen, den Heiligen Tempel in Jerusalem aufzubauen, einen König zu berufen, die Verordnungen der Weisen zu befolgen, dem Bedürftigen ein zinsfreies Darlehen zur Verfügung zu stellen. Besuchen Sie die Abteilung Mizwa Minuten um weitere Beispiele im Detail kennenzulernen.

Oft verwenden wir das Wort Mizwa, um ganz allgemein von einer guten Tat zu reden, wie z.B. "Mach eine Mizwa und hilf deiner Oma mit den Koffern." Dieser altherkömmliche Gebrauch ist bereits im Jeruschalmischen Talmud vermerkt, weil jede wohltätige Tat dort eine Mizwa ist.

Das Wort Mizwa enthält die Wurzeln des aramäischen Wortes "zawta" (zusammenfügen). Zawta heißt auch "Partnerschaft" oder "persönliche Verbindung". Demzufolge bündelt die Mizwa den zur Ausführung einer guten Tat aufgeforderten Menschen mit dem, der jenes Gebot erlassen hat, woraus eine Beziehung (ein Bund) entsteht.

Diese drei Bedeutungen können wir in einem Satz zusammenfassen: "Gut" ist das, was der Schöpfer des Universums für diese Welt vorgesehen hat, - und indem wir Seinen Willen ausführen sind wir in Körper, Geist und Seele mit Ihm vereint.

Wozu sind Mizwot gut?

Zum besseren Verständnis des Begriffs Mizwa bedienen sich die Rabbiner des Gleichnisses eines Telefontechnikers: Verbindet er unseren Telefonanschluss mit dem weltweiten Telefonnetz, so steckt er lediglich ein paar Kabel zusammen, die mit den späteren Telefongesprächen scheinbar nichts zu tun haben. Doch hören wir bei verkehrtem Zusammenstecken plötzlich nichts mehr. Genauso hat auch der Schöpfer diese Welt "produziert" und nur er weiß, wie sie funktioniert. Vor 3323 Jahren hat er uns feierlich die Gebrauchsanweisung überreicht. Indem wir Seine Anweisungen genau befolgen, "stecken wir die richtigen Kabel zusammen" und haben - ohne es zu wissen - plötzlich eine Verbindung zu jenen erhabenen, spirituellen Welten hergestellt, die ihren positiven Einfluss auf die physische Welt auszuüben, so dass eigentlich nicht nur der Mensch, sondern die ganze Welt von der Ausführung einer Mizwa profitiert.

Der "Chinuch", ein sehr maßgebliches im 13. Jahrhundert von einem anonymen Autor in Spanien verfasstes Werk, betont den Einfluss der Mizwot auf den menschlichen Charakter. Der "Chinuch" sagt, dass die Einstellung des Menschen mehr durch das Tun, als durch das Denken geformt wird. Der Verfasser bemüht sich, detailliert zu beschreiben, wie sich jede spezifische Mizwa auf den Menschen auswirkt.

Die Kabbalisten des 16. Jahrhunderts in Zfat und vor allem Rabbi Jizchak Luria ("der Ari") haben das Model der Tikun (kosmischen Heilung) zur Beschreibung der Mizwot eingeführt. Mizwot sind Werkzeuge, die den gesamten Kosmos erfüllen, ihn reparieren und ihn zum Ort der Harmonie umgestalten, der das grenzenlose G-ttliche Licht empfangen kann. So sind wir beauftragt, diese Welt durch unser Ausführen der Mizwot für das Messianische Zeitalter vorzubereiten. Dann wird es möglich sein, alle G-ttlichen Gebote in ihrem vollen Ausmaß zu beachten, - auch in ihrem idealen Kontext, in dem das G-ttliche Licht die Welt erfüllen wird, - "wie das Wasser den Meeresboden bedeckt."2

Doch ist die Bedeutung der Mizwot kein "Dienstprogramm", dass uns die Perfektion des Kosmos erreichen lässt. Denn dann würden die Mizwot nicht G-ttes innigstem Wunsch entsprechen, sondern wären lediglich ein weiteres Mittel zum Ziel. Doch das Ausführen einer Mizwa ist ein Ziel in sich selbst. Die Mischna sagt, dass trotz der wunderbaren Dinge einer Mizwa-Ausführung letztendlich die Belohnung der Mizwa, die Mizwa selbst ist3. Beim Ausführen der Mizwa haben wir das Privileg, Eins zu werden mit G-tt.

Kann auch das nicht von G-tt Verordnete eine Mizwa sein?

Obwohl Mizwa sich nur auf jene von G-tt ausdrücklich angeordnete Aktivitäten zu beziehen scheint, sind weitere sieben rabbinische Mizwot in dieser Definition enthalten:

  1. Rituelles Händewaschen vor dem Brot-Essen.
  2. Gesetze betreffend den Eruv.
  3. Segensprechung vor dem Essen oder anderen Genüssen.
  4. Schabbatkerzen zünden.
  5. Purimfest feiern.
  6. Chanukka feiern.
  7. Zu besonderen Ereignissen das Hallel-Gebet (ausgewählte Psalmen) sagen.

Vor jeder dieser Mizwot (ausgenommen Nr. 3, versteht sich) sagen wir denselben Segen, wie vor der Mizwa des Tora-Lernens: "Gesegnest seiest Du, G-TT, unser G-tt, König des Universums Welt, der uns mit Seinen Geboten geheiligt und uns geboten hat ..."

Die Tora verordnet, auf die Weisen zu hören. Doch die Weisen des Talmuds behaupten sogar, dass die rabbinischen Erlasse dem Ewigen noch teurer sind, als Seine eigenen Gebote4. Der stärkste Ausdruck des G-ttlichen Willens sind nicht jene Gebote, die Er uns ausdrücklich angeordnet hat, sondern jene, die von jüdischen Gemeinden durch das hingebungsvolle Studium Seiner Tora, durch das sie wahrhaftig Eins mit Ihm werden, "instinktiv" zu entdecken vermögen. Dasselbe gilt auch für die speziellen Verordnungen zur besseren Absicherung der Beachtung der Mizwot, für die Bräuche und für die Hiddur Mizwa (Verschönerungen).

In der Praxis

Beachtet eine Gesellschaft die Mizwot, so wird sie zu einer Gesellschaft von aktiven, gebildeten Mitgliedern. Denn es ist unmöglich, G-ttes Mizwot auszuführen, ohne sie zuvor studiert zu haben. Jeder Jude ist verpflichtet, sein Wissen regelmäßig zu erneuern und zu aktualisieren. Nur so weiß er auch in unvorhergesehenen Situationen genau, wie diese gemäß den G-ttlichen Verordnungen korrekt zu handhaben sind. Taucht plötzlich eine Frage z.B. zur Anwendung einer neuen Technologie am Schabbat, zum Kaschrut eines neuen Nahrungsmittels, einer neuen medizinischen Methode zur Förderung der Fruchtbarkeit auf, muss der Unwissende den, der mehr darüber weiß, bitten, ihn über diese Neuigkeit zu unterrichten. Dann liegt es an Jenen, die sich am besten in Halacha (jüdisches Gesetz) auskennen, sich dem Thema zu widmen und die Antwort durch festgesetzte Richtlinien und Präzedenzfälle zu erörtern, auf das ein ständiger Wissensaustausch in der Gemeinde stattfindet.

So wird eine Mizwot-Betrachtung als Einzelperson unmöglich, es sei denn, sie sei gleichzeitig Schächter, Bäcker, Mesusot-, Tefillin- und Tora-Rollenschreiber, die keinerlei Fertigprodukte kauft und selbst einen Minjan (Versammlung von 10 jüdischen Männern) darstellt. G-tt will nicht, dass der Jude sich abgrenzt, sondern er soll in der Gemeinde mit Schächtern, Bäckern leben, zusammen mit verschiedenen Rabbinern, die sich in der Halacha auskennen, die auf verschiedenen Gebieten spezialisiert, Fragen beantworten, und es dem Juden ermöglichen, in jedem Bereich nach dem Willen des Ewigen zu handeln und Segen über sich und die ganze Welt zu bringen.

Fußnoten
1.
Makkot 23b.
2.
Isaia 11:9.
3.
Sprüche der Väter 4:2.
4.
Siehe Talmud, Sanhedrin 88b; Jerusalem Talmud, Sanhedrin 11:4.
von Tzvi Freeman
Tzvi Freeman ist der Autor von Bringing Heaven Down to Earth und Be Within, Stay Above, zwei Bände mit Meditationen, sowie zahlreicher Artikel über jüdische Mystik und Philosophie. In 1975 gab Freeman seine Karriere als Musiker (klassische Gitarre) auf um Talmud und jüdische Mystik zu studieren. Während seinem Studium gründete er die erste chassidische Rockband. Er ist auch der Gründer von Adam v’Adamah – einer jüdischen Umweltgruppe.
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