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Mögen die Worte meines Mundes

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Ausgesuchte Texte des Magids von Mezritsch – gesammelt und übersetzt von Rabbi Aryeh Kaplan

Der Sohar besagt, dass der Ewige auf keinerlei Weise darzustellen ist. Doch dann erhebt sich sofort die Frage, wie können wir Ihn mit so vielen Namen nennen und Ihm so viele Beschreibungen zuordnen? Wie können wir uns so vieler Schilderungen bedienen, wenn wir zu G-tt beten?

Der Sohar antwortet: "Er wird liebend und barmherzig genannt damit wir überhaupt eine Beziehung zu ihm finden können." Wenn wir wollen, dass G-tt uns gegenüber barmherzig sein soll, dann wird Er Sein Wesen auf den Begriff "barmherzig" einschränken, in den Lichtern und den Gefäßen der Buchstaben, die dieses Wort bilden. Die Kabbala lehrt, dass die "Sefirot" (G-ttliche Eigeschaften) aus "Licht" oder "G-ttlicher Ausstrahlung" bestehen, die durch jene die Schöpfung beeinflussenden Gefäße weitergeleitet werden.

Die Männer der Großen Versammlung waren sich dessen bewusst, welche Worte welchen Einfluss auf den Kosmos ausüben. Sie wussten genau, wie viel "Lebenskraft" der Mensch abends, morgens, nachmittags braucht. Daher legten sie eine Gebetsformel fest, die alle notwendigen Wörter und Buchstaben enthält, um die G-ttliche Lebenskraft auf den Menschen zu übertragen.

Jedes Wort im G-ttesdienst ist gemäß dieser Notwendigkeit genau berechnet. So kommt es, dass wir G-tt im Amida-Gebet "den Großen, den Mächtigen und den Ehrfurchterregenden" nennen. Unsere Weisen sagen: "Hätte Moses diese Worte nicht benutzt und die Männer der Großen Versammlung diese Formel nicht festgelegt, könnten wir uns niemals anmaßen, diese Worte auszusprechen. Von Moses und den Männern der Großen Versammlung lernen wir, dass diese Wörter und Buchstaben notwendig sind, um ein lebenswichtiges Element an Lebenskraft ins Universum zu bringen.

Zwar ist es für den Menschen wichtig, dass er auch seine eigenen Gebete in einer ihm vertrauten Sprache sagt. Eines der obersten Ziele unseres Daseins in dieser Welt ist der Aufbau einer Beziehung zu G-tt. Daher ist es auch von G-ttes Seite her sehr erwünscht, dass der Mensch Ihn um alles bittet, was ihm auf dem Herzen liegt.

Doch kann das persönliche Gebet die Gebetsformel der Männer der Großen Versammlung nicht ersetzen, sondern soll zusätzlich zur festgelegten Gebetsformel gesagt werden. Trotz aller Anstrengung kann kein persönliches Gebet auch nur annährend auf die Wörterkombination und damit zum selben Ergebnis kommen, wie die Gebetsformel der Männer der Großen Versammlung. Woher sollen wir wissen, welche Worte die Übermittlung der Lebenskraft zum Universum ermöglichen?

Gleiches gilt auch für Segenssprüche, die wir über Nahrungsmitteln und bei besonderen Ereignissen oder Mitzwot sagen: Es ist gut, dem Ewigen mit unseren eigenen Worten unseren tiefempfundenen Dank auszudrücken, doch wie viel Mühe wir uns auch geben, - unser Gebet wird niemals auch nur annährend denselben Einfluss auf das Universum wie die entsprechende Segensformel im Siddur nehmen.

Doch warum erfolgt die Übertragung der Lebenskraft ausgerechnet durch das Aussprechen bestimmter Worte? Es steht geschrieben: "Von meinem Fleisch soll ich G-tt sehen" (Hiob 19:26). Durch das eingehende Betrachten des menschlichen Körpers vermögen wir G-ttes Wege zu verstehen.

Der Mensch ist erfüllt mit der sich in ihm ausbreitenden Lebenskraft. Wenn er sprechen will, muss er seinen Atem durch den Kehlkopf einengen und ihn mit Mund, Lippen, Zunge und Zähnen modulieren. Dort formt er seinen Atem nach Belieben zu Worten. Der Mensch kann also nur kommunizieren, weil seine Lebenskraft, Weisheit und Stimme in seiner Sprechweise zusammengeschnürt sind.

Wenn eine koschere Person im Gebet vor dem Ewigen steht, verbindet dieser Mensch seine Gedanken und Lebenskraft mit der unendlichen Quelle allen Guten als eine einfache, formlose Einheit. Beginnt er jetzt zu sprechen, überträgt er die Lebenskraft des Schöpfers in seine Worte und seine Sprechweise. Werden diese von seinen Lippen ausgesprochen, sind sie eng mit seinem Atem und seiner Lebenskraft verbunden, - zusammengeschnürt in den Lauten, die er zum Ausdruck bringt. Dann ist die Quelle allen Guten mit dem Atem und der Lebenskraft jener Person verbunden und kommt durch Einengung und Modulierung in seinen Worten zum Ausdruck.

Dadurch, dass wir die Worte aussprechen, die uns der Ewige durch Moses gab und die uns die Männer der Großen Versammlung in ausgearbeiteten Gebetsformeln einordneten, geben wir Ihm die Gelegenheit, die Welt durch unsere "Beihilfe" nach Seinem Willen zu modulieren. Wenn wir einstmals "ein gewisses Minimum" an Mizwot erreicht haben werden, wird Er auf dieser Welt Seine Wohnstätte nehmen ... mögen wir das bald erleben!

By Rabbi Dov Ber of Mezritch; selected and translated by Aryeh Kaplan
Rabbi Aryeh Kaplan was the Bronx-born renowned author of over 50 books. In addition to his brilliant success as a youthful prodigy in various yeshivas, as a university graduate student, he was described in a scientific "Who's Who" as the most promising young physicist in America. In the field of Kabbala in English, he translated and elucidated two of the oldest and most important texts: Sefer Yetzira and Sefer Habahir, and his Meditation and Kabbala is still the classic in the field. The Jewish people suffered a tragic loss when he passed away suddenly in 1983 at the age of 48.
Rabbi Dov Ber of Mezritch, known as "The Maggid". A gifted orator and original thinker, he was a maggid, or preacher. Initially a fierce opponent of the new chassidic movement, he became the Baal Shem's ardent follower, and after the his death, the consolidator of the Chassidic movement. Under his guidance for 11 years, the movement expanded rapidly. In time, both chassidim and their opponents came to defend a common Torah against the onslaught of rising tide of enlightenment and secularization. Among the Maggid's students were Rabbi Shmelke of Nikolsburg and his brother Rabbi Pinchas Horowitz of Frankfurt, Rabbi Levi Yitzchak of Berditchev, Rabbi Nachum of Chernoble, Rabbi Shneur Zalman of Liadi, Rabbi Elimelech of Lizhensk and his brother Rabbi Zusha of Anapoli, Rabbi Zev Wolf of Zotamir, Rabbi Shlomo of Karlin, Rabbi Menachem Mendel of Vitebsk, and many others. The Maggid's only son was the saintly Rabbi Avraham HaMalach (the Angel)(1740-1776).
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