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Eine zweite Chance

Eine zweite Chance

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"Es ist niemals zu spät, es gibt immer eine zweite Chance." Dies ist Rabbi Josef Jizchak Schneersohn, des sechsten Lubawitscher Rebbe (1880-1950) zufolge die Botschaft von Pessach Scheni. Es betrifft das von der Tora verordnete "Zweite Pessach" und ist bedacht für jene, die am ursprünglich vorgesehenen Datum die Gelegenheit verpassten, das Pessachlamm darzubringen.

Wir können die Aussage: "Es gibt immer eine zweite Chance" generell auf alle Lebenslagen beziehen, um so aufgewühlte Geister zu beruhigen. Doch was hat die in jede Sammlung passende Aufmunterung mit unserem Alltag zu tun? Zu diesem Thema habe ich mich bei meinen Nachbarn erkundigt:

"Tja," antwortete meine Nachbarin Sarah L., "ich habe gestern den 18:22 Uhr Zug verpasst und verbrachte 35 Minuten auf der Bahnstation, in der es nur eine zwei Tage alte Zeitung gab. Wäre ich pünktlich zu Hause gewesen, hätte ich die Zeit bei einer Gute-Nacht-Geschichte mit meiner Tochter verbringen können. Heute werde ich den Zug hoffentlich erreichen, doch die gestern verlorene Zeit wird niemals zurückkehren."

"Tja," antwortete Jeffery H., ein erfolgreicher Rechtsanwalt, "vor zwanzig Jahren kannte ich ein wunderbares Mädchen, das ich gerne geheiratet hätte. Ich war bereits im Begriff ihr zu sagen, was ich wollte, - und ich wusste, sie würde zusagen. Doch dieser Augenblick ging vorüber, und ich habe ihr keinen Heiratsantrag gemacht. Trotzdem bereue ich es nicht, denn heute bin ich mit einer anderen, wunderbaren Frau glücklich verheiratet. Doch was jenen Augenblick betrifft, wird er niemals zurückkehren, jedenfalls nicht in diesem Leben."

"Tja," sagte Forrest, ein Geschäftsindustrieller aus meiner Bekanntschaft, "als ich noch ins Gymnasium ging, hatte ich einen Freund, der mich fragte, ob ich finde, dass er wohl in die Politik gehen sollte. Nun war dieser Freund der Allerletzte, den ich mir als Staatschef oder Oberhaupt einer Großmacht gewünscht hätte. Doch wollte ich seine Gefühle nicht verletzen, daher sagte ich ihm: 'Sicher! Tu das!' Ich brauche wohl niemandem zu erzählen, welches Desaster dieser Mensch während seiner achtjährigen Amtszeit angerichtet hat. Dies ist nun eine Entscheidung, die nicht wieder rückgängig gemacht werden kann."


Was meinen wir damit, wenn wir von einer "zweiten Chance" reden? Ist das die Fähigkeit, in eine Kapsel zu steigen, in die Vergangenheit zu reisen, unser damaliges, verirrtes Selbst auf die Seite zu drängen, um jetzt das zu tun, was uns richtig scheint? Und wo liegt der "Vorteil" der zweiten Chance, wenn dem so ist? Wäre das Richtige zu tun, nicht von vorn herein besser gewesen? Was gibt es an diesem die "zweite Chance" symbolisierenden Fest überhaupt zu feiern?

Der Begriff der Tschuwa ("Rückkehr"), den uns die Tora lehrt, bedeutet nicht nur das Korrigieren und Ausbügeln von Irrtümern aus der Vergangenheit, sondern sie kann die Vergangenheit ins Richtige verändern. So beeinflusst die Tschuwa die Bedeutung und Auswirkungen des Geschehenen in solcher Weise, dass ein noch besseres Endresultat herauskommt, - und zwar so, als hätten diese Ereignisse nie stattgefunden und wir "von Anfang an das Richtige“ getan.

Sarah L.: "Im Grunde genommen, wenn ich ehrlich bin, - selbst wenn ich den Zug erreicht hätte, wäre ich bei der versprochenen Gute-Nacht-Geschichte nicht bei der Sache gewesen und hätte sie schnellstens beendet. Meine Gedanken waren gestern Abend eh ganz woanders. Doch durch den verpassten Zug und mein nicht eingehaltenes Versprechen, verstand ich plötzlich, wie sehr mich meine Tochter braucht – nicht nur meine physische Gegenwart, sondern auch meine Aufmerksamkeit und meine Geistesgegenwart. Heute Abend werde ich auf ihrem Bett sitzen und mit ihr reden, etwas, das wir schon lange nicht mehr getan haben."

Jeffery H.: "Im Grunde genommen ist meine Ehe eigentlich das Beste, was mir je hätte passieren können. Ich bin davon überzeugt, dass die Frau, die ich geheiratet habe, schon von Anfang an für mich bestimmt war, und sie die einzige Person ist, die zu mir passt. Je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr sehe ich in jener 'verpassten Gelegenheit' eine ständige Herausforderung, diese Intensität des Sehnens und der Hoffnung, die ich damals empfand, auch in unserer eigenen Beziehung zu erleben, und sogar in einem viel stärkeren Ausmaß. Ich sage mir immer: „Wenn ich dazu fähig war, eine solche Lebhaftigkeit an Gefühlen in jener verpassten Beziehung zu erleben, wie viel mehr sollte ich sie jetzt in einer wahren Beziehung empfinden! So verliebe ich mich jedes Mal von neuem in meine Frau!"

Was den Geschäftsindustriellen Forrest betrifft, so setzte er - anstatt in Rente zu gehen, wie er es zum fünfundsechzigsten Geburtstag geplant hatte - seine Arbeit fort und arbeitet Tag und Nacht, um das von seinem Freund einst angerichtete Desaster wieder gut zu machen. Es wäre interessant herauszufinden, was er heute zu dem Ganzen sagt.

von Yanki Tauber
Yanki Tauber ist Chefredakteur von Chabad.org und ein erfolgreicher Autor.
Über den Künstler: Sarah Kranz hat Magazine, Webseiten und Bücher (inklusive 5 Kinderbücher) illustriert, seitdem sie 1996 ihren Abschluss beim Istituto Europeo di Design, Milan, erlangte. Zu ihren Kunden zählen The New York Times und das Money Marketing Magazine of London.
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