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Der Bar Mizwa-Ma'amar

Der Bar Mizwa-Ma'amar

Zusammenfassung

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Ein Ma'amar ist eine Meditation über einen tiefen chassidisch-mystischen Gedanken, ursprünglich von einem Rebben aus einem kontemplativen Zustand heraus formuliert. Hier ist eine Kurzfassung des Ma'amar, der - erstmals vom fünften Lubawitscher Rebben (Rabbi Schalom Dovber Schneersohn, 1860-1920) bei seiner Bar Mizwa gesagt -, traditionellerweise vom Bar Mizwajungen wiederholt wird.

Das jüdische Volk klagte: »Herr der Welt! Wir würden gerne die Tora Tag und Nacht studieren, aber wir sind so sehr mit den Verpflichtungen des Alltags beschäftigt.«

Der Heilige, gepriesen sei Er, antwortete: »Legt die Tefillin einmal am Tag an und Ich werde dies betrachten, als hättet ihr Tag und Nacht die Tora studiert.«

Rabbi Elieser in Midrasch Tehillim

Welchen Zusammenhang haben Tefillin und die Mizwa des Torastudiums? Und wie können Tefillin als Ersatz für das Studium der Tora dienen?

Die beiden sind verbunden, sagen uns die jüdischen Schriften, weil sie in den höheren Sphären dieselbe Wirkung haben. Woher wissen wir, dass unsere Mizwot oben überhaupt eine Wirkung haben? König David ist es, der im Psalm sagt:

»Er kündet Seine Worte dem Jakob, Seine Gesetze und Rechtsvorschriften Israel.«

Damit will der Vers zeigen, dass die Gesetze, die G-tt Anderen gebietet, »Seine« sind, d.h. auch von Ihm selbst erfüllt werden.

Der Midrasch drückt das folgendermassen aus:

Der Heilige, gepriesen sei Er, ist nicht wie ein König aus Fleisch und Blut, der Anderen Befehle erteilt, ohne selbst etwas davon auszuführen. Er, gepriesen sei Er, befiehlt anderen, was Er selbst tut.

Der Midrasch kann dahingehend verstanden werden, dass das Erfüllen der Mizwot durch den Menschen dazu führt, dass auch G-tt dieselben Mizwot erfüllt. Legt also das jüdische Volk Tefillin, wird G-tt dazu gebracht, ebenfalls Tefillin zu legen. Wie aber ist das zu verstehen, G-tt trägt doch gewiss nicht physische Tefillin? Die Rabbiner stellen diese Frage und weisen ausserdem darauf hin, dass das Pergament in G-ttes Tefillin kaum die Worte »Schma Israel« enthalten könne. Warum sollte G-tt sich selbst daran erinnern, dass Er eins ist?

Stattdessen, sagen die Weisen, steht in G-ttes Tefillin geschrieben: »Wer ist wie Dein Volk, Israel, ein Volk auf Erden!«

Das jüdische Volk hat also Tefillin, die G-ttes Einzigkeit verkünden, und G-tt hat Tefillin, die verkünden, dass Israel eins ist. Dass der Meister allen Seins Tefillin mit der Inschrift trägt , Israel ist »ein Volk auf der Erde«, stellt den Juden zweifelsohne vor eine besondere Verantwortung und gibt ihm gleichzeitig die nötigen Kräfte, seine diesbezüglichen Aufgaben erfolgreich zu erfüllen.

Um zu erklären, wie das Tefillin-Legen G-ttes zu verstehen ist, und welche Verbindung zwischen den Tefillin und dem intensiven Studium der Tora besteht, erklärt der Ma'amar weiter:

»Hoch über allen Völkern ist der Ewige.«

In der Tat übersteigt die g-ttliche Essenz die Begriffe der Menschen vollkommen, und das gesamte physische und spirituelle Universum sind wie Nichts vor Ihm. Gleichzeitig ist dieses Universum kein unabhängiges Sein von seinem Schöpfer, sondern es ist Seine Energie, die jeden Augenblick die Schöpfung versorgt und ihr so zum Sein verhilft. Würde diese Energie auch nur für einen Augenblick zurückbehalten, würde alles Sein erlöschen.

Die klassische jüdische Philosophie fügt ein, dass es Ihm gewissermassen möglich ist, diesen fortdauernden Schöpfungsprozess ohne wirkliches Interesse abzuwickeln. Die Welt wäre dann wie der Körper einer schlafwandelnden Person - der Körper lebt, aber der Geist ist nur minimal beteiligt. Die Tora aber kann dazu führen, dass G-tt mit uns und dieser Welt tief engagiert ist. So steht geschrieben:

»Blicke herab von Deiner heiligen Stätte, vom Himmel, und segne Dein Volk Israel.«

Warum bitten wir G-tt, vom Himmel herabzublicken, wenn wir um Seinen Segen bitten? Ist G-tt nicht überall zu finden, auf dieser irdischen Welt genauso wie in den erhabenen spirituellen Ebenen, die der Vers »Himmel« nennt?

Der Vers drückt damit vielmehr den Wunsch aus, dass Er mittels der Tora auf uns blicken soll, die als eine Art Vergrösserungsglas dient, das uns des Segens wert erscheinen lässt. Wie der Sohar nämlich ausführt, ist die Tora gewissermassen G-ttes innerster Gedanken. Wenn der Mensch Tora lernt, lernt G-tt mit ihm. Die Tora ist auch die ursprüngliche Quelle der Energie, die Seine gesamte Schöpfung mit Lebenskraft versorgt. Wenn wir also intensiv mit Seiner Tora beschäftigt sind, beschäftigt Er sich mit uns. Es entsteht eine tiefe Verbindung zwischen uns und Ihm. Er nimmt inneren Anteil an Seiner Welt.

Was aber, wenn wir einfach nicht in der Lage sind, den ganzen Tag dem Torastudium zu widmen? Was passiert dann mit der Welt? Das ist die Macht der Tefillin: Sie bringen die Inhalte der Tora herab in unsere Köpfe, in unsere Herzen und sogar zu unseren Händen.

Das ist also gemeint, wenn man davon spricht, dass Er Tefillin anlegt - Er konzentriert Seine innersten Gedanken darauf, was mit uns und der Welt geschieht. Gewiss, beim Torastudium ist der Effekt ein direkter, die Tora verbindet direkt mit unserer Welt. Nichtsdestotrotz hat der Heilige, gepriesen sei Er, Erbarmen mit uns und erstellt diese Verbindung für uns aufgrund des Tefillin-Legens - genauso, als würden wir Tag und Nacht die Schriften der Tora studieren.

Entnommen aus dem Buch Das Geheimnis der schwarzen Boxen. Übersetzt von Carole Rittri und Levi Sternglanz. Nachdruck verboten!
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